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Rostock Bürgerschaft begrenzt Wohnungsverkauf der Wiro
Mecklenburg Rostock Bürgerschaft begrenzt Wohnungsverkauf der Wiro
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20:28 30.01.2019
Die kommunale Rostocker Wohnungsgesellschaft Wiro darf künftig aus ihrem Bestand an Eigentumswohnungen pro Interessent maximal drei im Jahr verkaufen. Das hat die Bürgerschaft am Mittwoch beschlossen.
Die kommunale Rostocker Wohnungsgesellschaft Wiro darf künftig aus ihrem Bestand an Eigentumswohnungen pro Interessent maximal drei im Jahr verkaufen. Das hat die Bürgerschaft am Mittwoch beschlossen. Quelle: OVE ARSCHOLL
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Rostock

Die Gewinnausschüttung der Gesellschaft Wohnen in Rostock (Wiro) an die Hansestadt könnte künftig geringer ausfallen als gedacht – um etwa 4,2 Millionen Euro pro Jahr. Der Grund: Die Bürgerschaft hat Mittwochabend für das Unternehmen neue Regeln zum Verkauf von Eigentumswohnungen festgelegt. Statt wie bisher unbegrenzt dürfen künftig pro Jahr und Interessent maximal drei Wohnungen veräußert werden.

Die SPD, die den Antrag initiierte, wollte dadurch die Wiro-Mieter schützen – vor möglichen Wohnungskündigungen aufgrund von Eigenbedarf der neuen Eigentümer sowie Mietsteigerungen. „Uns ist allerdings kein einziger Fall bekannt, in dem es eine solche Kündigung gegeben hat“, sagt Wiro-Sprecher Carsten Klehn. Und die Verkäufe laufen bereits seit Jahrzehnten.

Aktuell noch 850 Objekte im Angebot

Rund 850 Wohnungen hat das Unternehmen aktuell noch im Verkaufsportfolio. Das stammt aus den 90er-Jahren, als der Bund der Wiro 50 Prozent der Altschulden erließ, nachdem 15 Prozent des Bestandes privatisiert worden waren – 3683 Wohnungen. Damals kümmerte sich die Wiro-Tochter Rogewo um den Verkauf. „Von 2007 bis 2017 waren es beispielsweise 835 verkaufte Wohnungen. Dadurch wurde ein Gewinn von 21,5 Millionen Euro erzielt“, sagt Klehn.

Verkauft wurden bisher Objekte in den verschiedensten Stadtteilen, von der Südstadt über KTV und Hansaviertel bis nach Evershagen, Lütten Klein oder Lichtenhagen – sowohl leer gezogene als auch vermietete Wohnungen. „Die Mieter wissen von Anfang an, dass sie in einer Eigentumswohnung leben und diese verkauft werden kann“, so der Sprecher. Das stünde im Vertrag und zeige sich auch darin, dass die Mieter nicht in den Kundencentern, sondern vom Bereich Haus- und Wohneigentum der Wiro betreut würden.

Vorkaufsrecht für Mieter und deren Angehörige

Was in der Bürgerschaft ebenfalls beschlossen wurde, ist ein Vorkaufsrecht für die Mieter und deren Angehörigen. „Das praktizieren wir schon seit Jahren, nur die Nachfrage der Mieter ist nicht so stark. Oftmals sind es Erstbezieher und die wollen gar nicht kaufen“, sagt Klehn. Wer in einer solchen Eigentumswohnung lebe, hätte außerdem jederzeit die Chance, sich beim Unternehmen nach einer neuen Bleibe umzusehen. Aber auch das sei oft nicht passiert. Entgegen der Angst der SPD, deren Antrag von Linken und Grünen aufgegriffen wurde, seien die bisherigen Verkäufe nicht an große Finanzinvestoren erfolgt. Die im Antrag integrierte vorrangige Veräußerung an Genossenschaften sei bisher ebenfalls auf wenig Nachfrage gestoßen, so Wiro-Sprecher Klehn.

Obergrenze von 250 Wohnungen pro Jahr nie ausgeschöpft

Generell trage der Verkauf von Wohnungen auch mit zum wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens bei. „Es wird sich zeigen, ob es künftig genügend Käufer für die kleinteiligere Zahl an Wohnungen gibt, um am Ende den erwarteten Ertrag zu erzielen“, so Klehn. Den durch die Bürgerschaft bereits in der Vergangenheit gefassten Beschluss über einen maximalen jährlichen Verkauf von 250 Wohnungen hätte die Wiro bisher noch nie ausgeschöpft. Garantiert sei außerdem: „Ausschließlich die früheren Rogewo-Wohnungen stehen zum Verkauf. Mietwohnungen aus unserem Bestand sind davon nicht betroffen“, erklärt der Unternehmenssprecher.

Nach den neuen Verkaufsbegrenzungen auf Vorschlag der Grünen folgte die Bürgerschaft am Mittwoch auch einem Antrag von Sybille Bachmann (Rostocker Bund/Graue/Aufbruch 09). Der besagt, dass beim Verkauf von Wohnungen durch die Wiro der Mieterschutz künftig im Kaufvertrag maximal möglich geregelt werden soll.

Claudia Labude-Gericke