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Rostock Rostockerin ist neue Generalstaatsanwältin von MV
Mecklenburg Rostock Rostockerin ist neue Generalstaatsanwältin von MV
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06:00 05.08.2019
Christine Busse ist in Rostock geboren und besetzt in ihrer Heimatstadt seit 1. August den Posten der Generalstaatsanwältin. Quelle: Moritz Naumann
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Rostock

Seit dem 1. August hat die Generalstaatsanwaltschaft in Rostock eine neue Chefin. Christine Busse kümmert sich als oberste Leiterin der Behörde um die Prüfung neuer Gesetze, ihrer einheitlichen Umsetzung für das gesamte Land und um Strafsachen in Berufungs- und Revisionsverfahren. Dabei muss die gebürtige Rostockerin weder Stadt noch Haus wechseln – denn bislang war sie bereits als stellvertretende Generalstaatsanwältin aktiv. Sie trägt fortan die Verantwortung für 161 Staatsanwälte und 282 weitere Juristen und Mitarbeiter im Land.

Christine Busse lässt mit ihrem Büro Einblicke in ihre Persönlichkeit zu. Am Fenster stehen zwei Pflanzen – „eine Flamingoblume und eine Schraubenpalme“. Mehr könne sie nicht aufstellen, denn die Räume in der Generalstaatsanwaltschaft seien zu trocken. „Ich habe den grünen Daumen wohl von meinen Eltern geerbt“, sagt die 47-Jährige. Sowohl ihr Vater als auch ihre Mutter kommen aus dem Garten- und Landschaftsbau. Das habe sie geprägt, denn in ihrer Freizeit wendet sich Busse gerne ihrem Garten zu. Das Highlight in jedem Jahr? „Wenn die Erdbeeren reif sind“, verrät die neue Generalstaatsanwältin.

Der Fluch der Digitalfotografie

An den Wänden hängen Naturaufnahmen. „Die Fotos habe ich selber gemacht“, sagt Busse stolz. Zu sehen sind der Kreidefelsen, ein Gletschermotiv aus Island und eine nebelige Impression von der Atlantikinsel Madeira. Gerade im Urlaub greife sie gerne zu ihrer Spiegelreflexkamera – früher jedoch öfter als heute. „Das ist der Fluch der Digitalfotografie“, sagt sie. Denn während man sich damals für ein Motiv noch besondere Mühe gegeben hat, knipse man heute doch viel zu viel. „Und dann muss man ja noch aussortieren.“

Busse ist in Rostock geboren und hat ihre Kindheit auf der Insel Rügen verbracht. Erst für das Studium ist sie wieder zurück in ihren Geburtsort gekommen. „Das war 1991, kurz nach der Wende.“ Das sei ein guter Zeitpunkt gewesen, denn zu DDR-Zeiten war es nicht so einfach, einen Studienplatz im juristischen Bereich zu bekommen. Warum sie sich für Jura entschieden hat? „Ich war mir nicht sicher, ob es das Richtige ist. Ich wollte mich ausprobieren.“ Doch letztlich merkt Busse schnell, dass es passt. „Das mag wohl an meinem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn liegen.“

Erste Station: Dezernat für sexuelle Selbstbestimmung

Nach dem ersten juristischen Staatsexamen im Jahr 1997 und dem zweiten 1999 begann sie als Staatsanwältin in Rostock zu arbeiten. „Ich wollte gerne bleiben. Meine Großmutter lebte da noch in Rostock und es war mir wichtig, Familie in der Nähe zu haben.“ Außerdem sei sie es seit jeher gewohnt gewesen, das Meer in der Nähe zu haben. „Die Hansestadt steht für Internationalität. Man sagt ja, Häfen seien das Tor zur Welt und so fühlt sich das auch an.“

Ihre erste Station in der Staatsanwaltschaft führte sie in das Sonderdezernat für sexuelle Selbstbestimmung. Dort hatte sie es mit den schwersten Fällen von Vergewaltigung und sexuellem Missbrauch zu tun. „Man nimmt die Fälle mit nach Hause und man muss lernen, einen professionellen Abstand zu wahren – vor allem aus Selbstschutz“, sagt Busse. Fünf Jahre kümmerte sie sich um jene Fälle, bei denen vielen der Atem stockt.

Die Herausforderungen des Amtes

2005 wechselt Busse in die Wirtschaftsabteilung, sammelt Erfahrungen in einem vollkommen anderen Bereich und wird schließlich 2011 Oberstaatsanwältin. Seit 2013 ist sie nun bereits die Stellvertreterin von Generalstaatsanwalt Helmut Trost und wird ihre neue Stelle mit einem Erfahrungsvorschuss antreten.

Was die größten Herausforderungen ihres Amtes sein werden? „Es gibt zwei, die besonders herauszuheben sind“, sagt Christine Busse. „Zum einen steht ein großer Generationenwechsel an.“ So werde ein Großteil der derzeit tätigen Juristen bis 2026 in den Ruhestand gehen. „Wir müssen also zwingend Nachwuchs gewinnen, aufbauen und hoch qualifizierte Kolleginnen und Kollegen an die Dezernate heranführen.“ Und zweitens? „Die Einführung der elektronischen Akte.“ Diese werde erst im Zivilrecht und anschließend im Strafrecht eingeführt. Das soll ebenso bis 2026 geschehen, sei aber aufgrund von bürokratischen Hürden eine echte Herausforderung.

Gegen den Personalmangel

Was sie als neue Generalstaatsanwältin ändern möchte? „Es gibt keinen grundsätzlichen Bedarf, etwas zu ändern. Unsere Staatsanwälte und Mitarbeiter arbeiten sehr engagiert – trotz hoher Belastung. Ich werde mich aber stets für eine bedarfsgerechte Personalausstattung der Staatsanwaltschaften einsetzen.“

Die Generalstaatsanwaltschaft von MV

Die Generalstaatsanwaltschaft hat die Fach- und Dienstaufsicht über die vier Staatsanwaltschaften vom Land Mecklenburg-Vorpommern in Rostock, Schwerin, Neubrandenburg und Stralsund.

Dabei ist die Behörde für alle Verwaltungs- und Personalangelegenheiten zuständig. Die Generalstaatsanwaltschaft kümmert sich darüber hinaus um die Strafrechtspflege, vertritt das Land vor den Zivilgerichten und steht in engem Kontakt zu den Generalstaatsanwaltschaften der anderen Bundesländer.

Über das Justizministerium nimmt die Behörde unter anderem Einfluss auf die Gesetzgebungsvorhaben.

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Moritz Naumann

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