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Rostock Totschlag, Raub und Einbrüche: So kriminell ist Rostock
Mecklenburg Rostock Totschlag, Raub und Einbrüche: So kriminell ist Rostock
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18:12 11.04.2019
Gegen den Landes- und Bundestrend: Die Kriminalität in Rostock hat 2018 zugenommen. Quelle: dpa
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Rostock

Im Gegensatz zum landes- und bundesweiten Trend nehmen Straftaten in der Hansestadt weiter zu. Das geht aus der Kriminalitätsstatistik für 2018 hervor, die die Polizeiinspektion am Donnerstag vorstellte. Ob Körperverletzung oder Einbruch, Betrug oder Ladendiebstahl – in nahezu allen Bereichen hat sich die Zahl der erfassten Fälle im Vergleich zu 2017 erhöht. Zum Teil sehr deutlich. „Und das ist nur ein kleiner Bruchteil dessen, was da draußen tatsächlich passiert“, verdeutlicht Polizeidirektor Michael Ebert. Das sagt die Statistik aus über...

... Körperverletzung, Raub und Erpressung

Die Polizei hat 2018 insgesamt 2462 sogenannte Rohheitsdelikte registriert (342 mehr als 2017). Davon waren 469 gefährliche oder schwere Körperverletzungen, 106 mehr als im Jahr zuvor. Die gute Nachricht: Rund 82 Prozent dieser Straftaten konnte die Polizei aufklären. „Der OTEG-Effekt“, sagt Kripo-Chef Sebastian Schütt. Die „Operativ-taktische Einsatzgruppe“ nimmt seit Mai 2018 Rostocks Problemkids ins Visier und hat seitdem fast 600 Strafanzeigen geschrieben. „272 Täter haben wir auf frischer Tat ertappt.“ Die Zahl der Raube hat sich von 123 auf 129, die der Erpressungen von 25 auf 42 erhöht.

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... Totschlag

Fünf Straftaten gegen das Leben wurden 2018 registriert und damit drei weniger als 2017. Bei dreien der Fälle handelte es sich um Totschlag, bei einem um fahrlässigen Totschlag.

... Einbrüche

156 Mal sind Einbrecher im vergangenen Jahr in Wohnungen eingestiegen und haben Wertvolles mitgehen lassen. Lohnendere Ziele scheinen Keller und Dachböden zu sein: 936 Mal brachen Kriminelle in solche Räume ein – 235 öfter als in 2017. Angst, erwischt zu werden, müssen Kellereinbrecher kaum haben. Die Aufklärungsquote liegt bei 5,9 Prozent.

... Drogenkriminalität

„Wo wir danach suchen, finden wir was“, sagt Ebert. 2018 hätte die Polizei verstärkt kontrolliert und dabei 1311 Verstöße gegen das Rauschgiftgesetz festgestellt – 291 Fälle mehr als 2017. In der Regel wurden die Täter mit Cannabis erwischt. „Aber konsumiert wird alles, was der Markt hergibt, und das durch alle Gesellschaftsschichten.“

... Autoklau

Fahrzeuge verlieren für Kriminelle an Reiz: Die Zahl der Autodiebstähle sank von 149 im Jahr 2017 auf 96 in 2018. Bei Fahrrädern wurden sieben weniger als im Vorjahr geklaut. Außerdem sind die Autofahrer offenbar vorsichtiger geworden und lassen Wertvolles nicht mehr auf dem Beifahrersitz liegen: Die Zahl aufgebrochener Pkw ist rückläufig.

... den AfD-Effekt

Die vielen Demos und Gegendemos im vergangenen Jahr schlagen sich auf die Zahl der Verstöße gegen das Versammlungsrecht nieder: 52 Fälle gab es, ein Plus von 33 im Vergleich zum Vorjahr. Auf die Kontrollen bei den Demos führt Ebert auch die steigenden Zahlen bei Sprengstoff- und Waffengesetzverstößen zurück.

... die Täter

Sie haben meist einen deutschen Pass, sind meist männlich (in Zweidrittel aller Fälle) und jung: Jede dritte Straftat wird von einem Kind oder Jugendlichen unter 18 Jahren begangen. Die Kriminellen schlagen stadtweit zu, sagt Schütt. „Lokale Schwerpunkte gibt es nicht.“

... die Aufklärungsquote

Bei zwei von drei Straftaten kann die Polizei den Täter ermitteln. Die Aufklärungsquote liegt bei 62,6 Prozent und damit erstmals über dem Landesdurchschnitt. „Wir haben Gas gegeben, gucken genauer hin“, sagt Ebert. Es wäre noch mehr möglich. „Uns fehlt es an Ressourcen.“

... das Problem

Die Polizei kämpft mit Personalnot. 435 Beamte seien derzeit in Rostocks Inspektion im Einsatz, sagt Ebert. „Es müssten 504 sein.“ Erschwerend komme hinzu, dass viele Beamte in Fortbildungen stecken oder selbst Nachwuchs schulen. Etliche Kollegen stünden kurz vor der Pensionierung. Ebert würde gern mehr Leute für die „OTEG“ abstellen: Die Spezialeinheit zählt aktuell 14 Polizisten. Ihr Einsatz war zunächst auf ein Jahr angelegt, soll aber weiter laufen, kündigt Ebert an.

... die gefühlte Sicherheit

Das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung habe sich leicht verbessert, sagt Ebert. „Dennoch ist sie in Rostock im Vergleich zum Rest des Landes am niedrigsten.“ Die offiziellen Zahlen spiegelten nicht die tatsächliche Lage wider, doch immerhin habe sich die Bereitschaft der Bürger, Straftaten anzuzeigen, erhöht. Beispiel OTEG: Seitdem die Fahnder im Einsatz sind, hätten Ladenbesitzer Anzeigen gegen Diebe erstattet, auf die sie vorher verzichtet hätten.

... die Zukunft

Ausgehend von der aktuellen Situation werde der Trend von 2018 anhalten, sagt Ebert. Er prognostiziert etwa bei Betrug steigende Fallzahlen. Denn der wird internationaler und digitaler. Die Täter schlagen bei Internetkonten, Tauschbörsen und Onlineshops zu, auch aus dem Ausland. Die Fälle aufzuklären, dauere deshalb länger, erklärt Ebert.

... die Lage rings um Rostock

Im Landkreis Rostock ist die Zahl der Straftaten leicht zurückgegangen – von 10 585 auf 10 462 Fälle. Gesunken ist allerdings auch die Aufklärungsquote, von 64,3 auf 63,9 Prozent. Dennoch ist der Landkreis Rostock der sicherste in ganz Mecklenburg-Vorpommern – und das, obwohl er flächenmäßig zu den größten Deutschlands gehört.

Statistik 2018

20 168 Straftaten hat die Polizei in Rostock erfasst (18 832, +7,1)*

davon waren:

1673 Raube oder räuberische Erpressungen (123; +4,9)

1673 Körperverletzungen (1435; +16,6)

6095 Diebstähle (5960; +2,3)

davon 1404 Ladendiebstähle (1121; + 25,2) und

936 Diebstähle aus Keller- oder Bodenräumen (701; +33,5)

289 Urkundenfälschungen (211; +37)

125 Fälle von Widerstand gegen Staatsgewalt (83; +50,6)

52 Straftaten gegen das Versammlungsgesetz (19; +173,7)

1311 Rauschgiftdelikte (1020; +28,5)

86 Fälle von sexuellem Missbrauch (66;+30,3)

davon 62 Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern

*In Klammern: absolute Zahl 2017; Änderung zum Vorjahr in Prozent

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