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Rostock Die Fettklumpen vom Bodden: Baggerarbeiten eingestellt
Mecklenburg Rostock Die Fettklumpen vom Bodden: Baggerarbeiten eingestellt
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06:00 30.05.2018
Bei Wampen wurde Schmierfett gefunden, der Nabu fordert die sofortige Beseitigung. Quelle: Nabu Greifswald
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Rostock

Entlang des gesamten Greifwalder Boddens wurden seit Pfingsten cent- bis faustgroße, gelblich-rosa-farbende Fettklumpen gesichtet. Diese sollen von einem Bagger stammen, der in der Ostsee an dem Bau des zweiten Ostseepipeline-Doppelstrangs beteiligt ist – so belegen es erste Ergebnisse eines Proben-Abgleichs. „Hunderprozentige Sicherheit zur Herkunft der Klumpen haben wir aber noch nicht“, sagt Martina Plote vom Landesministerium für Landwirtschaft und Umwelt. Nord Stream hat jedoch schon eine Hotline (030/2 88 75 81 16) eingerichtet und mit der Beseitigung der Umweltverschmutzung begonnen.

Sorgen um fachgerechte Beseitigung

Seit letzten Freitag sind laut Nord-Stream-Unternehmenssprecher Steffen Ebert etwa zehn bis 15 Personen im Einsatz, um die Küste von den Klumpen zu befreien. „Dabei handelt es sich um geschultes Personal, das besonders eingewiesen ist“, sagt Ebert. Welche konkrete Qualifikation diese Einsatzkräfte haben, konnte der Sprecher nicht konkretisieren.

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Thorsten Werner vom Naturschutzbund (Nabu) Meeresschutz kritisiert, dass es nicht ersichtlich wäre, wie die Beseitigung der Umweltverschmutzung fachgerecht erfolgt: „Es zeigt sich, dass sich die Fettklumpen zersetzen und kleinteilig eine noch größere Gefahr für die Umwelt bieten – es reicht nicht, die großen Klumpen einfach nur wegzuräumen.“ Nord Stream hält dagegen: In den abgesperrten Gebieten, etwa in Naturschutzbereichen bei Wampen oder den Fresendorfer Wiesen, erhält das Unternehmen Unterstützung bei der Beseitigung der Verunreinigung. „Die eingesetzten Personen wurden dabei von im Projekt tätigen Umwelt-Fachleuten begleitet und vor Ort angeleitet“, sagt Steffen Ebert.

Nord Stream: Keine Gefahr für den Menschen

Während das Agrarministerium die Fettklumpen weiterhin auf konkrete Auswirkungen untersucht, kritisiert der Nabu, dass Nord Stream wissen müsse, was in dem Fett enthalten ist. „Ein Hinweisblatt wäre längst überfällig“, sagt Thorsten Werner. Steffen Ebert legte der OSTSEE-ZEITUNG nun das Original-Datenblatt zu dem Schmierfett vor. Dabei verweist er darauf, dass das Schmierfett ungefährlich wäre: „Darin heißt es, dass das Produkt ’Mobilith SHC 460’ kein Gefahrstoff, daher nicht kennzeichnungspflichtig und nicht gesundheitsschädlich ist.“

Mineralölbasierte Schmierfette: Ein vermeidbares Risiko

Schmierfette auf Mineralölbasis bilden für die Natur und den Menschen eine Gefahr. Sind sie erstmal in die Natur gelangt, bleiben sie auch da“, sagt hingegen Gabriele Peterek von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe. Laut ihrer Aussage gäbe es für die meisten Schmierfette im industriellen Bereich biologisch abbaubare Alternativen.

Warum Nord Stream nicht jetzt schon solche Fette verwendet, konnte Ebert bis Redaktionsschluss nicht aufklären. Jörg Feddern ist Ölexperte bei Greenpeace und bestätigt die Aussagen von Peterek: „Solche Substanzen sind krebserregend. Das Zeug muss schnell raus aus der Natur, sonst landet es in der Nahrungskette.“

Baggerarbeiten sind eingestellt

Wie ein Unternehmenssprecher am Montag sagte, werden alle vier Bagger-Schiffe vorerst ihre Arbeit ruhen lassen. Aufgrund der Vorkommnisse im Greifswalder Bodden werden die Maschinen nun gründlich untersucht.

Naumann Moritz