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Rostock Dierkower Hafen-Schätze sollen ins Museum
Mecklenburg Rostock Dierkower Hafen-Schätze sollen ins Museum
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00:00 27.12.2016
Nur schwer zu erahnen: In diesem Erdloch am Warnowufer soll Rostocks historischer Ursprung liegen. FOTOS: PHILIP SCHÜLERMANN, OVE ARSCHOLL, AXEL BÜSSEM
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Dierkow

Es war eine Überraschung, eine mit historischer Tragweite. Am Primelberg, zwischen Dierkower Damm und Warnowufer haben Archäologen Siedlungs- und Hafenreste ausgegraben. Rostock könnte damit deutlich älter sein als bisher angenommen. 2018 feiert die Hansestadt offiziell 800. Geburtstag. Die Dierkower Ortsbeiräte wollen, dass die neuen Entdeckungen in die Feierlichkeiten eingebunden werden. Erste Ideen gibt es bereits.

Die Stadt prüft, wie Funde beim Stadtgeburtstag präsentiert werden können

Historischer Fund am östlichen Warnowufer

125 Quadratmeter misst der Fundort, an dem Archäologen, Studenten und Ehrenamtler gegraben haben.

Bei den Ausgrabungen wurden unter anderem ein Grundstück mit Feuerstelle und Werkzeuge sowie Teile von Waffen gefunden.

Die Funde am Primelberg stammen aus dem 8. Jahrhundert. Erstmalig urkundlich erwähnt wurde Rostock erst im Jahr 1161.

„Es ist wichtig, dass die Menschen die Wurzeln der Geschichte kennenlernen“, sagt Uwe Friesecke (CDU), Ortsbeiratschef Dierkow Ost/West. Gemeinsam mit Martin Lau (CDU), Ortsbeiratschef Dierkow Neu, hat er Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) per Antrag beauftragt zu prüfen, wie „die neuesten Erkenntnisse der Ausgrabungen am Primelberg in Dierkow im Zuge der Feierlichkeiten zum 800.

Stadtjubiläum thematisiert werden können“.

Mit eigenen Vorschlägen halten sich die Ortsbeiratsvorsitzenden jedoch zurück. „Das sollten wir den Fachleuten überlassen“, sagt Friesecke. Aber sie wollen, dass die Funde nicht in Archiven verschwinden, sondern die Siedlung aus dem 8. Jahrhundert der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Martin Lau wünscht sich eine Hinweistafel oder ein kleines Museum am Primelberg. Friesecke spricht sogar von einem Freilichtmuseum. Aber das ist Zukunftsmusik.

Vom Jubiläum 2018 erhoffen sich Friesecke und Lau, dass auf die Ausgrabungen in den Feierlichkeiten aufmerksam gemacht wird. Für die Dierkower gibt es dazu gute Nachrichten aus dem Rathaus: „In jedem Fall ist es aus unserer Sicht außerordentlich wünschenswert, die Ergebnisse der Ausgrabungen museal zu würdigen“, sagt Stadtsprecher Ulrich Kunze. Drei Möglichkeiten würden derzeit geprüft: Bekommt die Stadt das Archäologische Landesmuseum, könnten die neuen Erkenntnisse dort thematisiert werden. Ansonsten wird es eine Ausstellung zum Jubiläum geben, ein Teil soll den Primelberg behandeln – als Sonder- oder Dauerausstellung. Wo die Ausstellung gebaut wird, sei noch nicht entschieden, so Kunze weiter. Möglich seien Kulturhistorisches Museum und Geschichtswerkstatt im Kröpeliner Tor.

„Im Archäologischen Landesmuseum sollten die Ausgrabungen vorkommen“, sagte Lau, noch bevor er von den Ideen der Stadt wusste. Sie dürften ihn und Uwe Friesecke hoffnungsvoll stimmen, dass die Ausgrabung nicht in Vergessenheit gerät.

Aber was passiert nach dem Jubiläum? „Der Oberbürgermeister möchte, dass das nicht nur im Museum gezeigt wird“, teilt Kunze mit. Am Primelberg solle ein Besuchsort für Schulklassen entstehen – „quasi als Pflichttermin im Rahmen des Unterrichts zur Heimatgeschichte“, sagt Kunze. Für Dierkow wäre das toll, findet Martin Lau. Der Stadtteil „wird von außen immer noch negativ betrachtet“. Dass die Geschichte aber älter als die Plattenbauten sei, werde oft vergessen. Und nun habe sich gezeigt, dass ein Teil sogar älter sei als die Stadt. „Für Dierkow wäre das sehr positiv“, ergänzt Uwe Friesecke.

„Inwieweit die Grabungsergebnisse die Stadtgeschichte verändern, müssen Historiker beantworten“, sagt Kunze. Bisher sei man von zunächst slawischer Besiedlung ausgegangen. Zumindest dahingehend müsste die Geschichte neu geschrieben werden. Weitere Forschungen sind nötig.

Damit, den Ort in der Öffentlichkeit bekannt zu machen, möchte Uwe Friesecke auch die Wissenschaftler motivieren, die Stelle weiter zu untersuchen. Die „nicht eindeutige Entwicklungslinie“, wie es im Antrag an den OB heißt, soll weiter erforscht werden.

Philip Schülermann

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