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Rostock Brutale Übergriffe auf Prostituierte: Rostocker muss acht Jahre in Haft
Mecklenburg Rostock Brutale Übergriffe auf Prostituierte: Rostocker muss acht Jahre in Haft
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18:04 23.09.2019
Der Verurteilte Steven P. im Saal des Rostocker Landgerichts. Quelle: Stefan Tretropp
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Rostock

Regungslos mit gesenktem Kopf fügt sich Steven P. seinem Schicksal: Vor dem Rostocker Landgericht ist am Montagnachmittag das Urteil im Prostituierten-Misshandlungs-Prozess gesprochen worden. Der 28 Jahre alte Angeklagte muss wegen gefährlicher Körperverletzung in zwei Fällen acht Jahre ins Gefängnis, dazu wurde die anschließende Sicherungsverwahrung angeordnet. Damit wird verhindert, dass der Mann nach Verbüßung seiner Haftstrafe freikommt. Diese Maßnahme muss in regelmäßigen Abständen überprüft werden. Den Opfern wurde zudem ein Schadenersatz von 7000 beziehungsweise gut 10.100 Euro zuerkannt.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Steven P. im Oktober des letzten und im Januar dieses Jahres zwei Prostituierte in seiner Wohnung quälte und schwer verletzte. Der Angeklagte weise laut Gericht eine „sexuelle sadistische Störung“ auf. Demnach würde er sexuell erregt, wenn er Frauen erniedrigen und würgen könne.

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Schockierende Informationen auf Computer gefunden

Um seine Phantasien ausleben zu können, hatte sich der 28-Jährige die beiden Prostituierten in seine Wohnung bestellt, diese gefesselt, mit einem Messer bedroht und – zumindest in einem Fall – bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt. Die beiden Damen überlebten die Tortur und hatten Todesangst.

Ausführlich stellte der Vorsitzende Richter dar, dass sich bei dem Mann schon früh der Hang zum sexuellen Sadismus gezeigt habe. Er werde durch die Fantasie sexuell erregt, eine Frau zu würgen und leiden zu sehen. Dies sei erstmals im Grundschulalter aufgetreten, als er eine solche Szene in einem TV-Film gesehen habe. Daraufhin habe er eigene Fantasien entwickelt, die bis heute durchgehend bestehen. Ab 2016 habe er sich dann näher mit Sadismus beschäftigt. Dazu dienten etwa sogenannte Snuff-Videos, in denen der Missbrauch von Frauen bis zu deren allerdings nicht realem Tod dargestellt wird.

Der Richter erklärte in seiner Urteilsbegründung, wie unter anderem der Computer des Mannes ausgewertet wurde und sich auf diesem schockierende Informationen fanden. „P. konsumierte im Internet rastlos Videos, auf denen der sexuelle Missbrauch von Frauen durch Strangulation bis hin zum Tod dargestellt wurden“, so der Richter. Diese Phantasien hätte der 28-Jährige dann auf die beiden Prostituierten bezogen. „Er wollte den Frauen wehtun und gleichzeitig seine Phantasien ausleben, dabei hat er den Tod billigend in Kauf genommen“, fuhr der Richter weiter fort.

Sicherungsverwahrung angeordnet

Steven P. hatte zwar beide Taten eingeräumt, immer wieder aber auch von „Erinnerungslücken“ gesprochen. Dies nahm ihm das Gericht nicht ab. In das Urteil floss zugunsten des Angeklagten ein, dass er vorher nie strafrechtlich in Erscheinung getreten war, sich geständig und voller Reue zeigte und therapiebereit ist. Gegen ihn sprachen allerdings die hohe kriminelle Energie, dass es sich um geplante Taten mit massiver Gewalt handelte und die den Opfern zugefügten Schäden mit dauerhaften Verletzungen.

In der Gesamtheit wurde der 28-Jährige wegen zweifacher gefährlicher Körperverletzung zu einer achtjährigen Freiheitsstrafe verurteilt und die Unterbringung die Sicherungsverwahrung angeordnet. Die Sicherungsverwahrung begründete das Gericht mit dem hohen Gewaltpotenzial der Taten. Er habe die Taten trotz der Tatsache begangen, dass sich beide Frauen bei ihren Ehemännern abgemeldet hätten und nur er als Täter in Frage gekommen war. Der Hang zu diesen Taten sei auch daran festzumachen, dass der Mann nach der ersten Tat zunächst entdeckt wurde, auf freiem Fuß blieb und trotzdem ein Vierteljahr später die zweite Tat beging.

Laut Richter gehe vom 28-Jährigen eine „Gefährlichkeit für die Allgemeinheit“ aus. Die Staatsanwaltschaft zeigte sich zufrieden mit dem Urteil, der Verteidiger sagte nach dem Urteil, dass er und sein Mandant den Gang in die Revision prüfen werden. Er verwies darauf, dass es sich die Kammer mit ihrem Urteil zur Sicherungsverwahrung nicht leicht gemacht habe. „Was diese Entscheidung angeht, besteht natürlich ein Spielraum.“

Von Stefan Tretropp/dpa