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Rostock Coronavirus: Lieferservices boomen in der Krise – auch in Rostock
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Coronavirus: Lieferservices in MV boomen in der Krise

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15:43 25.03.2020
Bei Peter Pane wird weiter gekocht – entweder kann das Essen vor der Tür abgeholt werden oder es wird nach Haus geliefert. Mitarbeiterin Brenda Rodriguez nimmt Bestellungen an der Tür entgegen. Quelle: Ove Arscholl
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Rostock

Auswärts essen, das war einmal. Im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus mussten in Mecklenburg-Vorpommern die meisten Läden dichtmachen. Um ihr Geschäft trotz Zwangsschließung aufrechtzuerhalten und die Verluste zumindest ein wenig einzudämmen, greifen einige Restaurantbesitzer auf alternative Methoden zurück.

Mit Liefer- und Abholservices wollen sie ihre Kunden auch weiterhin mit schmackhaftem Essen versorgen. Doch wie wird das Angebot angenommen und wie geht es den bereits bestehenden Lieferdiensten in der Krise?

Schnelle Reaktion gefragt

Gähnende Leere in der Kröpeliner Straße im Herzen Rostocks. Nur in vereinzelten Läden herrscht noch Hochbetrieb. Einer von ihnen ist das beliebte RestaurantPeter Pane“. Es werden Burger gegrillt, Pommes frittiert und Salate frisch zubereitet. Von Gästen ist allerdings weit und breit keine Spur.

Bei Peter Pane wird weiter gekocht - entweder kann das Essen vor der Tür abgeholt werden oder es wird nach Haus geliefert. Quelle: OVE ARSCHOLL

Frei nach dem Motto „Kommst du nicht zu Peter, kommt Peter zu dir“ hat die Belegschaft des Restaurants kurzerhand beschlossen, ihren Betrieb umzustrukturieren und einen Lieferservice anzubieten. „Die Idee entstand kurzfristig. Damit wollen wir retten, was zu retten ist“, berichtet die stellvertretende Restaurantleiterin Ulrike Wojtanowski.

Und das Angebot kommt bei den Kunden gut an. Aber obwohl die Mitarbeiter regelrecht mit Bestellungen überrannt werden, reichen die Einnahmen nicht aus, um an die Gewinne aus dem ursprünglichen Tagesgeschäft heranzukommen. „Die Maßnahme dient vor allem dazu, die Verluste einzudämmen. Sie ermöglicht uns zudem, all unsere Mitarbeiter durch die Krise zu bringen“, sagt Wojtanowski.

Erste Euphorie bringt zahlreiche Kunden

Bei Ronny Röpcke in Ribnitz-Damgarten ist nicht nur der Grill heiß gelaufen. Auch sein Drucker hat in den vergangenen Tagen Höchstleistung erbracht und mehr als 2000 Flyer produziert. „Auf diese Weise wollen wir unsere Kunden darauf aufmerksam machen, dass wir ihre Lieblingsspeisen nun direkt vor die Haustüre liefern“, erklärt der Inhaber von „Ronnys Gaststätte Anglerheim“. Ein Angebot, das in den vergangenen Tagen von vielen Menschen nur allzu gerne in Anspruch genommen wurde.

Doch auf dem ersten Erfolg möchte sich der 45-Jährige nicht ausruhen. „Das ist die erste Euphorie. Ich gehe davon aus, dass die Situation für uns alle noch zum Alltag wird. Darauf müssen wir uns einstellen“, meint Röpcke. Aus genau diesem Grund hat er bereits einen weiteren Plan ausgetüftelt. Mit einer Art Drive-in möchte er seine Kunden zukünftig versorgen, ohne dass diese ihr Auto verlassen müssen. Dies sei allerdings noch Zukunftsmusik. „Zunächst müssen hier noch einige Absprachen getroffen und Genehmigungen eingeholt werden.“

Mittag kochen für Bedürftige

Ein ganz besonderes Angebot bieten auch Patrick Ball und Robert Leiser, Inhaber der Klosterküche Bad Doberan. Neben einem Lieferservice, der bereits vor zwei Wochen erfolgreich angelaufen ist, stellen die beiden Gastronomen ein Mal pro Woche ein warmes Mittagessen für Bedürftige bereit. Grund dafür sei die Schließung der Tafeln. „Das ist eine schwierige Zeit für uns alle. Wir wollen damit etwas zurückgeben und hoffen, dass das eine oder andere Restaurant nachzieht und wir gemeinsam Menschen unterstützen können, die auf Hilfe angewiesen sind“, so Ball.

Bestehende Lieferdienste haben weniger zu tun

Während die Restaurants froh darüber sind, dass sie ihre Verluste anhand alternativer Serviceleistungen im Zaun halten zu können, verzeichnen einige bereits bestehende Lieferdienste weniger Bestellungen als noch vor wenigen Wochen. „Im Durchschnitt sind bei uns in den vergangenen Tagen 15 bis 20 Prozent weniger Aufträge eingegangen“, berichtet der Mitarbeiter eines Pizza-Lieferanten in der Rostocker Innenstadt.

Vor allem am Sonntag sei der Rückgang besonders stark gewesen. Ob das aber an der zunehmenden Einschränkung im öffentlichen Raum liegt oder am sonnigen Wetter, vermag er nicht zu sagen. „Je schöner das Wetter ist, desto seltener bestellen die Menschen. Es ist schwer einzuschätzen, woran das jetzt gelegen hat.“

Rostocker Kantinen lassen Betrieb weiterlaufen

Auch einige Kantinen halten die Stellung und sichern die Mittagsversorgung der noch arbeitenden Bevölkerung. „Ausliefern schaffe ich im Moment nicht mehr. Wir sind allerdings wochentags von 7 bis 14 Uhr mit Frühstück und Mittag für unsere Kunden da“, berichtet Timo Lührs, Inhaber der Hafenkantine im Rostocker Fischereihafen. Die Leute können ihr Essen abholen, müssen aber die Regeln streng befolgen: „Maximal sechs Personen dürfen die Kantine betreten, dort ist Abstand halten angesagt. Außerdem habe ich die Auflage, dass sie sich danach mindestens 50 Meter vom Gebäude entfernen müssen“, erklärt Lührs. Eine Vorbestellung des Essens ist erwünscht.

Das Unternehmen Esko Catering & Service bietet ebenfalls einen Außer-Haus-Verkauf in fast all seinen Kantinen an. „Statt vier Gerichten haben wir aktuell nur drei zur Auswahl. Für die Abholer haben wir außerdem Wartezonen eingerichtet“, erklärt Inhaber Sven Striggow. Die Essensausgabe werde so zügig wie möglich abgewickelt. Telefonische Vorbestellungen sind möglich, doch auch spontane Gäste sind willkommen. „Die Nachfrage hält sich in Grenzen. Noch sind wir da, aber wenn wir merken, dass es keinen Bedarf mehr gibt, müssen wir schließen“, bedauert Striggow. Außer-Haus-Angebote bieten ebenfalls die Kantine Insa sowie das Hafenrestaurant im Rostocker Überseehafen.

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