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Rostock Das haben Mecklenburgs modernste Supermärkte zu bieten
Mecklenburg Rostock Das haben Mecklenburgs modernste Supermärkte zu bieten
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19:23 04.07.2019
Angelina Wirths (19) zeigt, wie man bei Globus modern einkaufen kann. Mit einem Handscanner wird jedes Produkt registriert, das in den Wagen gelegt wird. Am Ende muss nur noch bezahlt werden, ohne den Wagen noch mal an der Kasse auszupacken. Quelle: OVE ARSCHOLL
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Rostock

Amazon macht’s vor: Die Filialen seiner Supermarkt-Kette „Go“ kommen komplett ohne Kassen aus. Stattdessen registrieren Kameras, was der Kunde aus dem Regal holt, zurückstellt oder mitnimmt. Bislang gibt es nur eine Handvoll „Go“ -Märkte in den USA. In China gehören ähnliche Konzepte dagegen schon länger zum Alltag. Und auch der deutsche Einzelhandel zeigt sich zunehmend experimentierfreudig.

Wer sich gegen die Konkurrenz behaupten will, muss Kunden besondere Einkaufserlebnisse bieten. Das haben auch die Supermarkt-Betreiber in Mecklenburg erkannt. Damit wollen selbstständige Kaufleute und Ketten Kunden locken:

Einkaufen ohne Warteschlange

Beim Globus in Rostock-Roggentin kann der Kunde seit Neustem seinen Einkauf selbst einbongen, noch während er durch die Regalgänge läuft. Mit „Scan & Go“. „Der schnellste Kassiervorgang in Mecklenburg-Vorpommern“, jubelt Globus-Chef Frank Meißler.

So funktioniert’s:Der Kunde muss ein Formular ausfüllen und erhält dann eine personalisierte Kundenkarte. Mit dieser meldet er sich vor dem Einkauf an einer Station an und bekommt dort einen von 150 Handscannern. Mit dem Lesegerät scannt er den Strichcode der Produkte ab, die er kaufen möchte und kann sie dann gleich in die Einkaufstasche stecken. Wieder auspacken und auf’s Kassenband legen muss er die Artikel nicht. Bezahlt wird quasi im Vorbeigehen – an einer von sechs Checkout-Stationen: Kundenkarte scannen, bar oder mit EC-Karte zahlen, fertig.

Galerie: Damit locken Mecklenburgs Supermärkte

So modern sind Mecklenburgs Supermärkte

Bundesweit hat Globus „Scan & Go“ schon länger im Einsatz, in Roggentin erst seit wenigen Tagen. Mit überraschendem Erfolg, sagt Chef Meißler. „Wir kommen mit den Anmeldungen kaum hinterher.“ Vor allem die Generation Ü50 hätte Lust „auf das digitale Abenteuer“.

Das weiß auch die Rewe-Gruppe und handelt:Anfang des Jahres hat sie in Köln ein Pilotprojekt gestartet, bei dem Kunden für das Selbst-Scannen ihr Smartphone als Barcode-Lesegerät nutzen können.

Dass Kunden zunehmend selbstständig agieren, zeichnet sich bundesweit schon länger ab. Ketten wie Kaufland setzen auf Selbstbedienerkassen. Der Kunde scannt seine Einkäufe an einem Terminal ein und zahlt dann bar oder mit Karte. Die sogenannten Self-Checkouts nehmen zu. Zuletzt hatte das EHI Retail Institute den deutschen Markt 2017 gescannt: Damals verfügten 350 Supermärkte über Selbstbediener-Terminals – 200 mehr als noch zwei Jahre zuvor.

Real war 2003 die erste Supermarktkette, die SB-Kassen einführte. Vier solcher Terminals hatte die Filiale im Schweriner Schlossparkcenter zu bieten. Die allerdings machte 2016 wegen schlechter Geschäfte dicht. In anderen Real-Märkten Mecklenburgs gebe es die SB-Kassen nicht, so ein Sprecher. „Aus baulichen Gründen.“

Und wie ehrlich ist der deutsche Kunde, wenn er sich selbst abkassiert? Bei Ikea in Rostock-Schutow müssen sie es wissen. Der schwedische Möbelriese hat seit Jahren SB-Terminals im Einsatz. Inzwischen bezahlt fast jeder fünfte Kunde Billy-Regal und Co. an einer solchen Express-Kasse. Und nur wenige vergessen, Käufe einzuscannen oder versuchten gar, in großem Stil Ware mitgehen zu lassen, sagt Sprecherin Claudia Fahlpahl. Zudem machten Mitarbeiter Stichproben. „Hierbei zeigt sich, dass wir in ganz seltenen Fällen unehrliche Kunden haben.“

 Weil Vertrauen gut, Kontrolle aber besser ist, schickt auch Globus-Chef Meißler Mitarbeiter durch die Gänge. Die Befürchtung, die Einführung von „Scan&Go“ gehe zulasten von Arbeitsplätzen, stimme also nicht. „Ich brauche jetzt sogar mehr Leute, die Technik ist erklärungsbedürftig.“ Und kennt Grenzen: Wer Wein, Schnaps oder Zigaretten scannen will, dem glückt das übrigens nur, wenn ein Angestellter zuvor bestätigt, dass der Kunde volljährig ist.

Wie sieht es mit dem Datenschutz aus?Statistiken über das Einkaufsverhalten seiner Kunden zu führen, sei möglich, räumt Meißler ein. Außerdem müsse der Kunde zustimmen, dass er auf ihn zugeschnittene Werbe-E-Mails bekommt. „Wer gern Bio kauft, bekommt Bio-Angebote. Aber wir wollen die Daten nicht ausschlachten. Wer das macht, verliert den Kunden.“

Cleverer Ladenbau

Nicht nur beim Bezahlen, auch beim Ladenbau gehen Supermärkte neue Wege.Besser gesagt, sie lassen Kunden neue Wege gehen. Zum Beispiel im Edeka, den Kaufmann Ingolf Schubert 2014 in Rostocks Breiter Straße eröffnete. Sein Vollsortimenter dürfte bei manchem Einkaufsforscher Schnappatmung auslösen. Denn lange Regalreihen, bei denen der Kunde erkennen kann, was an deren Ende steht, gibt es fast nur bei Obst, Gemüse und Kühlwaren. Süßigkeiten, Grundnahrungsmittel und Drogerieartikel stehen hingegen in Regalen, die in Ringen angeordnet sind.

Der Markt lockt trotz oder gerade wegen des ungewöhnlichen Designs Kunden an. Sich in der Regalspirale zurechtzufinden, dauert etwas länger. Flotter als in anderen Märkten geht’s dagegen beim Bezahlen zu: Statt an wuchtigen Kassen wird an acht schmalen Kassentischen abkassiert. An die gelangt man per Signal: Alle Kunden stellen sich an einer Schlange an und werden zu dem Kassierer gerufen, der gerade frei ist.

Beim Ladenbau hat Tino Schmidt einen Schwerpunkt auf Umweltfreundlichkeit gelegt: Der Kaufmann hat Anfang des Jahres einen Rewe in Neubukow eröffnet, der nach dem „Green Building“-Konzept der Rewe-Gruppe gebaut wurde. Im Vergleich zum Standard- komme der Öko-Markt mit halb so viel Energie aus, sagt Rewe-Sprecherin Stephanie Behrens. Durch die Leitungen fließe ausschließlich zertifizierter Grünstrom. Die Heizenergie werde zu 80 Prozent durch Abwärmenutzung aus der zentralen Gewerbekälte und zu 20 Prozent über den Einsatz von Wärmepumpen abgedeckt. Damit springt Rewe auf einen Trend auf: Nachhaltigkeit.

Von energieeffizienten Kälteanlagen bekommt der Kunde wohl eher nichts mit. Vom Tageslicht, das in den Rewe fällt, dagegen schon. Die Architektur soll an traditionelle Markthallen erinnern und einen hohen „visuellen Raumkomfort“ gewährleisten, so Rewe. In heller freundlicher Atmosphäre shoppt Kunde eben gleich noch mal so gern.

Für alle, die es eilig haben, bietet Kaufmann Schmidt einen Abholservice an: Online oder per App kann man sich seinen Einkauf zusammenstellen und im Laufe eines selbst gewählten Zeitfensters im Markt abholen. „Das Angebot wird vor allem von Familien mit Kindern genutzt.“ Als nächstes wolle er, wenn die Nachfrage da ist, einen Lieferdienst einführen.

Für Familien hat auch die Edeka-Gruppe Besonderes im Angebot: Im E-Center im Rostocker Warnowpark – das größte in Norddeutschland – können sich Kinder in einer Spielecke austoben, während ihre Eltern den Einkauf erledigen. Brauchen die dabei eine Verschnaufpause, steht eine „Ruhezone“ bereit.

Damit schon bei der Anreise kein Stress aufkommt, hat Edeka mehr als 700 Stellplätze mit High-Tech ausstatten lassen: LED-Module registrieren freie Parkplätze und weisen Suchenden den Weg. „Besucher müssen nicht mehr im Schritttempo die Parkgassen entlangfahren, sondern werden schnell und unkompliziert zum freien Stellplatz geleitet“, erklärt Centermanager Frank Middendorf. Bonus: Wird die Höchstparkdauer überschritten, blinkt das LED-Modul orange. Damit, so Middendorf, soll auch vermieden werden, dass Kunden Knöllchen kassieren, nur weil sie vergessen haben, ihre Parkscheibe einzulegen.

Im E-Center landet der Kunde dann zuerst im sogenannten „Frische-Theater“.Hier werden Obst und Gemüse wie auf dem Wochenmarkt präsentiert. Hingucker: High-Tech-Kleingewächshäuser des Start-Up-Unternehmens Infarm, in denen Kräuter frisch gezogen werden. Das Ladendesign komme an, sagt Geschäftsleiter Peter Schulz: „Die Rostocker freuen sich über unseren modernen und frischen Markt.“

Frische ist das Zauberwort der Stunde: Ob Salat- oder Smoothiebar, Sushitheke oder Milchzapfstation – kaum ein Supermarkt, der seine Kunden nicht mit Leckereien lockt. Viele Kaufleute bitten sogar zu Tisch.

Shoppen und Schlemmen

Handelsgastronomie ist ein wachsender Markt. Der Real in Rostock-Sievershagen etwa serviert Kunden, die beim Einkauf der Hunger kalt erwischt, Snacks an der „Heißen Theke“. Üppiger fiel das Menü aus, das Kunden bei der ersten „Date Night“ im vergangenen Jahr auftischte: Umrahmt von Regalen und Rabattschildern bereitete ein Showkoch Speisen zu, die das Real-Personal Gästen an langen Tafeln kredenzte. Fünf solcher Schlemmer-Events hat Real in jüngster Vergangenheit ausgerichtet.

Auch Edeka-Kaufmann Schubert will Kunden Appetit machen:In seiner Lichtenhagener Filiale bietet das Bistro eine täglich wechselnde Speisekarte. Dort feierte im Februar der „Schlemmer-Shopping-Abend“ Premiere. Zu Canapés und Co. legte ein DJ auf.

Ob mit High-Tech oder Hochgenuss – Mecklenburgs Supermärkte machen Einkaufen zum Erlebnis.

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