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Rostock Buddhisten bauen neuen Tempel in Rostock
Mecklenburg Rostock Buddhisten bauen neuen Tempel in Rostock
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13:22 24.03.2019
In Lichtenhagen wurde Sonnabend der Grundstein für das erste buddhistische Gotteshaus in Rostock gelegt - mit dabei Bausenator Holger Matthäus (v. l.), Ortsbeiratschef Ralf Mucha, Vize-OB Chris Müller-von Wrycz Rekowsi, die Abt Thich Nguyen Sieu, Architekt Eckhardt Engler, Abt Thich Nhu Dien und Äbtissin Thich Nu Dieu Phuoc. Quelle: Andreas Meyer
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Rostock

Es war ein Ereignis, das sich getrost als bemerkenswert bezeichnen lässt – und auch als historisch: Nur wenige Hundert Meter von dem Ort entfernt, an dem 1992 ein rassistischer Mob Jagd auf Ausländer machte und Rostock weltweit traurige Berühmtheit bescherte, entsteht seit Sonnabend eine Oase der Begegnung, der Besinnung und des Glaubens. An der Wolgaster Straße hat offiziell der Bau des ersten buddhistischen Gotteshauses der Rostocker Stadtgeschichte begonnen.

1,6 Millionen für das Gotteshaus

Auf einer ehemaligen „Hundewiese“ zwischen Häuserblöcken investiert die Buddhistische Vietnamesische Gemeinde in Berlin und Umgebung 1,6 Millionen Euro in neues Meditationszentrum. Wobei der Begriff das Bauvorhaben nur unzureichend beschreibt: Das neue Gebäude wird eine Pagode, ein Tempel und ein Kloster zugleich. 16 buddhistische Nonnen werden dort künftig leben. „Die Pagode spielt eine wichtige Rolle im Leben der Buddhisten“, sagt Äbtissin Thich Nu Dieu Phuoc. Ein altes vietnamesisches Sprichwort etwa laute: „Das Dach der Pagode beschützt die Seele der Nation.“

Viele Buddhisten in der Hansestadt hätten sich schon lang einen Ort für ihre Kultur und die Religion gewünscht, sagt auch Thich Nhu Dien. Er ist Gründungsabt der Buddhisten Gemeinde in Hannover. „1978 wurde dort das erste buddhistische Zentrum gegründet. Mittlerweile gibt es 15 in ganz Deutschland. In Rostock aber fehlt ein solches Haus bisher.“ Seit Jahren sammle die Gemeinschaft daher Spenden für das Projekt. „Rostock ist eine Stadt, die sich entwickelt. Die vietnamesische und auch die buddhistische Gemeinschaft insgesamt fühlen sich in der Hansestadt sehr wohl.“ Laut neuesten Zahlen der Stadtverwaltung lebten Ende 2017 exakt 619 vietnamesische Staatsbürger in Rostock. In dieser Zahl sind all jene, die vietnamesische Wurzeln und die deutsche Staatsbürgerschaft haben, aber nicht enthalten.

In Rostock wurde die Grundsteinlegung für den ersten buddhistischen Tempel in der Geschichte der Hansestadt gelegt.

Tempel für alle Rostocker

Doch das neue Rostocker Gotteshaus, das nach Angaben von Architekt Eckhardt Engler zum Jahresende 2020 fertiggestellt werden soll, sei nicht nur für die vietnamesische Gemeinschaft in der Hansestadt und Umgebung bestimmt: „Rostock ist eine weltoffene, multikulturelle Stadt“, so Äbtissin Thich Nu Dieu Phuoc. Alle Nationalitäten und alle Religionen seien in dem neuen Tempel willkommen. Er solle ein Ort des Austauschs werden. Ein Sprecher der Buddhistischen Vietnamesischen Gemeinde sagt, in der neuen Pagode sollen auch Kurse angeboten werden – zum Beispiel Meditationsangebote. „Dieses Haus soll uns alle zusammenbringen und zusammenbinden.“

Das neue Zentrum werde den Namen „Loc Uyen“ tragen, so Projektmanager Nguyen Nhu Vinh. Dieser Begriff bezeichne den Ort, an dem Buddha seine erste Predigt gehalten hat. Nach dem offiziellen ersten Spatenstich, der im Rahmen einer traditionelle Zeremonie stattfand, starten nun die Ausschreibung: Die Gemeinde will weitestgehend nur Firmen aus der Region Rostock für die Arbeiten engagieren. Ein Zeichen der Verbundenheit mit der Hansestadt und MV. Wie groß das Interesse der Nachbarn an dem Vorhaben ist, zeigte sich auch beim Festakt: Viele Lichtenhäger waren gekommen, um den ersten Spatenstich mitzuerleben. Insgesamt kamen rund 250 Besucher.

Ortsbeirat: „Ein tolles Zeichen“

Nicht nur für die Buddhisten in Rostock, sondern für die gesamte Hansestadt sei der Baustart ein tolles Zeichen, sagte Vize-Oberbürgermeister Chris Müller-von Wrycz Rekowski (SPD). „In den vorherigen 800 Jahren Stadtgeschichte gab es noch kein buddhistisches Gotteshaus in Rostock.“ Es werde Zeit dafür: „Viele unserer Rostocker Landsleute haben vietnamesische Wurzeln. Es ist gut, dass sie einen Ort bekommen, an dem sie ihre Wurzeln und ihre Religion ausleben können.“ Der Buddhismus stehe dafür, Menschen in Liebe und Freundschaft zu begegnen. Das fehle ab und an in der Hansestadt: „Ich würde mir wünschen, dass die Stadtgesellschaft auch Neubau-Vorhaben anderer Religionen mit Gelassenheit begegnet.“ Der SPD-Oberbürgermeister-Kandidat spielt damit auf die Planungen für eine neue islamische Moschee im Hansaviertel an. OB Roland Methling (UFR) hat den Pachtvertrag für das Bauland vorerst auf Eis gelegt, am Montag marschiert die AfD dennoch gegen den Bau auf.

Solche Proteste gab es gegen den buddhistischen Tempel nie, sagt Lichtenhagens Ortsbeiratschef Ralf Mucha (SPD). „Bei den allermeisten Menschen im Stadtteil kommt es gut an, dass mitten im Viertel eine Oase der Ruhe entstehen soll.“ Die maximal zwölf Meter hohe Pagode werden zur Verständigung zwischen den Religionen beitragen. „Dass dieser Tempel in Lichtenhagen entstehen, ist angesichts der Geschichte Rostocks ein ganz besonderes und tolles Zeichen.“ Und Bausenator Holger Matthäus (Grüne) sagt: „Der Buddhismus ist die Religion des Lächelns. Er lehrt uns, dass wir Hass nur mit Liebe bekämpfen können. Welch schöne Botschaft in diesen Zeiten.“

Andreas Meyer

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