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Rostock Buga 2025 in Rostock: Diese Träume werden nicht wahr
Mecklenburg Rostock Buga 2025 in Rostock: Diese Träume werden nicht wahr
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17:16 23.05.2019
Aus der Traum: Der geplante Stadtstrand am Warnow-Ufer wird nicht gebaut. Der Flussgrund ist zu giftig. Quelle: Rostocker Gesellschaft für Stadterneuerung
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Rostock

Die Finanzierung steht, die Bundesgartenschau 2025 kommt – das ist seit dem erfolgreichen Krisengipfel zwischen Stadt und Land vor einer Woche klar. Doch: Von den ursprünglichen Planungen für die große Umgestaltung des Stadthafens bleibt dennoch wenig übrig.

Vor dem neu gegründeten Fördervereins „Freunde der Bundesgartenschau 2025“ stellte Chef-Planerin Sigrid Hecht den aktuellen Stand vor. Das Plateau über der L22, den geplanten Stadtstrand und auch den angedachten Sportpark auf dem Ostufer der Warnow wird es nicht geben.

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Probleme mit Gift und Müll

„Wir haben für die Buga-Bewerbung alle Ideen zusammengetragen. Jetzt prüfen wir, was sich realisieren lässt“, so Hecht, die Geschäftsführerin der Rostocker Gesellschaft für Stadterneuerung. Das die geplante Querung der L22, der meist befahrenen Straße des Landes, von der Innenstadt zum Stadthafen nicht kommen wird – das ist seit Wochen bekannt. Die Kosten waren nach OZ-Informationen explodiert.

Und außerdem: Die Arbeiten für das neue Volkstheater, die Rad- und Fußgängerbrücke über die Warnow, das Archäologische Landesmuseum und das Plateaus hätten zeitgleich stattfinden müssen – auf einem beschränkten Areal am Stadthafen. „Das ist nicht machbar. Die Vorgabe war, dass die L22 nicht gesperrt werden darf. Auch die Planungen kriegen wir nicht rechtzeitig fertig.“ Neues Ziel: Sobald die Buga 2025 Geschichte ist, wird am Plateau gearbeitet. Also frühestens 2026.

Keine Markt- und Blumenhalle

Auch die geplante Markt- und Blumenhalle, die im Bereich des Christinenhafens entstehen sollte, wird nicht kommen. „In einigen Jahren werden wir dieses Vorhaben sicher umsetzen. Aber nicht zur Buga“, so Hecht. Stattdessen soll eine provisorische Blumenhalle errichtet werden.

Damit aber nicht genug der schlechten Nachrichten: Auch den Strandstrand am Gehlsdorfer Ufer wird es höchstwahrscheinlich nicht geben. Untersuchungen des Umwelt- und des Gesundheitsamtes hätten ergeben, dass der Warnow-Grund in dem Bereich belastet ist: „Die Substanzen darin sind giftig. Da will niemand seine Füße reinstecken“, so Hecht.

Vom neuen Sportpark mit Fußballfeld und Buga-Hauptbühne auf der alten Deponie in Gehlsdorf nehmen die Planer ebenso Abstand: Der unterirdische Deponie-Körper ist in Teilen schon abgesackt, er darf nicht bebaut werden. „Wir denken jetzt über Spielgeräte, Sitzgelegenheit nach. Die Vergangenheit zwingt uns dazu, aus dem Areal eine Oase zu machen, in der Rostocker und ihre Gäste das Grün, die Natur erleben können.“

Mühlendammschleuse wird doch saniert

Aber es gibt auch gute Nachrichten: Um am Fluss überhaupt bauen zu dürfen, muss der Bund die Bundeswasserstraße Warnow zwischen Mühlendammschleuse und Kabutzenhof an das Land und die Stadt abgeben. „Bis Ende Juni sollen die entsprechenden Verträge vorliegen, nach der Sommerpause bekommen wir dann die Hoheit über unseren Fluss“, so Vize-Oberbürgermeister Chris Müller-von Wrycz Rekowksi (SPD-OB-Kandidat).

Und Rostock bekommt für die Übernahme noch eine sehr stattliche Mitgift: Der Bund will die Warnow im Stadthafen komplett auf 6,50 Meter ausbaggern – noch in diesem Jahr. Und: Sämtliche Unterhaltungskosten für 100 Jahre übernimmt auch Berlin. „Der Bund lässt die Mühlendammschleuse nochmal untersuchen. So wie es aussieht, wird er auch die Hälfte der Kosten für eine komplette Sanierung der Schleuse tragen. Dann wäre sie wieder nutzbar“, so Rathaus-Chef Roland Methling (UFR).

Muster-Wohngebiet „Warnow-Quartier“ kommt

Dass Rostock die Warnow „übernimmt“ – davon hängt auch der Bau einer Fußgänger- und Radfahrerbrücke über den Fluss ab. „Über Bundeswasserstraßen müssen Brücken mindestens 24 Meter hoch sein, wir planen mit zwölf Metern. Das reicht für die allermeisten Schiffe und Segelboote. Außerdem wird es einen Klappmechanismus geben für größere Wasserfahrzeuge“, so Buga-Planerin Hecht. Drei internationale Planungsbüros hätten sich auf eine europaweite Ausschreibung für den Brückenbau beworben: „Im September wählen wir den Generalplaner aus. Wir liegen voll im Zeitplan.“

Im neuen Muster-Wohngebiet „Warnow-Quartier“ im Osthafen will Hecht zur Buga erste Wohn- und Geschäftshäuser bauen. Nach der Buga sollen Private dann die restlichen Flächen erschließen. Und auch für die 600 Parkplätze, die am Stadthafen der Umgestaltung weichen müssen, gibt es erste Ideen: Die Buga-Planern denken über zwei neue Parkhäuser nach.

Förderverein will Buga befördern

Der neue Förderverein „Freunde der Bundesgartenschau 2025“ kündigte an, mit Öffentlichkeitsarbeit und Benefiz-Aktionen die Projekte unterstützen zu wollen. „Die Buga ist eines der größten und schönsten Vorhaben für die Zukunft unserer Stadt“, so der Vorsitzende Dirk Zierau, OB-Kandidat der UFR. „Wir wollen die Rostocker für die Buga und die Ideen begeistern. Es geht nicht nur um Blumen, sondern um Stadtentwicklung, die schon vor 25 Jahren hätte erfolgen müssen. Aber uns fehlte das Geld.“

Kritik am Verein gab es allerdings von Stephan Weinges (Rostocker Bund): Denn dem Vorstand der „Buga-Freunde“ gehören ausschließlich UFR-Mitglieder an. „Der Zeitpunkt der Gründung kurz vor den Wahlen und die UFR-Nähe sind unglücklich“, so Weinges.

Viele andere politische Kräfte würden ebenso zur Buga stehen – die OB-Kandidaten Müller-von Wrycz Rekowski (SPD), Uwe Flachsmeyer (Grüne) und Sybille Bachmann (Rostocker Bund) etwa. „Es ging uns nicht um die Wahl, sondern darum, ein Zeichen zu setzen“, sagt OB Methling. „Auch für das Archäologische Landesmuseum wird es einen Förderverein geben.“

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