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Rostock Demo-Montag: Festnahmen und Blockaden in Evershagen
Mecklenburg Rostock Demo-Montag: Festnahmen und Blockaden in Evershagen
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13:38 11.04.2018
Polizisten verhaften eine Person in Rostock-Evershagen. Quelle: Andreas Meyer
Rostock

Zum Teil ist es der blanke Hass, der in den Gesichtern der politischen Kontrahenten zu sehen ist: Es ist kurz nach 20 Uhr, der Marsch der Alternative für Deutschland (AfD) durch Evershagen ist just offiziell beendet worden. Nun stehen sich die Sympathisanten der AfD und linke Gegendemonstranten an der Maxim-Gorki-Straße gegenüber. Getrennt nur durch Streifenwagen und Polizisten in schwere Einsatzkleidung. Es wird provoziert, geschrien, beleidigt. Die Stimmung – sie ist gereizt und zum Teil hochgradig aggressiv. Anders als noch vor vier Wochen – bei der ersten AfD-Demo in Evershagen – und auch als am vergangenen Sonnabend im Bahnhofsviertel. Doch die ganz große Eskalation bleibt aus.

600 Polizisten in Evershagen, Wasserwerfer an wichtigen Punkten

Dass es dieses Mal anders, angespannter werden könnte – davon hatte Rostocks Polizeichef Michael Ebert schon in den Tagen zuvor gesprochen. Und die Ordnungshüter haben sich vorbereitet: Rund 600 Beamte – nicht nur aus MV, sondern auch aus Berlin, Bremen und Niedersachsen – hat Ebert in Evershagen zusammengezogen. An den neuralgischen Punkten stehen Wasserwerfer und Beamte mit Diensthunden, in der Luft kreist der Polizeihubschrauber. Die Sprache der unterschiedlichen Demo-Lager – die AfD auf der einen Seite, linken Gegendemonstranten auf der anderen – ist dieses Mal schärfer. Steffen Reinicke, Beisitzer im Rostocker AfD-Kreisvorstand, ruft den Anhängern zu, dass die Regierung eine Schande sei. Und: „Messerstechereien und Bandenkriminalität sind auch in Rostock längst Alltag.“ Mit Applaus und „Widerstand, Widerstand“-Rufen antwortet die Masse. Die AfD spricht von 1200 Teilnehmern an ihrer Kundgebung, die Polizei von nur 600. Nach eigenen OZ-Zählungen dürfte die Zahl in der Mitte liegen. Auf der Seite der AfD ziehen gleich mehrere Personen aus der rechten Szene durch Evershagen – unter anderem Daniel Fiß, Vize-Chef der rechtsextremen „Identitären Bewegung“. Mit dabei auch Holger Arppe. Der Rostocker war nach der Enthüllung von Gewalt- und pädophilen Äußerungen in Internetchats aus der AfD-Landtagsfraktion geflogen. Der Partei gehört er weiter an. Und mitmarschieren darf er auch.

Evershagen ist am Montagabend zu einem Schauplatz einer AfD-Kundgebung geworden. Gleich sieben Gegendemonstrationen stellten sich dagegen. Die OSTSEE-ZEITUNG berichtet live über die Lage im Rostocker Stadtteil.

AfD muss Demo-Route wegen linken Blockaden ändern

Doch auch die Gegendemonstraten sind dieses Mal nicht so zurückhaltend wie noch vor vier Wochen: Polizei und Stadt sprechen von 700 Teilnehmern bei den Kundgebungen gegen Rechts, die Veranstalter selbst von mehr als 1000. Die linke Szene belässt es dieses Mal aber nicht bei der verbalen Auseinandersetzung: An der Ehm-Welk-Straße kommt es zu Sitzblockaden. Die AfD muss ihre Demo-Route ändern. Kurzzeitig schaffen es vier einzelne Demonstranten, den ganzen Zug aufzuhalten: Sie sitzen auf der Straße, werden von Polizisten eingekesselt.

Fünf Personen werden festgenommen, ein Mann verletzt

Fünf Personen werden festgenommen: Ein Mann aus der linken Szene wird beim Zugriff der Polizei verletzt, zieht sich eine Platzwunde zu. Insgesamt zehn Ermittlungsverfahren leiten die Beamten an dem Abend ein, sagt Polizeisprecherin Dörte Lembke: Wegen Verstößen gegen das Versammlungs- und das Waffenrecht, wegen Beleidigung und Widerstands gegen Polizisten. In Evershagen kehrt am späten Abend wieder Ruhe ein. Die nächste AfD-Demo soll am 14. Mai an der Warnowallee in Lütten Klein stattfinden.

 Andreas Meyer