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Rostock Hilfe für die kleine Lilly: 1639 Rostocker wollen schwerkrankes Baby retten
Mecklenburg Rostock Hilfe für die kleine Lilly: 1639 Rostocker wollen schwerkrankes Baby retten
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06:25 24.07.2019
Dass sich so viele Rostocker - wie Claus Ruhe Madsen und Krankenschwester Anja Feldhege mit Tochter Theresa - registrieren ließen, freut Lillys Papa, Frank Kletzin und Madlen Lochny, die als Blutzelle verkleidet war. Quelle: Claudia Labude-Gericke
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Rostock

Obwohl der Weg zum Strand für sie gerade nicht weit ist, entschieden sich Anne und Ulf Lemke am Sonntag lieber für einen Besuch in der Rostocker Neptunschwimmhalle. „Wir haben in der OSTSEE-ZEITUNG von der Typisierungsaktion für Lilly gelesen und wollten helfen. Jetzt, im Urlaub, haben wir Zeit und der Weg aus Markgrafenheide nach Rostock war nicht weit“, sagt Anne Lemke, die eigentlich in der Nähe von Neustrelitz wohnt.

Nach erfolgreicher Typisierung schrieb die Urlauberin noch liebe Worte und Wünsche in ein Gästebuch, das die kleine Lilly später einmal erhalten soll. Die Aussicht darauf, dem Baby oder einem anderen Schwerkranken das Leben retten zu können, sei Motivation genug für eine kurze Strandpause, findet auch Ehemann Ulf.

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Bildergalerie: So voll war es bei der Registrierungsaktion

Mehr als 1000 Personen ließen sich am Sonntag in der Rostocker Neptunschwimmhalle für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) registrieren.

So wie die beiden Urlauber sahen es viele Menschen, die in Scharen Richtung Schwimmhalle strömten. Schon eine halbe Stunde vor dem offiziellen Start ging es los. Nur kurz darauf waren alle 70 Tische besetzt, sodass sich im Treppenhaus Schlangen bildeten. Dabei war die Organisation der Registrierungsaktion trotz nur zehn Tagen Vorbereitung vorbildlich und lief reibungslos. „Aber mit so viel Zuspruch haben wir nicht gerechnet – auch wenn wir es natürlich gehofft haben“, sagt Heike Kempke vom Organisationsteam.

„Fünf Minuten können Leben retten“

Direkt und ohne Murren an der Warteschlange vorbei durften Silvio Link und Thoralf Spörk. „Wir sind im Dienst“, erklärten die Mitglieder der Berufsfeuerwehr, die eine kurze Pause nutzten, um sich für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) registrieren zu lassen. „Mehr können wir ja erst mal nicht tun, aber wenigstens das. Und dann hoffen, dass es passt“, sagte Link, bevor er nach wenigen Minuten die Halle wieder in Richtung Feuerwache verließ.

„Eine solche Typisierung dauert nicht lange. Wir sagen deshalb auch immer: Fünf Minuten können Leben retten“, erklärte Stefanie Doss von der DKMS. Die Bereitschaft der Menschen bei der Aktion in Rostock sei herausragend und könnte nicht nur der kleinen Lilly, sondern vielen anderen Menschen, die auf eine Stammzellenspende warten, möglicherweise das Leben retten. „Wir mussten bei diesem Ansturm sogar die Küchenhelfer abziehen, damit sie bei der Datenerfassung mitmachen“, freute sich Stefanie Doss.

Gegen Mittag wird die 1000er-Marke geknackt

Genau das sei auch ein Ziel gewesen, sagte Frank Kletzin. Natürlich hätte er als Vater der kleinen Lilly zuerst an sein Baby gedacht, das an einem schweren Immundefekt leidet und dringend eine Stammzellentransplantation braucht – aber als Arzt eben auch an andere Menschen in ähnlicher Not. „Deshalb wollten wir es auch nicht abbrechen, obwohl es für Lilly einen Funken Hoffnung und möglicherweise einen geeigneten Spender gibt. Aber es kann immer noch etwas passieren und deshalb brauchen wir viele Menschen, die sich registrieren lassen“, so Kletzin.

Die Resonanz der Bevölkerung machte den 46-Jährigen fast sprachlos. „Ich bin unheimlich dankbar für die riesige Unterstützung. Ich hatte anfangs mit vielleicht 300 Teilnehmern gerechnet“, sagte er.

Doch die waren bereits in der ersten Stunde erreicht, gegen Mittag wurde sogar die magische Grenze von 1000 Spendern geknackt. Immer wieder mussten Tische herangeholt werden. Auch Kletzin selbst half mit, genau wie Lillys Oma. Neben der Knochenmarkspenderdatei füllte sich auch die Spendenkasse stetig. Schließlich kostet jede Typisierung 35 Euro, weshalb auch Geldspenden wichtig sind.

Polizisten, Bikergruppen und ganz viele junge Familien

Seine Frau sei an der Seite der jüngsten Tochter und brauche dafür ihre ganze Kraft. Die Hilfsaktion stemmte Kletzin deshalb auch dank Familie, Freunden und Kollegen. Rund 100 Helfer waren am Sonntag in der Neptunschwimmhalle dabei und sorgten für einen reibungslosen Ablauf. Neben vielen jungen Familie, die mit Kindern gekommen waren, fanden sich auch Biker-Gruppen oder Polizisten zur Registrierung ein. „Der Hilferuf hing bei uns aus und da habe ich gesagt: Komm, heute gehen wir Lilly retten“, sagte Norman Kahn, der mit Kollegin Anja Kundt gekommen war und den Dienst direkt nach der Registrierung fortsetzte.

„Einfacher kann man nicht helfen“

Anja Hansen hat schon zweimal Stammzellen gespendet. Quelle: Claudia Labude-Gericke

Eigens aus Laage waren Daniela und René gekommen. Das Ehepaar, das selbst vier Kinder hat, ließ sich parallel registrieren. „Wenn einem so etwas selbst passieren würde, wäre man für so eine Aktion auch dankbar. Und einfacher kann man nicht helfen“, so der Familienvater.

Das kann Anja Hansen bestätigen. Sie engagierte sich am Sonntag bei der Typisierung der Spender und ist selbst bereits seit Jahren bei der DKMS registriert. „Ich habe sogar schon zweimal gespendet – für den gleichen Empfänger, einen damals 17 Jahre alten Jungen“, berichtete Hansen.

Dadurch kenne sie sogar beide Varianten, wie die Stammzellenspende erfolgen kann: Einmal durch eine Art Blutspende oder durch die Entnahme der Zellen aus dem Beckenkamm, was unter Vollnarkose erfolgt.

„Bei der Entnahme aus den Venen hatte ich gar keine Beschwerden und die andere Variante ist halt eine Vollnarkose. Das muss man wissen“, sagte die junge Frau. Dennoch sei beides die Möglichkeit, Leben zu retten. „Ich weiß, dass der Empfänger meiner Spende heute gesund ist. Und das ist einfach ein unglaubliches Gefühl.“

Genau so unglaublich wie die Zahl, die nach Abschluss der Aktion feststand: 1639 Personen wurden bei der Aktion in Rostock registriert. „Das hat unsere Erwartungen weit übertroffen“, sagte Heike Kempke glücklich. „Und es sind 1639 Chancen für Menschen, die sie brauchen.“

Von Claudia Labude

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