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Rostock Computer lesen historische Texte
Mecklenburg Rostock Computer lesen historische Texte
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00:00 14.09.2018
Stadtmitte

Für Welf Wustlich (51), Geschäftsführer des Rostocker Unternehmens Planet AI, ist diese Urkunde besonders kostbar: „Wir haben sie im April als eine der weltweit 20 besten IT-Firmen für unsere Lösungen auf der Grundlage der künstlichen Intelligenz vom renommierten Londoner CIO-Magazin erhalten!“

Geschäftsführer Welf Wustlich (51) schätzt die Zusammenarbeit seines Unternehmens mit der Universität. Auch deshalb wählte die Firma AI Rostock als Sitz. Quelle: Foto: Werner Geske

Künstliche Intelligenz – nicht jeder kann heute schon damit etwas anfangen. Für Wustlich ist sie jedoch die Zukunft, ein Mittel, um Probleme zu lösen, die „die Menschen auf herkömmliche Weise nicht in den Griff bekommen“. Stichworte: Klimaerwärmung, Heilverfahren oder Reaktorsicherheit. Oder Texterkennung.

Noch vor wenigen Jahren wäre abgewinkt worden: Elf Milliarden DIN-A4-Seiten mit Schriften, die zwischen den Jahren 1500 bis 1800 entstandenen, in kurzer Zeit lesen – undenkbar! Doch 15 Mitarbeiter von Planet AI und sechs Wissenschaftler von Computational Intelligence Technology Lab (Citlab) am Institut für Mathematik der Uni Rostock arbeiten erfolgreich an diesem von der EU geförderten Projekt.

Das Citlab-Team entwickelt gemeinsam mit Planet AI spezielle Software. So entstanden künstliche neuronale Netze, die in vereinfachter Form Struktur und Funktion des menschlichen Gehirns entsprechen.

Sie lernen unter anderem anhand von Beispielen aus den großen Datenmengen, neue Texte zu entziffern. Um den Computer dafür fit zu machen, legt man ihm solange Texte aus historischen Dokumenten vor, bis er schließlich die alten Schriften selbstständig lesen kann. „Das Problem bei historischen Dokumenten besteht nämlich darin, dass der PC erst die Schrift erfassen und verstehen lernen muss. Und das haben wir ihm beigebracht“, sagt Wustlich. Seine Firma setzt künstliche neuronale Netze bereits in verschiedenen Bereichen ein. „Wir entwickeln Produkte zur Verkehrsüberwachung und für den Logistikmarkt. Mithilfe unserer Software können Fahrzeuge gefunden oder Kennzeichen und Fahrergesichter identifiziert werden“, lässt er wissen. Behörden in Österreich und der Schweiz ermitteln auf diese Weise bereits mit Erfolg.

Einen Durchbruch bei der Schrifterkennung erhofft sich auch die Universitätsbibliothek Rostock. Dort liegen derzeit noch über 500000 Kärtchen aus den Jahren 1851 bis 1959 brach. Auch sie können mithilfe der Software elektronisch katalogisiert und somit gelesen und genutzt werden. Planet AI-Produkte leisten bei der Paket- und Briefsortierung ebenso wertvolle Dienste. Bis zu 50000 Anschriften pro Stunde werden mit ihrer Hilfe entschlüsselt und die Postsendungen entsprechend eingeordnet. Vor allem Kunden in den USA nutzen diese Möglichkeit.

Eine große deutsche Versicherung, die täglich rund 300000 Zuschriften erreichen, setzt auf die Rostocker Software, um diesen Berg an Einsendungen zu bewältigen. Dadurch ist es möglich, dass ihre Kunden schon innerhalb von zwei Tagen eine Antwort auf ihr Anliegen bekommen.

Wer solche Probleme lösen will, benötigt hervorragend ausgebildete Leute. „Wir beschäftigen überwiegend Uni-Absolventen aus den Fachbereichen Mathematik, Physik und Informatik. Unsere Mitarbeiter sollten darüber hinaus Spezialwissen und Interesse an den Themen Künstliche Intelligenz und Maschinelles Lernen mitbringen. Eine gute Teamfähigkeit und Programmierkenntnisse runden das Profil ab“, formuliert Welf Wustlich die Anforderungen. Angesichts der erklärten Absicht seines Unternehmens, weiter zu wachsen, würden immer gute Leute gesucht, setzt er hinzu. Das Unternehmen Planet AI wurde 2015 aus der bereits seit 1992 bestehenden Schweriner Firma Planet intelligent systems GmbH ausgegründet und startete mit drei Mitarbeitern.

Ziel der Unternehmensgründung: die Bereiche Forschung und Entwicklung in eine eigenständige Firma auszulagern. „Als Sitz des Unternehmens erschien uns der Standort Rostock bestes geeignet. Hier ist es möglich, die Kooperation mit der Universität noch enger zu gestalten. Eine Entscheidung, die genau richtig war“, betont der Firmenchef.

Mit ihren Innovationen und Leistungsangeboten machten die Rostocker Software-Entwickler, zuhause am Warnowufer 60, auch international auf sich aufmerksam. Die US-amerikanische International Business Machines Corporation (IBM), eines der weltweit wichtigsten Unternehmen für Hard- und Software und Dienstleistungen im IT-Bereich, zeigt großes Interesse an einer Kooperation. „IBM stellt Hardware für Künstliche Intelligenz her und schätzt unsere Produkte“, betont Wustlich. Die US-Firma unterstützt auch nachdrücklich die von Planet AI initiierte Idee, in den kommenden Jahren, ein Baltic Innovation Center in Rostock zu schaffen. In ihm sollen Planet AI, weitere Forschungseinrichtungen, Start-Ups und bereits etablierte Unternehmen ihre Kompetenz bündeln.

Und so sind Sie mit Ihrem Unternehmen dabei!

Mutige Gründer zu fördern - das ist Ziel des OZ-Gründerpreises. Etliche Firmen haben sich bereits beworben, vielen Dank. Kommende Woche, am 17. September, ist Bewerbungsschluss! Für den Sieger gibt es 5000 Euro, je 2000 Euro für die Gewinner der Sonderpreise „Mut zur Selbstständigkeit“, gestiftet von Creditreform von der Decken KG, und „Interessante Gründerstory“ (VR-Banken MV). Teilnehmen können Firmen mit Sitz in MV, die vor dem 1. Juni 2017 gegründet wurden und nicht älter als fünf Jahre sind.

Zum zweiten Mal wird der mit 2000 Euro dotierte „Nachfolgepreis“, gestiftet von der IHK zu Rostock, vergeben: Teilnehmen können Firmen mit Sitz in MV, bei denen in den nächsten fünf Jahren ein Nachfolger die Firma übernehmen soll bzw. die innerhalb der letzten drei Jahre übergeben wurden. Bewerben ist einfach: Fragebogen herunterladen auf www.ostsee-zeitung.de/gruender, online ausfüllen oder per Post schicken an: OZ, Ressort Wirtschaft, R.-Wagner-Str. 1a, 18055 Rostock.

Bewerber können den Fragebogen auch anfordern unter: 0381 / 365381 bzw. existenzgruenderpreis @ostsee-zeitung.de

Einsendeschluss: 17. September

Werner Geske

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