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Rostock Die Matrix des Umbruchs
Mecklenburg Rostock Die Matrix des Umbruchs
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21:45 27.09.2015
Bukow (Charly Hübner) wird von König zu seiner Psychologin geschickt.
Bukow (Charly Hübner) wird von König zu seiner Psychologin geschickt. Quelle: Manju Sawhney/ndr
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Rostock

Die beste Szene gehört Charly Hübner. „Nicht Buko. Bukow wie Fuck of“, schreit er die Psychologin an. Bukow ist genervt. Er ist mal wieder auf sehr dünnem Eis unterwegs, eigentlich vom Dienst freigestellt, weil er in der letzten Folge den Kollegen angeschossen hatte, der ein Verhältnis mit seiner Frau hatte. Und nun sitzt er bei der Psychologin und soll darüber reden, warum er so wütend ist. Großartig!

Eigentlich ein Nebenarm der stark verzweigten Geschichte im Polizeiruf 110 „Wendemanöver“ gestern Abend. Sie wird aber, das ahnt man spätestens, als Bukow am Ende des ersten Teils von einem Elektroschocker niedergestreckt unfreiwilliger und ohnmächtiger Zeuge eines Mordes an einem Kleinkriminellen wird, der als Täter eines anderen Mordes in Frage kam, noch brisant.

Die Story dieses düsteren Krimis von Eoin Moore, in Co-Produktion von NDR und MDR, ist sehr verzweigt, anfangs äußerst verwirrend und reicht bis in die Wendejahre zurück. Die ersten 30 Minuten hat man Probleme im Namenwirrwarr von Zeugen, Verdächtigen, Mordopfern, seltsamen Figuren und Affärenpartnern folgen zu können. Es geht um einen Brandanschlag in einem Magdeburger Unternehmen, bei dem die Frau des Juniorchefs ums Leben kommt. Kurz darauf wird in Warnemünde der Wirtschaftsprüfer dieser Firma ermordet. Der Mann hatte ein Verhältnis mit der Toten aus Magdeburg, war spielsüchtig und wollte mit einer anderen Geliebten nach Südamerika auswandern. Die Fälle haben Parallelen und überlagern sich, die Teams aus Magdeburg und Rostock ermitteln gemeinsam in beiden Städten. Es geht um Wirtschaftskriminalität und Waffenhandel, die bis in die Umbruchzeiten Anfang der 90er-Jahre in Ostdeutschland zurückreicht. Es geht um Vertuschung – aber auch um persönliche Enttäuschungen.

Irgendwann sind in diesem Krimi irgendwie alle zu irgendwas fähig und verdächtig – sogar die Polizisten. Der Kriminalfall liegt wie eine Matrix über den gesellschaftlichen und persönlichen Brüchen, denen alle Beteiligten ausgesetzt sind. Bukows Ehe ist im Eimer, seine Psyche eine Art Minenfeld. Auf Katrin König (Anneke Kim Sarnau) liegt die Amnesie ihrer Ost-West-Vergangenheit, die sie von Folge zu Folge aufarbeitet. Hier nun scheint sie sich in all ihrer verdrängten Frustration sogar verknallt zu haben. In einen Öko-Snob. Wetten, dass der in Teil zwei noch mindestens eine miese Rolle spielt, so glatt wie der ist.

Doreen Brasch (Claudia Michelsen) läuft mit einer kontrollierten Wut und Kälte durch diese Städte, das einem fröstelt. Die Frau ist vom Gesamtdasein einfach nur dauergenervt. Und Jochen Drexler (Sylvester Groth) outet seine Homosexualität gegenüber dem Zuschauer, nicht aber gegenüber den Kollegen, ausgerechnet an einem der Hauptverdächtigen. Überladen? Irgendwie nicht. Nur auf eines muss man noch eine Woche warten: Auf die Auflösung des Falls. Grrrhh!



Michael Meyer

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