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Rostock Ein Däne ist Rostocks neuer Oberbürgermeister
Mecklenburg Rostock Ein Däne ist Rostocks neuer Oberbürgermeister
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22:50 16.06.2019
Claus Ruhe Madsen ist Rostocks neuer Oberbürgermeister. Quelle: Andreas Meyer
Rostock

Die Hansestadt wählt international. Als erste deutsche Großstadt wird Rostock künftig von einem Bürgermeister regiert, der keinen deutschen Pass besitzt: Der Däne Claus Ruhe Madsen setzte sich am Sonntag in der Stichwahl gegen den Linken-Politiker Steffen Bockhahn durch. Madsen holte 57,1 Prozent der Stimmen, Bockhahn kam auf 42,9 Prozent.

Eindrücke des Wahlabends in Rostock: Nach vorläufigem Endergebnis gewinnt Claus Ruhe Madsen die OB-Wahl in Rostock mit 57,1%.

Der Favorit behauptet sich

Dass Madsen auch in der Stichwahl die Nase vorne haben wird – das ist bereits früh am Abend klar: Nach exakt acht Minuten meldet das erste Wahllokal – Hinrichshagen – seine Ergebnisse. Und Madsen geht gleich in Führung. Dennoch lässt sich Rostocks neuer OB Zeit: Erst als wirklich sicher ist, dass er gewonnen hat und Steffen Bockhahn den Vorsprung auch rechnerisch nicht mehr aufholen kann, kommt er ins Rathaus. Wie schon in Warnemünde, wo er die Auszählungen in einem Café am Kirchplatz verfolgt hatte, gleicht auch sein Auftritt in der Innenstadt einem Triumphmarsch: Senioren wollen „Selfies“ mit dem neuen OB machen, Kinder gratulieren, Politiker aller Parteien wollen seine Hand schütteln. Seine Weggefährten stehen daneben – und gönnen sich Bier auf den gemeinsam Erfolg.

Nur Madsen wirkt absolut gefasst: „Als klar war, dass ich diese Wahl gewinne, bin ich ganz ruhig geworden“, verrät der neue Rathaus-Chef. Es sei ein überwältigendes Gefühl gewesen, aber gleichzeitig sei ihm bewusst geworden: „Ich habe Respekt vor der Aufgabe. Nicht vor den 2500 Mitarbeitern im Rathaus, deren Chef ich werde – sondern vor allem vor den 210 000 Menschen dieser Stadt, die ich so sehr liebe.“ Auf der Schwelle zu Madsens neuem Arbeitsplatz wartet Noch-Oberbürgermeister Roland Methling (UFR): „Die Rostocker haben eine tolle Entscheidung getroffen: Einen Dänen zum Oberbürgermeister zu machen, auf Europa zu setzen – das ist Rostocks Antwort auf den Brexit“, sagt der scheidende Amtsinhaber pathetisch. Sein Rat an Madsen: „Was man den Menschen dieser Stadt verspricht – das muss man auch halten.“

Triumphmarsch ins Rathaus: Auf dem Neuen Markt wird Claus Ruhe Madsen von Gratulanten umringt. Quelle: Andreas Meyer

Madsen will „Kassensturz“ machen

Bis 3 Uhr am frühen Sonntagmorgen war Madsen noch unterwegs, hat Flyer in Briefkästen gesteckt. Am Montag will er gleich losziehen und seine Plakate abnehmen. „Wir alle haben die nun lange genug gesehen.“ Anstrengend sei der Wahlkampf gewesen. „Ich habe mich fast ausschließlich von Kuchen, Cola und sonstwas ernährt – und dennoch zehn Kilo abgenommen. Wahlkampf ist die beste Diät.“

Als Erstes wolle Madsen im Rathaus einen „Kassensturz“ machen: Was ist geplant? Wie steht es um die Finanzen? Wo muss was getan werden? „Und ich will jedem Mitarbeiter die Hand schütteln. Aber das kann natürlich etwas dauern.“ Die Digitalisierung der Verwaltung und der Stadt sei eines seiner wichtigsten Vorhaben. Und: „Ich will Rostock zur Fahrradstadt machen.“ Zudem will er den Austausch mit Städten in Skandinavien vertiefen: „Wir können viel von denen lernen.“

Amtsantritt im September?

„Ich möchte, dass wir eine Stadt werden, in der gute Ideen auch umgesetzt werden – anstatt immer nur zu diskutieren und zu streiten“, sagt Madsen. „Wir haben eine gute Bürgerschaft und einen guten OB.“ Die müssten auf Augenhöhe zusammenarbeiten. „Gemeinsam mit allen Rostockern müssen wir unsere Stadt entwickeln. Zusammen.“

Frühestens Mitte August, vielleicht auch erst zum 1. September, will er das Amt antreten. „Ich finde, Roland Methling hat es verdient, noch ein Mal die Hanse Sail als OB zu erleben.“ Ab Dienstag will Madsen erst mal bei der Hansetour „Sonnenschein“ 600 Kilometer für den guten Zweck Radfahren, dann geht es in den Urlaub. „Und dabei werde ich an meinem Plan für Rostock stricken.“ Und er muss Manuela Schwesig antworten: Die SPD-Ministerpräsidentin habe bereits eine Glückwunsch-SMS geschickt.

Fairer Verlierer: Steffen Bockhahn kommt mit seiner neuen Lebensgefährtin Julia Butterweck und Linken-Chefin Eva-Maria Kröger (links) ins Rathaus. Quelle: Andreas Meyer

Bockhahn enttäuscht, nicht unglücklich

Als Madsen im Rathaus feiert, ist sein Kontrahent bereits wieder weg: Steffen Bockhahn gestand früh am Abend seine Niederlage ein. Ja, natürlich sei er enttäuscht: „Ich habe mir ein anderes Ergebnis gewünscht, wäre gerne OB meiner heißgeliebten Heimatstadt geworden.“ Aber: Er habe das Rennen um das Rathaus nochmal spannend gemacht. Vom ersten zum zweiten Wahlgang konnte Madsen gerade mal um 8000 Stimmen zulegen, Bockhahn holte dieses Mal fast 14 000 Stimmen mehr als noch vor drei Wochen. Er wolle nun Sozialsenator bleiben: „Ich bin bis Januar 2022 gewählt und pflege meine Aufgaben zu erfüllen.“ Ob er in sieben Jahren Madsen erneut herausfordern wird: „Das wird sich zeigen“, sagt Bockhahn. „Ich halte es da sinngemäß mit Brecht: Wer kämpft, kann auch verlieren.“

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So hat Rostock gewählt

Stimmen: Claus Ruhe Madsen holte 43 340 Stimmen - 57,1 Prozent. Für Steffen Bockhahn gaben 32 619 Menschen ihre Stimme ab.

Beteiligung: 44,1 Prozent der insgesamt 173 186 Wahlberechtigten gingen zur Stichwahl.

Bezirke: In 15 der 16 Rostocker Wahlbezirke lag Madsen am Ende vorne. Nur in Lütten Klein gewann Bockhahn.

Ganz schwarz: In keinem Wahlbezirk holte Madsen mehr Stimmen als in Warnemünde und der Rostocker Heide. Dort kam er auf 69,1 Prozent.

Andreas Meyer

1300 Menschen haben am Sonntag gemeinsam auf dem Rostocker Universitätsplatz gefrühstückt. Neben Brötchen, Aufschnitt und Salaten gab es dabei auch Spenden für den guten Zweck.

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