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Rostock Die Hanse lebt: Das Bündnis wächst
Mecklenburg Rostock Die Hanse lebt: Das Bündnis wächst
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13:14 23.06.2018
Der offizielle Teil des Hansetages 2018: In der Nikolai-Kirche stimmen die Delegierten aus 116 Städten für die Aufnahme neuer Mitglieder.
Der offizielle Teil des Hansetages 2018: In der Nikolai-Kirche stimmen die Delegierten aus 116 Städten für die Aufnahme neuer Mitglieder. Quelle: Andreas Meyer
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Rostock

Der freie Handel – er hat die Hansestädte reich, stolz, mächtig gemacht. Und er die Menschen aus vielen Nationen in ganz Europa zusammengebracht. Doch nun ist eben jene Freiheit in Gefahr: Die USA drohen mit immer neuen Einfuhrzölle, zwischen den großen Wirtschaftsmächten drohen Handelskriege. Die Hanse will dem nun etwas entgegensetzen: Das Städtebündnis will wieder enger zusammenrücken, will an Bedeutung gewinnen und wachsen. Der Grundstein dafür wurde in Rostock gelegt – beim 38. Hansetag der Neuzeit. Die Delegierten aus 116 Städten beschlossen bei ihrer Konferenz in der Nikolai-Kirche die Aufnahme neuer Mitglieder. Und sie wollen sich einen hauptamtlichen Geschäftsführer leisten.

Gemeinsam stärker: Die Hanse besinnt sich in Rostock ihrer alten Tugenden - und setzt auf Wachstum: Zwei neue Mitglieder wurden bei der Delegiertenkonferenz offiziell in das Bündnis aufgenommen. Und: Ein alter Vorkämpfer ist nun Ehrenmitglied.

Ex-Vormann wird Ehrenmitglied

Zum ersten Mal seit 601 Jahren traf die Hanse in Rostock wieder richtungsweisende Entscheidung – die wohl emotionalste davon: Einstimmig und unter dem tosenden Applaus der mehreren Hundert „Abgeordneten“ entschied das Bündnis seinen ehemaligen Vormann Bernd Saxe zum Ehrenmitglied zu machen. 18 Jahre lang war der heute 64-Jährige Bürgermeister in der Hansestadt Lübeck – und somit auch Vormann der Hanse. „Bernd Saxe hat das Bündnis extrem engagiert geführt. Er hat die konkrete Zusammenarbeit zwischen den Städten vorangebracht und in den Mittelpunkt gestellt“, lobt Saxes Nachfolger, der neue Lübecker Bürgermeister Jan Lindenau (ebenfalls SPD). Den Antrag auf Ehrenmitgliedschaft für Saxe hatte die Stadt Visby gestellt. Er gehört nun einem äußerst elitären Kreis an: Denn die besondere Ehrung wurde vor ihm nur seinem Vorgänger – Michael Bouteiller, ebenfalls Bürgermeister a. D. in Lübeck – und dem Herforder Manfred Schürkamp (Vormann der westfälischen Hanse) zu Teil.

Auch Hannover will in die Hanse

Aber nicht nur die Zahl der Ehrenmitglied wuchs: Gleich zwei neue Städte wurden in Rostock offiziell in das Bündnis aufgenommen – die russische Wyschni Wolotschok (52.000 Einwohner) und die niederländische Gemeinde RijssenHolten. Arco Hofland, Bürgermeister der 38.000-Einwohner- Kommune, warb persönlich für die Aufnahme vor den Delegierten: „Wir gehörten schon im 14. Jahrhundert der Hanse an, wurden 2016 zur unternehmerfreundlichsten Gemeinde der Niederlande gekürt. Bei uns lebt der Geist der Hanse bis heute.“ Erst im nächsten Jahr soll dann ein echtes „Schwergewicht“ Mitglied im Bündnis werden: Die niedersächsische Landeshauptstadt Hannover hat offiziell die Mitgliedschaft beantragt. Die Stadt war bis ins 17. Jahrhundert Mitglied der Hanse. Mit 532.000 Einwohner wäre Hannover neben Hamburg, Dortmund, Riga und Danzig eine der größten Städte im Bündnis.

Lob für Rostocks „großartigen“ Hansetag

Die Hanse will zudem professioneller werden: Das Bündnis entschied, einen hauptamtlichen Geschäftsführer einzustellen. Die Stelle soll in der Stadtverwaltung in Lübeck geschaffen werden und rund 115.000 Euro pro Jahr kosten. Die Hansestädte teilen sich die Summe: Pro Einwohner muss jede Stadt 0,0084 Euro zahlen – mindestens 150 Euro pro Jahr, höchstens 2000 Euro. „Der Geschäftsführer soll die Aktivitäten des Bündnis koordinieren, europäische Projekte voranbringen und die Hanse wieder stärker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit bringen“, so Vormann Lindenau. Das Hanse-Büro im Lübecker Rathaus bleibt erhalten – und werden weiterhin allein von der „Königin der Hanse“ finanziert.Lindenau lobt die Gastgeber für einen „großartigen Hansetag“ – „den größten, den es bisher gab. So viele Städte waren noch nie dabei“. Auf Rostock könne sich die Hanse halt verlassen: Als sich Lübeck, Wismar und Rostock 1258 zusammentaten, war das der Beginn des Aufstiegs der Hanse. Übrigens: Rostocks wichtigstes Exportgut war damals „Oehl“ – Bier.

Andreas Meyer