Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Warnemünder Unternehmen feiert Jubiläum
Mecklenburg Rostock Warnemünder Unternehmen feiert Jubiläum
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
19:15 16.11.2018
Carsten Momma, der Geschäftsführer von Cortronik, hat das Unternehmen vor 20 Jahren in Rostock aufgebaut. Er zeigt die Baustelle, auf der in den kommenden Monaten ein neues Bürogebäude entstehen soll. Quelle: Johanna Hegermann
Anzeige
Rostock

Cortronik wird 20 Jahre alt. Und das wird gefeiert. Rund 300 Leute haben am Freitag im Hotel Neptun die Erfolgsgeschichte des Warnemünder Unternehmens Revue passieren lassen. Geschäftsführer Carsten Momma sagt klar: „Natürlich habe ich mit diesem Erfolg nicht gerechnet.“ Dazu gehörten Glück und viel Arbeit, aber auch, Rückschläge zu verkraften. „Und darauf kann man auch stolz sein.“

Cortronik produziert Stents. Diese Gefäßstützen sind winzige Röhrchen aus Metallgitter, die in verstopfte Gefäße eingeführt werden, um sie zu weiten. Die Nachfrage nach den in Warnemünde entwickelten Stents ist groß. Fast eine Million dieser Röhrchen verlässt das Werk pro Jahr, um weltweit zum Einsatz zu kommen. Nachfrage wachsend. „Wir haben gehofft, in diesem Jahr die Millionen-Marke zu knacken. Aber das haben wir nicht ganz geschafft.“ Das klare Ziel sei vor allem, die Lebensqualität der Menschen zu verbessern. „Das Motto des Konzerns ist: One Second – one Life. Wir wollen in jeder Sekunde ein Menschenleben retten“, sagt Momma.

Anzeige

Doch wie ging alles los? „Wir haben Ende 1998 damit begonnen, Stents für den Mutterkonzern Biotronik zu produzieren“, erklärt der Geschäftsführer. Der erste Sitz im Technologiezentrum war nicht mehr als eine Garage. Der Standort ist kein Zufall. Denn gleich in der Nachbarschaft liegt auch das Institut für Biomedizinische Technik der Universität Rostock. Mit fünf Mitarbeitern begann die Arbeit an den ersten Prototypen. 1999 war die Produktion so weit ausgereift, dass die Warnemünder Stents in Serie gehen konnten. „Als wir angefangen haben, konnte keiner vorhersehen, wohin der Weg führt“, sagt Momma. Damals war hier auch die Produktion von Kathetern geplant. „Die Idee wurde allerdings schnell wieder verworfen.“ Nun werden diese Sonden, mit denen die Stents eingesetzt werden, in der Schweiz hergestellt. „Wir konzentrieren uns rein auf die Herstellung und Entwicklung der Stents.“

Hier sei man weit gekommen. Eines der besten Produkte aus dem Hause sei der Medikamenten-Stent. „Er ist ein Highlight in unserer Entwicklung“, betont Momma. Dabei sei das Gefäßröhrchen mit einer Arznei beschichtet, die das Risiko für Entzündungen eindämmt und den Heilungsprozess vorantreibt. Mittlerweile sei diese Art des Stents weltweit Standard. „Und unserer gehört zu den besten, die es auf dem Weltmarkt gibt.“ Eine Innovation sei der Magnesium-Stent. „Er ist weltweit einmalig.“ Das Besondere: Der Stent löst sich auf. Er wird eingesetzt, das Gefäß vernarbt und kann sich damit selbst stützen und das Röhrchen verschwindet anschließend einfach. „Wir sind gerade dabei, damit den Markt zu erobern.“

Auch in einen anderen Markt versucht Cortronik einen Fuß zu setzen. Denn in Warnemünde wird auch eine künstliche Herzklappe auf Basis der Stent-Technologie entwickelt. „Das ist bisher aber noch kein Produkt. Wir planen, Ende nächsten Jahres die Zulassung zu bekommen.“

Ein Großteil der Mitarbeiter, die das Unternehmen mitaufgebaut haben, würde auch heute noch bei Cortronik arbeiten. „Wir halten damit auch Know-how und Erfahrung“, sagt der Geschäftsführer. Vor allem aber versuche man, fair mit Mitarbeitern umzugehen und so ein attraktiver Arbeitgeber zu sein. Wohl auch deswegen sei der Fachkräftemangel momentan kein Thema. Mittlerweile arbeiten fast 350 Menschen für den Warnemünder Komponentenhersteller. Auch 40 bis 50 Studenten seien hier regelmäßig beschäftigt. „Wir befinden uns weiter im Wachstum.“ Wie viele Arbeiter noch dazukommen, kann Momma momentan nicht abschätzen.

Damit diese auch genügend Platz haben, entsteht gleich nebenan ein neues Bürogebäude. Auf rund 2000 Quadratmetern sollen rund 200 Leute arbeiten können. Die Bauarbeiten sollen im kommenden Jahr abgeschlossen sein. In dem jetzigen Gebäude werde dafür dann die Produktion erweitert.

Die Reise sei nach 20 Jahren für das Warnemünder Unternehmen noch lange nicht beendet. Wohin der Weg genau führen soll, da sei man offen. Fest steht nur, es geht nach oben. „Da ist noch Potenzial.“

Cortronik gehört zu Biotronik

Das Unternehmen Biotronik wurde vom Herzschrittmacher-Erfinder Prof. Dr. Max Schaldach (1936-2001) im Jahre 1963 gegründet. Es ist der Mutterkonzern des eigenständigen Unternehmens Cortronik in Warnemünde.

1998 begann man in Warnemünde, Stents zu entwickeln und herzustellen. Mittlerweile arbeiten rund 350 Menschen für Cortronik und stellen fast eine Million Stents im Jahr her. Das Unternehmen befindet sich noch immer im Wachstum.

Johanna Hegermann

Anzeige