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Rostock Eine Kämpferin: Ilka Lochner besiegte den Brustkrebs zwei Mal
Mecklenburg Rostock Eine Kämpferin: Ilka Lochner besiegte den Brustkrebs zwei Mal
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07:00 12.09.2019
Ilka Lochner (49) ist Dienststellenleiterin der Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommerns in Berlin. Quelle: CORNELIUS KETTLER
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Rostock

Ihre Geschichte macht Mut: CDU-Politikerin Ilka Lochner hat den Brustkrebs zweimal besiegt. Die 49-Jährige erinnert sich noch gut an die erste Diagnose im Jahr 2004: „Als das Wort ‚Krebs‘ im Raum stand, habe ich erst einmal einen Schrecken bekommen.“ Doch bei der Auseinandersetzung mit der Erkrankung sei schnell deutlich geworden, dass es gute Heilungschancen gebe. Die damalige Landtagsabgeordnete habe Studien gelesen und sich umfassend beraten lassen. „Ich bin wohl eher rational als emotional mit dem Thema umgegangen. Aber das muss jede für sich entscheiden“, sagt Lochner, die heute Dienststellenleiterin der Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommerns in Berlin ist.

Die Krebs-Diagnose sei beim Abtasten gestellt worden. „Der Tumor war relativ groß. Er hatte aber nicht gestreut und die Lymphknoten waren frei“, sagt Lochner. Es sei ein großes Glück gewesen, dass es in der Frauenklinik in Rostock ein sehr gutes Brustzentrum gebe. Die erste Chemotherapie habe sofort angeschlagen. „Der Tumor wurde spürbar kleiner. Das hat mich aufgebaut.“

Haarausfall war kleinstes Übel

Der Haarausfall während der Therapie sei für die frühere Bürgermeisterin der Stadt Laage (Landkreis Rostock) erträglich gewesen. „Das war nicht toll, aber es war das kleinste Übel. Für mich war wichtiger, dass der Tumor verschwindet, als dass ich noch Haare auf dem Kopf habe.“ Anderen Frauen falle dies hingegen nicht so einfach, sagt Lochner. „Für manche sind die Haare ein wichtiges Zeichen für Weiblichkeit. Das ist sehr unterschiedlich.“

Krebserkrankungen in MV

Mehr als 11 000 Menschen erkranken in Mecklenburg-Vorpommern jährlich an Krebs. Das teilt das Gesundheitsministerium mit. Aktuell sind im Land ungefähr 60 000 Menschen an Krebs erkrankt.

Laut der Krebsgesellschaft MV ist Krebs in vielen Fällen heilbar, wenn er frühzeitig erkannt wird. Doch obwohl 80 Prozent der Bevölkerung die Angebote zur Krebsfrüherkennung kennen, nutzen nur etwa 67 Prozent der Frauen ab 20 Jahren und cirka 40 Prozent der Männer ab 35 Jahren sie in der Realität auch.

Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für bestimmte Früherkennungsuntersuchungen.

Die Behandlung sei recht zügig voran geschritten. Es folgten Operation und Strahlentherapie. „Ich bin überwiegend ambulant behandelt worden und konnte mein Leben normal weiterleben. Mir war auch wichtig, Normalität zu bewahren.“ Bei anderen Krebserkrankungen wäre das so nicht möglich gewesen, ist sich Lochner bewusst. Auch habe sie große Unterstützung erfahren: „Ich hatte Menschen an meiner Seite, die mich durch diese extrem schwere Phase getragen haben. Das ist nicht bezahlbar.“ Eine große Rolle habe auch ihr Gottvertrauen gespielt. „Glaube, Liebe und Hoffnung gaben mir Kraft“, so Lochner.

2006 ging das Spiel von vorne los

Die Erkrankung habe aber Spuren hinterlassen: „Ich bin danach nicht mehr so leichtfertig gewesen, habe eher gehört, wenn der Körper Signale sendet und mich dann auch untersuchen lassen.“ 2006 ist dabei dann erneut die Diagnose gestellt worden: Brustkrebs. „Da ging das Spiel von vorne los. Aber der Tumor war wesentlich kleiner“, sagt Lochner. Auch lief die Behandlung anders. Ihre Erkenntnis: „Tumore sind so individuell wie wir Menschen.“

Ilka Lochner arbeitet in der Landesvertretung in Berlin. Quelle: privat

Nun wurde zuerst operiert, dann folgten Chemotherapie, Bestrahlung und noch einmal Chemotherapie. „Das war damals zu den Landtagswahlen. Aber wir haben das alles ganz prima zusammen hinbekommen“, sagt Lochner, die 2004 nach ihrer ersten Chemo mit einem bunten Kopftuch zur Kreistagspräsidentin im Landkreis Rostock gewählt wurde. Das Amt hatte sie 15 Jahre inne.

Offener Umgang mit Erkrankung

Inzwischen muss Lochner nicht mehr regelmäßig zur Kontrolle. Dennoch sei sie achtsam – und ein gefragter Gesprächspartner im Bekanntenkreis, sobald dort das Wort „Krebs“ im Raum stehe. „Das passiert leider inzwischen erschreckend oft“, sagt sie.

Die Politikerin ist stets sehr offen mit ihrer Erkrankung umgegangen. Sie war Schirmherrin bei Veranstaltungen zu dem Thema, sprach vor Medizinstudenten und engagierte sich eine Zeit lang als Regionalverantwortliche von „mamzone“, einer Organisation von Frauen zur Forschung gegen Brustkrebs. „Ich will zeigen, dass Betroffene sich nicht einigeln oder abschotten müssen, sondern offen mit dem Thema umgehen können“, sagt Lochner. Es gehe darum, Mut zu machen. „Das Leben kann trotzdem schön sein und es gibt Wege aus der Krankheit.“

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