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Rostock In Corona-Quarantäne oder Risikopatient? Hier gibt es Hilfe in Rostock und Umgebung
Mecklenburg Rostock

Corona: In Quarantäne oder Risikopatient: Hilfe in Rostock und Umgebung

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10:01 17.03.2020
In Rostock finden sich viele Freiwillige, die für Quarantäne- oder Risikopatienten einkaufen gehen würden. Quelle: Fabian Sommer/dpa
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Rostock

Die Welle der Hilfsbereitschaft ist riesig und rollt unaufhaltsam. Schon vergangene Woche gründete sich in Rostock eine Gruppe, die Personen in Quarantäne durch Einkäufe oder Gassigänge mit dem Hund unterstützen wollte. Das Angebot galt auch für Personen der Risikogruppe, die sich lieber freiwillig zu Hause aufhalten wollten, als in der Öffentlichkeit der Gefahr einer Ansteckung auszusetzen.

Thomas Wiencke, der mit seinem Sofa-Verein den ersten Helferkreis ins Leben gerufen hatte, zeigt sich beeindruckt von der Unterstützung. „Diese große Bereitschaft der Menschen, andere zu unterstützen, freut uns natürlich“, sagt er. Bisher hätte eine ältere Dame, die nicht erkrankt, aber Teil der Risikogruppe ist, das Angebot genutzt.

Auch Jusos unterstützen Nachbarschaftshilfe

Dem gegenüber steht eine enorme Gruppe potenzieller Unterstützer: Montagnachmittag hatte die entsprechende Facebook-Gruppe namens „Quarantäne-Hilfe Rostock“ bereits mehr als 1000 Mitglieder. Die Koordinierung erfolgt aktuell noch online, soll in den nächsten Tagen und Wochen aber auch über das Corona-Informationstelefon für Bürger der Hansestadt unter der Telefonnummer 0381/381 11 11 erfolgen.

Auch die Rostocker Jusos, eine Untergruppe der örtlichen SPD, haben sich bereit erklärt, Nachbarschaftshilfe anzubieten. „Als Jugendorganisation möchten wir unseren Beitrag dazu leisten, dass die Menschen, die zur Risikogruppe gehören, sich nicht unnötigen Gefahren aussetzen“, sagt Kreisvorsitzender Tom Lüth. Menschen, die Unterstützung brauchen, können sich in den Wahlkreisbüros der SPD-Landtagsabgeordneten melden. Dort würden dann die Helfer mit den Hilfesuchenden zusammengebracht.

Private Betreuung mehrerer Kinder wird offiziell untersagt

Die angebotenen Dienste sollen zwar nur Einkaufsgänge und Hilfe bei der Tierbetreuung abdecken. In den Sozialen Netzwerken mehren sich aber auch Inserate für Kinderbetreuung – zum Teil unentgeltlich, manchmal aber auch in Form von bezahltem Babysitten.

Von beidem wird durch offizielle Stellen aber tunlichst abgeraten. „Schulen und Kitas wurden geschlossen, um gerade diese Sozialkontakte zu vermeiden. Solche Angebote öffnen dagegen weiteren Ansteckungen Tür und Tor“, sagt Rostocks Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen (parteilos).

Kontakt zu den Helfern

Die SPD-Jugendorganisation Jusos koordiniert die Nachbarschaftshilfe über die Wahlkreisbüros der Landtagsabgeordneten – erreichbar immer mindestens zwischen 9 und 14 Uhr : Büro Mucha (Warnemünde/Lichtenhagen/Schmarl/Groß Klein): 0381/20 79 50 64; Büro Albrecht (Lütten Klein/Evershagen/Reutershagen): 0381/51 05 21 29; Büro Barlen (Hansaviertel/KTV/Gartenstadt/Südstadt): 0176/314 830 84; Büro Schulte (Stadtmitte/Brinckmansdorf/Toitenwinkel/Dierkow/Gehlsdorf): 0381/66 67 55 3. Weiter Unterstützer können sich auch in den Büros melden, um sich als Helfer registrieren zu lassen.

Helfer des Sofa-Vereins sind über die Webseite www.sofa-rostock.de, über die Facebook-Gruppe „Quarantäne-Helfer Rostock“ oder über die Bürgerhotline der Hansestadt 0381/381 11 11 erreichbar. Personen, die Hilfe brauchen, sollten idealerweise Bargeld im Haus haben, da die Helfer die Kosten für Einkäufe vorstrecken. Andere Lösungen können individuell besprochen werden.

Eltern sollten Lösungen suchen, ihre Kinder selbst zu Hause zu betreuen oder Alternativen finden, die das Ansteckungsrisiko nicht noch verstärken. „Neben dem Schutz der Kinder geht es insbesondere darum, die weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern, das für die Großeltern tödlich sein kann“, unterstreicht der OB. Er hätte großes Verständnis dafür, dass es für Eltern kompliziert sein kann, Notlösungen zu finden. „Aber wir alle dürfen hier nicht nachlassen. Es geht darum, Ansteckungsketten zu unterbrechen und Menschenleben zu schützen“, unterstreicht Madsen.

Nachbarschaftshilfe darf nicht Infektionsschutz unterlaufen

So sieht es auch Sebastian Constien (SPD), Landrat des Landkreises Rostock. Wie in der Stadt auch, gibt es im Kreis ab Dienstag nur noch eine Notfallbetreuung für behinderte Kinder sowie den Nachwuchs, dessen Eltern in Berufsgruppen arbeiten, die systemrelevant sind – medizinisches Personal, Feuerwehrleute, Polizisten oder beispielsweise Verkäufer aus den Läden, die noch offen haben dürfen.

„Nachbarschaftshilfe ist wichtig, sie darf jedoch nicht den Infektionsschutz unterlaufen“, erklärt der Landrat. Parallelstrukturen in der Kinderbetreuung, die womöglich noch bezahlt werden, seien auf Grundlage des Landeserlasses untersagt. „Ich rate dringend dazu, solche Angebote nicht zu machen und diese auch nicht anzunehmen“ so Constien. „Solidarität und Zusammenhalt sind deswegen gefordert und sie müssen sehr kleinteilig gelebt werden. Finanzielle Interessen haben da auch nichts zu suchen“, stellt er klar.

Auch Hilfe-Zettel für die Nachbarschaft verfügbar

Die Rostocker Quarantäne-Helfer, die sich auf Facebook organisieren, nehmen diese Anweisungen ernst und haben bereits von Anfang an entsprechende Angebote zur Kinderbetreuung aus der Gruppe gelöscht. Wer direkt in seinem Haus oder Nachbarschaft betroffene Corona-Patienten unterstützen möchte, der kann sich auf der Internetseite des Sofa-Vereins – www.sofa-rostock.de – einen Zettel für Hilfsangebote ausdrucken und diesen vor Ort aufhängen. „Sollten die Fallzahlen in nächster Zeit ansteigen, sind wir auf jeden Fall personell sehr gut aufgestellt, was Unterstützung angeht“, freut sich Initiator Thomas Wiencke.

Ausgebildete Nachbarschaftshelfer im Landkreis

Was den Landkreis Rostock angeht, ist die Vermittlung von Helfern zumindest auf behördlicher Seite schwierig. „Wir führen keine zentrale Übersicht über solche Unterstützungsangebote, sondern setzen auf Nachbarschaften, Familien, Freundeskreise oder Vereinskollegen, die im Fall einer Quarantäne Hilfe anbieten“, sagt Kreis-Sprecher Michael Fengler. Das sei – anders als in der Stadt – auch den Entfernungen im ländlichen Raum geschuldet.

Was es im Landkreis aber bereits gäbe, wären ausgebildete Nachbarschaftshelfer für Pflegebedürftige. „Die sind natürlich auch jetzt aktiv und leisten einen wichtigen Beitrag“, so Fengler.

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Von Claudia Labude-Gericke

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