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Rostock Dieser Warnemünder hat den schärfsten Job
Mecklenburg Rostock Dieser Warnemünder hat den schärfsten Job
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21:08 24.10.2019
Mit viel Mühe schärft Günter Scarbarth ein Fleischermesser. Quelle: Susanne Gidzinski
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Rostock

Mit beiden Händen hält Günter Scarbarth das Fleischermesser und bewegt es vorsichtig über die Schleifmaschine. Immer wieder lässt er etwas Wasser drüber laufen. „Damit wird verhindert, dass die Klinge überhitzt und sich verfärbt“, erklärt der gelernte Werkzeugmacher. Anschließend fährt er mit dem Finger prüfend über die Schneide. Ist sie glatt und scharf, kann er zum Polieren übergehen.

Auch mit seinen 80 Jahren steht er jeden Tag in seiner Schleiferei am Alten Strom und gibt Messern und Scheren ihre Schärfe zurück. Nicht weil er muss, sondern weil er will. „Die Arbeit macht mir Spaß und ich kann sie gestalten, wie ich Lust habe“, sagt der ehemalige Schiffsingenieur.

Längst ist er zu einer bekannten Größe im Ostseebad geworden und damit einer von wenigen Menschen in der Region, die das Handwerk perfektioniert haben. „20 Jahre mache ich das noch. Mit 100 gehe ich aber in den Ruhestand“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Vom Skalpell zum Küchenmesser

Angefangen habe Scarbarth mit dem Schleifen medizinischer Instrumente. „Meine Frau hat mich auf die Idee gebracht. Sie hat früher in der Klinik gearbeitet und die abgenutzten Utensilien mit nach Hause gebracht“, erinnert er sich. 1990 eröffnete er seine Werkstatt und kurz darauf auch einen Laden für Messer, Scheren und Bestecke.

Vor allem bei den Kreuzfahrttouristen aus aller Welt waren seine Waren beliebt. Regelmäßig kauften sie den Laden leer. Nach den Terroranschlägen auf das World Trade Center am 11. September 2001 war damit aber Schluss. Neue Sicherheitsbestimmungen auf den Ozeanriesen hatten zur Folge, dass scharfe Gegenstände aus den Koffern der Passagiere verbannt wurden. „Von da an sind die Umsätze eingebrochen und ich musste den Laden schließen.“ Seit 2005 widmet er sich hauptsächlich dem Schärfen.

Galerie: So funktioniert das Handwerk

Mit 80 Jahren hat Günter Scarbarth noch immer nicht genug vom Arbeiten. Erst wenn er 100 ist, möchte er in den Ruhestand gehen. Seiner Werkstatt in Warnemünde betreibt er seit 1990.

Saison ist, wenn die Familie zum Kochen kommt

An Aufträgen mangele es ihm nicht. Bis zu fünf Stunden täglich verbringt er in seiner Werkstatt. Am Dienstag und Freitag könne es aber auch ein wenig länger dauern. Dann nämlich bringen Köche, Fleischer oder Hausfrauen ihre stumpfen Utensilien vorbei, um sie fachmännisch aufbereiten zu lassen. Eine Friseuse reise jedes Jahr extra aus dem Harz an. Manche Leute kommen sogar mit einem Großaufgebot. „Ich habe Kunden, die bringen gleich mehrere Messer mit, die sie in der ganzen Verwandtschaft oder ihrem Dorf eingesammelt haben“, berichtet der gebürtige Thüringer.

Am meisten zu tun habe er um Ostern und Weihnachten herum. „Es ist oftmals die Verwandtschaft, die dann zu Besuch ist und über die stumpfen Messer schimpft“, sagt Scarbarth belustigt. Köche wiederum kämen überwiegend vor den Feiertagen, wenn sie ihre Menüs planen und ihre wenigen, dafür qualitativ hochwertigen Messer gespitzt haben wollen.

Zahlreiche Raritäten bewahrt Scarbarth in seiner Werkstatt auf. Quelle: Susanne Gidzinski

Raritäten hinter Scheiben

Doch nicht alle Messer und Scheren, die ihm gebracht werden, lassen sich schleifen oder seien es überhaupt wert, aufpoliert zu werden. Auf den ersten Blick kann er erkennen, ob sich die Mühe lohne oder nicht. Hin und wieder komme es vor, dass er Aufträge ablehnt, weil die Kosten den Wert des Messers übersteigen würden. „Wer will, dass seine Messer und Scheren lange halten, sollte sie regelmäßig schleifen lassen“, sagt der Experte. Ungeschulten rät er aber ab, selbst Hand anzulegen. „Man kann dabei viel falsch und kaputt machen.“

Scarbarth: So bleiben Messer und Scheren scharf

Spülmaschine meiden: „Auch, wenn es manchmal auf der Verpackung geschrieben steht: Scheren und Messer gehören nicht in die Spülmaschine. Dadurch werden sie stumpf. Besser man wäscht sie händisch ab.“

Abtrocknen: „Man sollte stets darauf achten, die Utensilien richtig abzutrocknen. Das lässt sie länger Leben.“

Magnetleiste statt Schublade: „Weil Messer in der Schublade oftmals hin und her rutschen, verlieren sie schneller an Schärfe. Auch Blöcke sind unpraktisch, weil sie schwer zu reinigen sind. Ich empfehle eine Magnetleiste. Damit ist auch die Verletzungsgefahr geringer.“

Richtige Unterlage: „Schneidebretter aus Holz schonen die Klingen am meisten.“

Schleifen: „Damit Messer oder Scheren lange leben, sollten sie regelmäßig geschliffen werden. Für den häuslichen Gebrauch reicht es sie alle zwei Jahre zu schärfen.“

Pflegt man seine Utensilien gut, können sie etliche Generationen überleben. Um das zu verdeutlichen, holt Scarbarth ein uraltes Jagdmesser eines Kunden hervor. 100 Jahre ist es alt und glänzt wie am ersten Tag. „Messer wie diese würde ich am liebsten selbst behalten“, schwärmt er. Doch neidisch muss er nicht sein. In einem Glasregal hinter seiner Poliermaschine verbergen sich zahlreiche schöne und antike Stücke. „Meine Frau schimpft schon, weil ich auf Flohmärkten immer etwas Neues finde“, sagt er und lacht. Seine Leidenschaft sei aber zu groß, als dass er die Finger davon lassen könnte.

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