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Rostock Clever Einkaufen: Mit Ultraschall durch den Supermarkt
Mecklenburg Rostock Clever Einkaufen: Mit Ultraschall durch den Supermarkt
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21:21 04.03.2019
Ein Lautsprechersystem und ein Smartphone genügen, um Kunden zielgerichtet durch den Supermarkt zu navigieren: Das Start-up DEJ Technology will mit seiner Ultraschall-Technik Koopango das Google Analytics des stationären Handels werden. Degol Woldegaber (l.) und Jonas Flint haben das Unternehmen zusammen mit Erik Heidenreich gegründet.
Ein Lautsprechersystem und ein Smartphone genügen, um Kunden zielgerichtet durch den Supermarkt zu navigieren: Das Start-up DEJ Technology will mit seiner Ultraschall-Technik Koopango das Google Analytics des stationären Handels werden. Degol Woldegaber (l.) und Jonas Flint haben das Unternehmen zusammen mit Erik Heidenreich gegründet. Quelle: ANTJE BERNSTEIN
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Das hat wohl jeder schon erlebt: Die Regale im Supermarkt rappelvoll und was man gern kaufen will, ist nicht zu finden. Genauso wenig wie ein Mitarbeiter, der mit Tipps weiterhelfen könnte. So kurvt man quälend lang durch die Gänge und verlässt, wenns ganz schlecht läuft, mit leeren Händen, dafür reichlich genervt, den Laden. Für das Problem wollen Degol Woldegaber, Erik Heidenreich und Jonas Flint, den Gründern des Rostocker Start-ups DEJ-Technology, eine Lösung bieten.

Die Informatiker haben Koopango entwickelt, ein Indoor-Navigator für das Smartphone, der den Nutzer per Ultraschall durch unüberschaubare Gebäude lotst. „So ähnlich wie Google Maps, nur für drinnen“, verdeutlicht Jonas Flint.

Technik so gut wie überall anwendbar

Ein Jahr langen haben die Jungunternehmer ihren smarten Routenplaner in einem Getränkefachmarkt getestet und optimiert. Jetzt stehen sie ganz kurz davor, ihre Erfindung an Einzelhandelsketten in Deutschland und der Schweiz zu verkaufen. „Die Verhandlungen laufen. Wir wollen die Verträge im Frühjahr abschließen“, berichtet Jonas Flint. Den potenziellen Abnehmern verspricht der 31-Jährige eine „weltweit einzigartige Technologie“, die Einzelhändlern zufriedene Kunden und größere Profite beschert.

Das Alleinstellungsmerkmal von Koopango sei, dass die Technik ohne großen Aufwand in so gut wie jedem Laden anwendbar sei, sagt Jonas Flint. Wettbewerber orten Kunden über Minisender – sogenannte Beacons. Die müssen jedoch erst installiert werden. Im Gegensatz dazu nutzt Koopango, was ohnehin fast überall vorhanden ist: Lautsprecher.

Hochfrequente Akustiksignale fürs Handy

Und so funktioniert’s: Flint und seine Kollegen koppeln eine schuhkartongroße Koopango-Box an das Lautsprechersystem im Laden und verwandeln dieses damit zu einer Anlage, die neben Einkaufsmusik auch Ultraschallwellen aussenden kann. Diese hochfrequenten Akustiksignale nimmt das menschliche Ohr nicht wahr, das Smartphone-Mikrofon hingegen schon. Hat sich der Kunde vor dem Einkauf die App von Supermarkt XY aufs Handy heruntergeladen, wird dieses zum Indoor-Navigator. Denn als ein Baustein steckt Koopango in der App. Will der Kunde nun wissen, wo er Tomatensoße findet, gibt er den entsprechenden Suchbegriff in die App ein und wird bis auf einen halben Meter genau zum richtigen Regal gelotst.

Zeitgleich erfährt der Einzelhändler, wie sich sein Kunde durch den Laden bewegt, was ihn interessiert und bei welchem Aktionsangebot er zugreift. Auf Basis dieser Daten kann der Geschäftsinhaber dann Ware und Werbung passgenau und damit viel gewinnbringender platzieren. Bislang kommt er an diese Informationen in der Regel nur, wenn er Kunden beobachtet und befragt oder sich auf sein Bauchgefühl verlässt. Im Internet läuft das Datensammeln dagegen vollautomatisch ab: Klicks, Kaufraten, Seitenaufrufe – durch Analysetools bleibt nichts geheim. Online-Shops können so kontinuierlich optimiert, Gewinnen gesteigert werden. Gleiches will DEJ-Technology dem stationären Handel ermöglichen.

Dem Kunden auf der Spur

Etwa jeder fünfte Einzelhändler, so schätzt der Handelsverband Deutschland, experimentiert mit sogenannten Tracking-Methoden, um herauszubekommen, wie seine Kunden durch den Laden laufen und was ihre Aufmerksamkeit erregt. Eine Möglichkeit dafür ist das Tracking per WLan. Dabei erfassen Sensoren im Laden die WLan-Seriennummer von Mobilfunkgeräten. Ziel ist es, anonymisierte Bewegungsprofile zu erstellen und auf Basis der Daten Geschäfte so zu optimieren, das Kunden noch mehr kaufen.

Der Markt, in den das Start-up vorstößt, ist riesig und wächst rasant. Mobile Endgeräte werden als Schnittstelle zum Kunden für den Offline-Handel immer wichtiger. So schickt etwa Media-Markt aktuelle Sonderangebote per Push-Nachricht auf’s Handy, wenn man an einer Filiale vorbeiläuft – vorausgesetzt der Passant hat die entsprechende App installiert. Andere Händler lassen via Wlan anonymisierte Bewegungsprofile ihrer Kunden erstellen, sobald diese den Laden betreten, und stimmen Einrichtung und Produktpalette im Shop darauf ab.

Personalisierte Daten nur mit Einverständnis

Noch lieber wollen Händler an personalisierte Informationen kommen, doch dafür muss der Kunde sein Einverständnis geben. Auch DEJ Technology lege Wert auf Datenschutz und Transparenz, betont Jonas Flint. „Wir weisen unsere Partnerhändler darauf hin, ihre Kunden offen und direkt darüber zu informieren, dass sie Ultraschall verwenden.“ Gesundheitsschädlich seien die Audiosignale aber nicht.

Jonas Flint ist überzeugt, dass Koopango Erfolgsgeschichte schreiben wird, denn die Einsatzmöglichkeiten für die Technologie sind vielfältig. Ob auf Kreuzfahrtschiffen, in Lagerhallen oder in großen Krankenhäusern: „Überall dort, wo Leute in Innenräumen nach dem Weg suchen, wollen wir punkten.“

Antje Bernstein

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