Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Bundesamt baut Landstrom in Rostock
Mecklenburg Rostock Bundesamt baut Landstrom in Rostock
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:14 11.12.2018
Kapitän Andreas Genters (v. l.), Chefingenieurin Ina Frommeyer und Elektriker Günter Schirmer zeigen den Stecker für den Landstromanschluss für das Forschungsschiff „Deneb“.
Kapitän Andreas Genters (v. l.), Chefingenieurin Ina Frommeyer und Elektriker Günter Schirmer zeigen den Stecker für den Landstromanschluss für das Forschungsschiff „Deneb“. Quelle: Ove Arscholl
Anzeige
Rostock

Manchmal geht es dann doch schneller als erwartet: Rostock ist seit Dienstag offiziell der erste deutsche Ostseehafen, der über einen funktionierenden Landstrom-Anschluss für Schiffe verfügt. Der einzige kleine Haken: Die saubere Energie-Quelle am Kai können bisher nur zwei Schiffe nutzen – und beide gehören dem Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH). Die Bundesbehörde will Vorreiter in Sachen „saubere Schifffahrt“ werden und legt ihre beiden Rostocker Schiffe – die „Deneb“ und die „Capella“ – künftig im Hafen ans Kabel.

Prototyp für Rostock

Die Hansestadt ist neben Hamburg einer der beiden Standorte des BSH. „In Rostock befindet sich beispielsweise unsere Seekarten-Druckerei. Aber an der Warnow werden auch die Eis- und Wasserstandsberichte für alle deutschen Gewässer erstellt“, sagt BSH-Präsidentin Karin Kammann-Klippstein. Und: Der Kai der ehemaligen Neptun-Werft in der KTV ist auch die Heimat für die zwei Schiffe der BSH-Flotte, die zur Vermessung auf See, zur Wracksuche und zu Forschungszwecken eingesetzt werden. Mehr als zwei Drittel des Jahres seien, so Kammann-Klippstein, die „Deneb“ und die „Capella“ auf See. „Aber wenn sie in Rostock liegen, sollen sie nicht länger schädliche Schadstoffe ausstoßen.“ Die Maschinen werden nun im Hafen abgeschaltet, die Energie für die Geräte und Technik an Bord kommt aus der neuen Landstrom-Anlage.

„Wir hatten uns das Ganze sehr einfach vorgestellt. Aber mit einer großen Kabeltrommel war es dann doch nicht getan“, so Thomas Dehling, Leiter der Abteilung Nautische Hydrographie des BSH in Rostock. Mehr als 40 000 Euro hat der Bund am Ende in die Anlage investiert. Insgesamt fast 400 Volt liefert die Technik, wenn beide Schiffe angeschlossen sind. „Wir haben mehr als 100 000 Watt zur Verfügung.“ Das reicht, um selbst den schweren Schiffskran der „Deneb“ noch mit Landstrom betreiben zu können – ohne dass im Viertel oder an Bord die Lichter ausgehen. „Keine Abgase mehr, kein Lärm – das ist auch gut für unsere Nachbarn.“

Oberbürgermeister Roland Methling und Karin Kammann-Klippstein, Präsidentin des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie, nehmen den Landstromanschluss in Betrieb. Quelle: Ove Arscholl

BSH will umweltfreundlicher werden

Auch für die Nordsee-Flotte, die in Bremerhaven liegt, will das BSH demnächst einen Landstrom-Anschluss bauen. „Rostock ist unser Vorreiter“, so Behördenchefin Kammann-Klippstein. Denn die Hansestadt habe für das BSH und die gesamte Seefahrt eine besondere Bedeutung: Deutschlands größter Ostseehafen, der Kreuzfahrt-Hafen der Bundesrepublik, Sitz gleich mehrerer führender Meeresforschungsinstitute und bald auch eines Fraunhofer-Technologiezentrums für Unterwasser-Anwendungen: „Die Hansestadt eine Forschungs- und Innovationshochburg.“

Auch das BSH setze in Zukunft verstärkt auf umweltfreundliche Schifffahrt: Die „Deneb“ etwa – das Patenschiff Rostocks – nutze bereits auf See den Treibstoff „GtL“. Dabei wird Erdgas in flüssigen Treibstoff umgewandelt. „Der Treibstoff ist schwefelfrei, die Abgaswerte sind besser als bei herkömmlichen Dieselkraftstoffen“, so Kammann-Klippstein. Das soll aber nur der Anfang sein: Das BSH lässt gerade einen Nachfolger für das Forschungsschiff „Atair“ bauen. Es soll das erste Behördenschiff sein, das auf See nur mit dem Flüssiggas LNG betrieben wird. „Ab 2021 planen wir auch für die 24 Jahre alte Rostocker ,Deneb’ und die 28 Jahre alte ,Wega’ Neubauten. Auch die werden mit LNG betrieben und spätestens 2026 in Dienst gestellt.“

Das 24 Jahre alte Rostocker Forschungsschiff „Deneb“ soll bis 2026 durch einen Neubau ersetzt werden. Quelle: Ove Arscholl

Strom auch für Kreuzfahrer

Rostock hat aber noch mehr vor: Nach Hamburg und Kiel arbeitet auch Rostock an Plänen für eine Landstrom-Anlage für Kreuzfahrtschiffe. Hauptnutzer soll zunächst die Reederei Aida Cruises sein. Eine entsprechende Absichtserklärung hatten Hansestadt, Land und Aida erst im Sommer unterzeichnet. „Bis 2020 werden wir an den Liegeplätzen 7 und 8 in Warnemünde Landstrom anbieten können“, so Oberbürgermeister Roland Methling (UFR). Auch die geplanten Liegeplätze 11 und 12 im bisherigen Werftbecken sollen Kabel für die großen Schiffe haben. „Die Planungen laufen auf Hochtouren“, so Methling.

Dass das Bundesamt nun vorangeht – das sei großartig: „Das BSH ist eine Bereicherung für Rostock“, so der Rathaus-Chef. Und genau deshalb will die Stadt vor den Toren der Behörde auch kräftig investieren: Die alte, marode Kai-Anlage hat Rostock von der stadteigenen Wohnungsgesellschaft Wiro übernommen. „Bis das neue Schiff fertig ist, werden wir auch den Kai saniert haben – und ihn für Schiffe, aber auch Besucher attraktiver machen“, versprach Methling. Sein Wunsch: „Es wäre toll, wenn den Landstrom-Anschluss am Neptun-Center nicht nur die Behördenschiffe, sondern auch Dritte nutzen könnten.“ Das BSH will das zumindest prüfen.

Andreas Meyer