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Rostock Diebstahl in der Kinder-Uni
Mecklenburg Rostock Diebstahl in der Kinder-Uni
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19:57 27.03.2019
Gerichtsverhandlung in der Kinderuni: Justizministerin Katy Hoffmeister, Angeklagte Claudia S., Richter Dietrich Meyer und Staatsanwalt Holger Schütt sowie Zeuge Thilo Stolpe (v. l.) Quelle: OVE ARSCHOLL
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Rostock

Kurz nicht aufgepasst und schon ist es passiert. Während sich Thilo Stolpe mit der Moderatorin der Kinder-Uni unterhält, wird ihm sein iPad aus der Umhängetasche geklaut. Fassungslos steht er da und schaut in die Runde. Nur mit Mühe kann er einen raschen Blick auf die Diebin werfen, die das Weite sucht. Zum Glück gibt es genügend Zeugen im Publikum, die helfen wollen. „Ruft die Polizei“, meint ein Kind. „Das muss bestraft werden“, sagt ein anderes.

Gerichtsverhandlung zum Semesterstart

Doch Entwarnung: was zunächst täuschend echt wirkte, war eine einstudierte Szene. Für ihre Vorlesung zum Thema „Warum darf man nicht alles, was man will?“ hat Justizministerin Katy Hoffmeister sich etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Am Mittwochnachmittag inszenierte sie eine Gerichtsverhandlung im großen Hörsaal Audimax, in der das Verhalten der dreisten Diebin unter die Lupe genommen wurde. „So wird das auch im echten Leben gemacht“, erklärt Hoffmeister.

„Das ist sehr spannend“, sagt John. Mit großen Augen verfolgt der Siebenjährige die Vorlesung. „Ich finde, das wird richtig gut erklärt“, ergänzt er. Zusammen mit seinem Papa möchte er beim nächsten Mal unbedingt wieder an der Kinder-Uni teilnehmen. „Ich hoffe dann passiert auch so viel.“

Unrecht muss bestraft werden – oder doch nicht?

Nachdem eine umfangreiche Beschreibung der Verbrecherin vorlag, ermittelte die Polizei zunächst Spuren. Anhand derer konnte schließlich Claudia Schmidt als Tatverdächtige ausfindig gemacht und der Staatsanwaltschaft vorgeführt werden. „Und was passiert jetzt“, fragt die Justizministerin die Zuschauer. „Sie muss in den Knast“, ruft ihr ein Junge zu. „Noch nicht“, erwidert Hoffmeister mit ruhiger Stimme. Zunächst müsse Anklage gegen die Frau erhoben werden. In einer fairen Verhandlung würde ihr der Prozess gemacht.

Diebstahl in der Kinderuni: Thilo Stolpe (M.) plaudert mit Moderatorin Julia. Claudia S. stiehlt im dabei das Tablet aus der Umhängetasche. Quelle: OVE ARSCHOLL

Doch wer bestimmt, was böse ist und wer, wie die Strafe aussieht? Auf diese Fragen weiß die Justizministerin die Antwort. „Der Richter schaut sich alle Fakten genau an und fällt anschließend ein Urteil. Und wieso ist eine Bestrafung überhaupt notwendig? Das kann Annika beantworten: „Damit man das nie wieder tut und sich bessert“. Außerdem wirke sich eine Strafe abschreckend auf mögliche Nachahmer aus. Die Siebenjährige hat sichtlich Spaß beim Zuschauen. „Das alles hier ist super“, staunt sie. Nach der Veranstaltung verrät sie ihrer Mama ein Geheimnis: „Manchmal mopse ich ein paar Süßigkeiten.“ Doch die Mutter ist wenig überrascht. Das habe sie bereits gemerkt. Mit einer Strafe müsse ihre Tochter aber nicht rechnen, wie sie lachend zugibt.

Bewährung statt Gefängnis

Auch Emma ist von der Show begeistert. Sie ist das erste Mal bei der Kinder-Uni und hat eine Menge gelernt. „Ich habe noch nie so eine Verhandlung gesehen. Ich finde das richtig cool“, meint die Neunjährige. Interessant fand sie zudem, dass die Diebin letzten Endes nicht ins Gefängnis musste. Neben einer Bewährungsstrafe hat der Richter sie zu 30 Arbeitsstunden im Zoo verdonnert. „Da hat sie aber Glück gehabt“, stellt Emma fest.

Susanne Gidzinski

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