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Rostock So schmeckt es beim Dinner im Dunkeln
Mecklenburg Rostock So schmeckt es beim Dinner im Dunkeln
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10:16 24.12.2018
Gleich wird’s dunkel: Bevor Bernd Fritsche (58) und Claudia Harms (33) den Gästen ihre Bestellungen bringen, gehen sie durch eine Schleuse. Sie lässt kein Licht mehr in den abgetrennten Bereich des Lokals. Quelle: Sophie Martin
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Rostock

Mit einem Schwung schiebt er den roten Vorhang beiseite und geht rasch durch die dunkle Schleuse. Der Speisesaal kommt näher, das Klirren des Bestecks wird lauter, die Stimmen der Gäste klarer. Dann tritt der blinde Kellner Bernd Fritsche mit seiner Bestellung auf dem Arm in den stockfinsteren Raum. Nur er und seine Kollegin Claudia Harms können sich hier beim „Dinner in the Dark“ (Essen im Dunklen) orientieren.

Rechter Arm auf die rechte Schulter, so geht es für die Gäste im Gänsemarsch in den abgetrennten Bereich. Im Winter wird das Rostocker Restaurant „Plan B“ zwei Mal im Monat für das „Dinner in the Dark“ umgebaut. Unter den Besucher sind dieses Mal auch Christiane Tilp und Sigrid Mittag, zwei Schwestern aus Ludwigslust-Parchim. Knapp 30 Gäste wollen sich auf die kulinarische Reise begeben. „Ob sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnen werden?“, fragt sich die 59-Jährige Christiane Tilp, kurz bevor es rein geht.

Geschärfte Sinne beim dunklen Dinner

Um sich selbst und andere nicht zu gefährden, weist Koordinatorin Carolin Dröse die Gäste ein: Keiner darf unangekündigt den Platz verlassen. Taschen gehören auf den Schoß oder werden unter die Stühle geschoben. Lichtquellen wie Handys sind verboten. „Für Claudi und Bernd muss immer alles gleich stehen“, erklärt die 28-Jährige. Jede Ecke und Kante hat sich in das Gedächtnis der beiden Kellner gebrannt. Licht ist für sie nichts, was sie zum Sehen brauchen.

Der Sprung ins Ungewisse: Wer beim „Dinner in the Dark“ mitmacht, der sucht auch Nervenkitzel. Ist es erst einmal völlig duster, werden die restlichen Sinne geschärft. Das rufe bei den Gästen die unterschiedlichsten Reaktionen hervor: „Manche fangen an, sich anzuschreien“, erzählt Kellnerin Harms. Von Angstattacken über Heiratsanträge habe sie zusammen mit „Berni“, so wird Fritsche von seinen Kollegen liebevoll genannt, in elf Jahren alles erlebt. Wer mitmachen will, der sollte „auf keinen Fall Platzangst haben und der muss vertrauen“ können, sagt sie.

Kuriose Kombi: Sauerkraut und Minze

Ziel des Abends ist es, zu erschmecken, was auf dem Teller liegt. „Heute gibt es Lachsfilet mit cremiger Cheddar-Sauce“, erzählt Mitarbeiterin Dröse. Die Besucher können zwischen einem Fleisch-, Fisch- oder vegetarischen Gericht wählen. Die Kombi: Immer etwas Außergewöhnliches. „Die Gäste sollen schließlich etwas zum Grübeln haben“, sagt Küchenleiterin Karin Wendt, die den Gästen auch mal gerne Sauerkraut mit Minze serviert. Die Mahlzeit im Dunkeln soll schließlich ein „Abenteuer, ein Erlebnis“ sein, sagt Wendt.

Als das Licht im Raum an geht, ist die Euphorie der Besucher spürbar. „Ich hätte wetten können, ich hatte Thunfisch“, sagt Heiko Knüppel aus Malchow. „Und der Raum sieht ganz anders aus, als gedacht“, stellt er fest. Draußen an der Bar stehen auch Christiane Tilp und Sigrid Mittag. Dass sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnen und man doch etwas sieht, das passiere nicht, berichten sie und loben die Arbeit der Kellner: „Es ist einfach beeindruckend, wie sie das machen.“

Sophie Martin

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