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Rostock DRK im Einsatz: Familiäre Hilfe auf der Hanse Sail
Mecklenburg Rostock DRK im Einsatz: Familiäre Hilfe auf der Hanse Sail
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20:31 08.08.2019
Von hinten: Matthias Lotz, Andreas Pietsch (beide DRK Suhl), Thomas Tieftrunk, Kevin Collingwood (beide DRK Berlin), Thorsten Dräger und Sabine Junge (DRK Rostock) sind neben vielen weiteren Ehrenamtlichen vier Tage im Dauereinsatz. Quelle: Moritz Naumann
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Rostock

Mit der Eröffnung der Hanse Sail beginnt nicht nur ein Volksfest voller Friedlichkeit und Freude. Denn wenn viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen, entstehen auch Gefahren. 160 Einsatzkräfte des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) wollen in den kommenden Tagen für diejenigen da sein, die sich auf der Hanse Sail verletzt oder gar vergiftet haben.

Sabine Junge ist seit 51 Jahren Mitglied beim Deutschen Roten Kreuz. Dort ist sie heute als Kreisbereichsleiterin und Ehrenamtskoordinatorin tätig. Auf der Hanse Sail organisiert sie alle Einsätze zwischen dem Stadthafen und Warnemünde. „Pro Tag sind etwa 60 Kräfte aktiv. Über alle vier Tage werden es etwa 160 Mitglieder sein, die für uns unterwegs sind“, sagt Junge.

Eine mobile Einsatzzentrale am Stadthafen

Direkt unter dem Kanonsberg hat das DRK sein Lager am Stadthafen aufgeschlagen. Mehrere Zelte dienen einerseits als trockener Unterschlupf, zum anderen auch zur Versorgung der Einsatzkräfte. „Wir haben ein paar Leute hier, die sich nur um das Essen kümmern“, sagt Junge. Ein großer Einsatzleitwagen steht vor den Zelten. „Von hier koordinieren wir alles.“ Das Fahrzeug haben ihre Kollegen aus Suhl mitgebracht. Ohnehin kämen die Kräfte aus ganz Deutschland. „Am Stadthafen sind nur zwei aus Rostock aktiv“, sagt Julia Junge, Pressesprecherin des DRK in Rostock.

Sabine Junge (links) und Julia Junge vom DRK in Rostock prüfen noch einmal die Einsatzabschnitte am Stadthafen. Quelle: Moritz Naumann

„Wir machen das in unserem Urlaub“, sagt Andreas Pietsch. Der Elektromeister ist gemeinsam mit seinem Kollegen Matthias Lotz am Donnerstag um 3 Uhr im thüringischen Suhl gestartet. „Klar, die Region ist schön und man kann mal ein paar tolle Segelschiffe sehen“, erklärt Pietsch seine ehrenamtliche Teilnahme. Aber letztlich sei die gegenseitige Hilfe der Kreisverbände eine tolle Möglichkeit zur Verständigung. Das sieht auch Sabine Junge so: „Man kann Kontakte knüpfen und sich mit Gleichgesinnten austauschen. Viele kennen sich. Es herrscht eine familiäre Stimmung.“

Kreislauf, Knochen, Alkohol

Die Kreisbereichsleiterin kennt die Gepflogenheiten auf dem größten Volksfest von MV sehr gut. „Ich bin schon seit der ersten Sail 1991 dabei“, sagt Junge. Was sich seither verändert habe? „Alles ist besser koordiniert.“ So wären bei der ersten Sail noch mehrere Wohlfahrtsträger unterwegs gewesen. „Da gab es teilweise Konkurrenz um die Patienten“, erinnert sie sich. Heute habe das DRK die Hauptverantwortung auf dem Volksfest.

Schon am Donnerstagmorgen gab es den ersten Einsatz. „Ein Kind mit Schürfwunden“, sagt Junge. Was darüber hinaus die häufigsten Gründe für die Hilfeleistungen des DRK sind? „Da kommt alles zusammen: Insektenstiche, Kreislaufzusammenbrüche, Knochenbrüche und Alkoholvergiftungen.“ Im letzten Jahr habe das DRK insgesamt 200 Einsätze gezählt.

Entlastung für die Rettungskräfte

„Nach meinem Empfinden ist Alkohol in den letzten Jahren ein immer größeres Problem geworden“, sagt Junge. Das merke sie zum einen an einer Zunahme von Menschen mit Alkoholvergiftung, zum anderen gebe es auch mehr Schlägereien. Das fordert die Einsatzkräfte oft zusätzlich. „Bei einer Klopperei forderten uns die Menschen auf, dazwischenzugehen“, erinnert sich Junge. Doch das sei nicht die Aufgabe des DRK. Auch bei Alkoholvergiftungen könnten die Einsatzkräfte nicht viel mehr machen, außer achtzugeben und beizustehen. „Wir machen die Erstversorgung und entlasten die Rettungskräfte“, sagt die Einsatzleiterin.

Eine Neuerung auf dem Festgelände sind die Kinderarmbänder, die an Familien verteilt werden. „Es ist in der Vergangenheit oft vorgekommen, dass Kinder ihre Eltern aus den Augen verloren haben. Wir haben dann auf die Kleinen aufgepasst.“ Präventiv können Eltern am Geländeeingang und bei den DRK-Kräften ein Kinderarmband erhalten. „Da kann man dann die Telefonnummer raufschreiben, so dass wir oder auch Passanten die Eltern kontaktieren können, sollte das Kind im Trubel kurzzeitig verloren gehen.“

In der Vergangenheit haben Eltern ihre Kinder im Trubel der Hanse Sail kurzzeitig aus den Augen verloren. Kinderarmbänder sollen künftig dafür sorgen, dass Passanten oder Einsatzkräfte die Eltern schnell kontaktieren können. Quelle: DRK Rostock

An allen vier Tagen ist das DRK zwischen 12 und 0 Uhr im Einsatz. In Teams aus zwei Leuten gehen die Kräfte sowohl in Warnemünde als auch im Stadthafen in festgelegte Bereiche auf Sanitätsstreife. Was sich Sabine Junge für das kommende Wochenende wünscht? „Wir hoffen auf Verständnis der Besucher, wenn wir mal schnell durch die Menschenmassen müssen.“ Das sei nicht immer einfach, denn in den vergangenen Jahren habe sie schon erlebt, dass den Einsatzkräften kein Platz gemacht wurde, obwohl Hilfe dringend nötig war.

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