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Rostock Der Scharfmacher von Warnemünde
Mecklenburg Rostock Der Scharfmacher von Warnemünde
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00:00 03.08.2017
Günter Scarbarth in seiner Werkstatt. Auch alte Maschinen leisten ihm gute Dienste. Quelle: Foto: Michael Schissler
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Warnemünde

Günter Scarbarth ist 78 Jahre alt und hat seine eigene Geschäfts-Philosophie entwickelt: „Man muss seinen Beruf ernst nehmen, sonst wird das nichts. Aber man muss es nicht übertreiben.“ Deswegen teilt sich Günter Scarbarth seine Arbeit gut ein, allerdings „drei Tage lang nichts tun“, das geht auch nicht, denn Scarbarth ist weit und breit der einzige Mann, „der alles, was scharf sein muss, auch scharf bekommt“.

Gerade jetzt herrscht in seiner Schleiferei am Alten Strom in Warnemünde Hochbetrieb. „Nun kommen die Kleingärtner mit ihren Gartenscheren, ihren Blechscheren und mit ihren Rosenscheren“, erzählt Günter Scarbarth auf seiner Terrasse und hat dabei seinen kleinen Betrieb am Ende des Gartens im Blick. Dort lassen sich allerdings nicht nur Kleingärtner sehen, sondern alle, die scharfes Werkzeug für ihre Arbeit brauchen.

Angefangen hat Günter Scarbarth damit, medizinische Geräte zu schärfen, 1990 eröffnete er seine Schleiferei und ein Ladengeschäft für Messer, Scheren und Bestecke. Das Schleifen der medizinischen Geräte allerdings wurde weniger. „Das war einfach zu aufwendig geworden, weil sie immer wieder sterilisiert werden mussten“, erzählt Scarbarth, der aus Thüringen stammt und von Hause aus Schiffsingenieur ist.

Anfangs lief es mit dem Laden gut, erinnert sich Günter Scarbarth: „Wir haben damals viele Silberbestecke verkaufen können.“ Auch Kochmesser wurden ihm aus den Händen gerissen, vor allem von den Besatzungsmitgliedern der Kreuzfahrtschiffe. „Die Messer, die man hier für 50 bis 80 Euro kaufen konnte, konnten sie für einige hundert Dollar weiterverkaufen.“ Dann allerdings kam der 11.

September 2001 mit dem Terroranschlag auf das World Trade Center – und „die Sicherheitsbestimmungen auf den Kreuzfahrtschiffen wurden schärfer“, sagt Scarbarth. Die Umsätze gingen zurück. Jetzt konzentriert er sich nur noch auf das Schleifen.

„Vor allem sind es Messer und Scheren, die ich wieder schärfe“, sagt Günther Scarbarth, „es sind überwiegend ältere Frauen, die ihre Scheren zu mir bringen.“ Das hat seinen Grund: „Die Scheren in der DDR waren gut und teuer, es lohnt sich immer wieder, sie zu schleifen, denn man kann sie lange Zeit nutzen.“

Ihre Messer dagegen bringen vor allem die Köche in die kleine Werkstatt. „Sie kommen alle zwei Monate, und wenn man ständig schleift“, sagt der Warnemünder Scherenschleifer, „dann geht das auch ruckzuck.“ Im Lebensmittelbereich geht Scarbarth auch zu Werke, wenn es um die Aufschnittmesser geht oder wenn die Scheiben und die Kreuzmesser von Fleischwölfen geschliffen werden müssen.

Kundschaft kommt zudem auch aus dem Handwerk. „Ich habe eine Schleifmaschine für Kreissägenblätter aus dem Jahr 1956. Mit ihr schärfe ich Blätter im Durchmesser bis zu einem Meter. Günter Scarbarth schärft auch Hunde- und Schafscheren.

„Ich habe gut zu tun“, sagt der 78-Jährige, der zudem Aufträge aus der weiteren Region bekommt. Er arbeitet mit einer Firma zusammen, die sich mit Holzbearbeitungsmaschinen befasst, „deren Service-Mitarbeiter sammeln die Scheren ein, und ich schärfe sie hier in Warnemünde. Das sind oft spezielle Scheren, mit denen man Glasfasergewebe schneiden kann“. Messer- und Scherenschleifen – das ist eine Vertrauenssache, und angesichts der Kundenzahl muss sich Günter Scarbarth eine Menge Vertrauen erarbeitet haben. Dennoch: Wenn er sieht, dass „Leute mit einer Schleiferei durch die Gegend und über die Märkte fahren, das ist manchmal ernsthafte Konkurrenz“. Andererseits sieht er auch: „Die Leute greifen immer mehr zu billigen Scheren, das ist so in der Wegwerfgesellschaft.“

Verdrießen lässt sich Günter Scarbarth aber nicht. „Wenn die Leute mich fragen, wie lange ich das noch machen will, sage ich: 22 Jahre, dann bin ich hundert.“ Menschen mit stumpfem Besteck werden sich also noch freuen können, ihn in seiner Werkstatt zu finden – mit eigener Absaugvorrichtung für den Staub und einer Deckenhöhe von unter 2,50 Meter. „Das passt für mich, ich wachse nicht mehr“, sagt Günter Scarbarth und bekam deswegen seine Werkstatt auch genehmigt.

Michael Schißler

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