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Rostock Der SOS-Segelmacher der Sail
Mecklenburg Rostock Der SOS-Segelmacher der Sail
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11:00 10.08.2019
Jonas Renken (37) bei seiner alltäglichen Arbeit: Der Segelmachermeister schneidet gerade ein Segel zurecht. Auch zur Hanse Sail wird er im Einsatz sein, sollten Reparaturen anfallen. Quelle: Maria Baumgärtel
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Warnemünde

 Wenn am Hanse-Sail-Wochenende das Handy von Jonas Renken klingelt, könnte es sein, dass ein Segler dringend seine Hilfe braucht. Der 37-Jährige ist Segelmachermeister und betreibt seit 2008 die Segelwerkstatt Warnemünde, die seit vergangenem Jahr ihren Sitz in Gehlsdorf hat. Zum größten Traditionsschifftreffen der Welt steht der gebürtige Bremer den 170 Schiffen rund um die Uhr mit seinem Können – dem Traditionshandwerk des Segelmachens – zur Verfügung.

Handwerk: Die wichtige Stütze der Hanse Sail

Die Hanse Sail ist ein Spektakel für alle Altersklassen. Doch was alles dafür nötig ist, um das größte Volksfest des Nordostens reibungslos über die Bühne zu bringen, bleibt meist im Verborgenen. So ist auch das Handwerk ein wichtiger Bestandteil der Hanse Sail. Im Vorfeld haben bereits zahlreiche regionale Betriebe – seien es Elektriker oder Gerüstbauer – für den Aufbau gesorgt. „Das Handwerk trägt somit zur technischen Vorbereitung und Sicherheit der Hanse Sail bei“, betont Axel Hochschild, Präsident der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern, stolz. Gleichzeitig bringe es zahlreiche Gäste mit Produkten des Lebensmittelhandwerkes auf den Geschmack unserer Region.

Axel Hochschild ist Präsident der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern. Er ist stolz darauf, welchen Beitrag das Handwerk zur Hanse Sail leistet. Quelle: privat

Während des Festes spielt unter anderem das Bäckerhandwerk eine wichtige Rolle: Bäcker versorgen die Besatzungen der Schiffe mit frischen Brötchen, Brot und Kuchen. Unter ihnen auch Landesinnungsmeister Matthias Grenzer, der das Café Wegner in Warnemünde betreibt und vor allem die Großsegler seit 20 Jahren mit seinen Backwaren verköstigt. Die Vorbereitungen für die Zulieferung beginnen teilweise bereits ab Mitternacht, damit gegen 5.30 Uhr ausgeliefert werden kann.

Rufbereitschaft für Segler

Versorgt werden müssen aber nicht nur die Besatzungen, sondern unter Umständen auch ihre Schiffe. Das maritime Handwerk sei deshalb ebenso ein gefragter Dienstleister während der Hanse Sail, wie Hochschild sagt. „Teilweise gehen Segel auf der Reise nach Rostock kaputt, manchmal erst hier vor Ort“, berichtet Segelmachermeister Renken. Das sei oft wetterabhängig, denn am häufigsten handle es sich um Sturm- oder Windschäden, seltener um Verschleiß. Damit die Segler trotzdem ihre Ausfahrten machen und am Ende der Sail weiter oder nach Hause fahren können, ist er die vier Tage in Rufbereitschaft. „Das Hanse-Sail-Büro weiß, dass wir zur Verfügung stehen und kann im Notfall auf uns verweisen“, erzählt der Inhaber der Segelwerkstatt.

Nähkunst und Formgefühl

Renkens Betrieb ist eine klassische kleine Segelmacherei mit drei Angestellten, deren Angebot allerdings weit über das Herstellen und Reparieren von Segeln hinausgeht: „Wir fertigen Verdecke für Boote sowie Wind-, Sicht-und Sonnenschutze auch für Bereiche außerhalb des Bootes, wie Sonnensegel für Balkone“, berichtet der gebürtige Bremer. Selbst Werbebanner fallen in seinen Aufgabenbereich. „Das ist alles dasselbe Material: gewebtes Polyester. Gestern war zum Beispiel jemand mit einem Dachzelt seines Wohnwagens da – das gleiche Prinzip wie bei einem Segel“, argumentiert Renken. Alles, was unter seine Nähmaschine passe, könne er angehen, sagt er lachend. Gerne probiert sich der 37-Jährige auch aus und repariert deshalb seit neuestem zusätzlich SUP-Boards und Kite-Segel.

Zur Segelmacherei ist Renken über ein Praktikum vor rund 20 Jahren gekommen. „Mir war sofort klar, dass ich das lernen möchte“, sagt er begeistert. Abgesehen davon, dass für den Job das Nähen unverzichtbar ist, sollte man ein Gefühl für Formen haben, wie der gebürtige Bremer betont: „Wir machen aus einem zweidimensionalen Tuch ein dreidimensionales Segel. Dazu benötigt man Vorstellungskraft.“

Nähen ist eine der Hauptaufgaben eines Segelmachers. Dabei müssen enorm große Stoffteile gehändelt werden. Jonas Renken (37) hat sich dafür in seiner Segelwerkstatt ein Plateau gebaut und kann in Aussparungen bequem an einer seiner Nähmaschinen arbeiten. Quelle: Maria Baumgärtel

Mindestens ein Einsatz pro Sail

Während der Hanse Sail habe Renken in den letzten Jahren schon öfter Segel instand gesetzt. „Letztes Jahr gab es zwei Reparaturen: an einem kleinen Traditionsboot von Usedom und einem größeren holländischen Segler“, erzählt der Segelmachermeister. Mindestens einmal müsse er pro Fest aushelfen. Das erscheint wenig, doch Renken erklärt: „Bei so einer Veranstaltung ruft den Segelmacher niemand für Pillepalle an, sondern nur wenn ernsthaft Reparaturbedarf besteht.“

Drei bis fünf Stunden müsse man für die Reparatur eines kleineren Schadens – etwa eines Risses – inklusive Abholung und Auslieferung rechnen. „Man muss bedenken, dass so ein Segel schwer und nicht gerade handlich ist. Zum Zusammenlegen und zum Ausbreiten benötigt man auf jeden Fall einen zweiten Mann – und etwas Zeit“, erklärt Renken, denn bei den teilnehmenden Seglern der Hanse Sail reichen die Segelgrößen von 15 bis 90 Quadratmeter.

Großsegler bleibt im Gedächtnis

Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm ein Einsatz von vor sieben Jahren: Der „Gulden Leeuw“ aus Holland – einem 70 Meter langen Dreimast-Toppsegelschoner – war auf der Überfahrt nach Rostock ein Vorsegel zerrissen. „Das Segel war völlig kaputt. Das war nicht eben schnell gemacht“, erzählt Renken. Er musste Material bestellen, damit das neue Segel farblich zu den übrigen passt. „Per Express ist das aber innerhalb von ein bis zwei Tagen möglich“, beruhigt er. Letztendlich konnte der Segelmachermeister mit seinem Können überzeugen und das Segel pünktlich zum Ende der Sail an den Holländer ausliefern.

Die holländische „Gulden Leeuw“ war 2012 zu Gast bei der Hanse Sail. Der Dreimast-Topsegelschoner benötigte damals ein neues Vorsegel. Quelle: Ostsee-Anzeiger

„Im normalen Leben hat man solche großen Schiffe selten. Unser größter Kunde ist der 46 Meter lange Dreimastschoner ‚Albert Johannes‘ aus Rostock. Von daher schiebt man gern Wochenenddienst, wenn so etwas wie bei der ‚Gulden Leeuw‘ anfällt“, schwärmt Renken. Dieses Jahr rechne er nicht damit, dass er viel zu tun bekommt: „Es gab weder in den Tagen vor der Hanse Sail starken Wind noch sehen die Prognosen danach aus. Gute Wetterverhältnisse für Segel“, lacht der Segelmachermeister.

Von Maria Baumgärtel

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