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Rostock Dreckig und dennoch gern gesehen: Der schwarze Glücksbringer
Mecklenburg Rostock Dreckig und dennoch gern gesehen: Der schwarze Glücksbringer
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07:03 06.08.2019
Hoch auf dem Dach: Als frischgebackene Gesellen dürfen die elf neuen Schornsteinfeger MVs zum ersten Mal Zylinder tragen. In feierlichem Rahmen wurden sie vergangenen Freitag freigesprochen. Quelle: Christian Lohf
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Güstrow

Eine Kugel an einer Leine und einem Besen daran ziert den rechten Arm von Felix Göbel (23). Das Tattoo zeigt das ehemals typischste Werkzeug eines Schornsteinfegers. Für den jungen Güstrower verkörpert es seine Liebe zum Beruf, denn er ist Junggeselle in dem alten Traditionshandwerk – seit vergangenem Freitag.

Bewerbung aus der Not heraus

„Die Entscheidung vor drei Jahren für diese Berufsausbildung war eigentlich nur eine Notlösung“, gesteht Göbel. Nach dem Abitur arbeitete er zunächst in einer Bar und ist viel gereist – der Drang, in das Berufsleben einzusteigen, war nicht besonders groß. „Ein Kumpel, der dann mein Lehrgeselle wurde, meinte, der Job wär was für mich. Also habe ich mich bei Schornsteinfeger Hans-Dieter Murr in Güstrow beworben“, erzählt der 23-Jährige. Mit seiner langjährigen Zugehörigkeit zur freiwilligen Feuerwehr hatte er die besten Voraussetzungen: „Früher war es sogar Pflicht als Schornsteinfeger, bei der Feuerwehr zu sein, heute ist es noch gern gesehen. Ich kannte mich zum Beispiel im Vorfeld mit Höhe aus“, erklärt Göbel.

Drei bis vier Monate habe es gedauert, bis der heutige Junggeselle wirklich Spaß an seiner Arbeit gefunden hatte. „Der Gedanke, dass ich nun ein und dasselbe bis zu meinem Lebensende tun muss, war schwierig“, schmunzelt der Güstrower etwas über sich selbst. Allerdings hatte er nicht viel Zeit zum Nachdenken, denn in der Ausbildung wurde er gleich zu Beginn in allen Bereichen ins „kalte Wasser“ geschmissen. „Nur an die höchsten und steilsten Dächer wurde ich langsam herangeführt“, berichtet Göbel und fügt hinzu: „Höhenangst sollte man als Schornsteinfeger jedenfalls nicht haben.“

Schornsteinfeger als Energiespezialist

Heute denke er gar nicht mehr darüber nach, den Job zu wechseln. Der aufgeschlossene, junge Mann finde es toll, alle 15 bis 30 Minuten in eine andere Wohnung zu kommen und neue Leute zu treffen: „Ich bin ein sehr neugieriger Mensch und mag es, Eindrücke von Wohnräumen zu sammeln. Trotzdem wahre ich natürlich die Schweigepflicht“, betont er. Außerdem liebe er die Aussicht von den Dächern. Dabei muss er gar nicht mehr so oft in schwindelerregende Höhen, wie es das Handwerk in früherer Zeit verlangte, denn die Aufgabenbereiche der Schornsteinfeger haben sich in den vergangenen Jahrzehnten stark gewandelt. „Wie oft man klassisch Schornsteine fegen muss, kommt auf den Bezirk an, in dem man arbeitet. Im ländlichen Bereich MVs kommt das aber schon noch öfter vor“, erklärt der 23-Jährige.

Felix Göbel (23) aus Güstrow trägt seinen Anzug mit ganzem Stolz. Kehrbesen und Leine mit Bürste sind auch heute noch Bestandteil der Ausrüstung einer Schornsteinfegers. Quelle: Maria Baumgärtel

Ansonsten sind Schornsteinfeger regelrechte Energiespezialisten: Von Messungen an Heizungen, über Lüftungsüberprüfungen, Installationen und Wartungen von Rauchmeldern bis hin zum Erstellen von Energieausweisen gehört alles zum Alltag eines Schornsteinfegers. „Der Brand- und Umweltschutz spielt eine enorme wichtige Rolle. Alle Gesetze und Verordnungen zu verinnerlichen, ist deshalb auch Bestandteil der Ausbildung“, berichtet Göbel. So müssen auch Messungen nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz durchgeführt werden, um beispielsweise zu kontrollieren, wie hoch der CO2-Gehalt ist, den der Schornsteinrauch enthält. Hinzu kommt, dass Schornsteinfeger im Hinblick auf energetische Sanierungen beraten und diese auch planen. „Mein Job ist durchaus anspruchsvoll“, fasst der Güstrower lächelnd zusammen.

Schmutzige Arbeit und positive Blicke

Das typische Aussehen blieb den Schornsteinfegern aber erhalten: schwarzer Kehranzug mit goldenen Knöpfen, Gürtel mit goldener Schnalle und Zylinder. Göbel trägt den Anzug mit Stolz, auch wenn er lachend zugibt, dass er bei 30 Grad keine Lust mehr hat, ihn anzuhaben, denn der Stoff ist dick und robust. Schließlich soll der Anzug vor Ruß schützen, ebenso wie das weiße Tuch, das der Schornsteinfeger um den Hals trägt und sich bei Bedarf über den Mund ziehen kann. Auch wenn die Arbeit mit Ruß seltener geworden ist, gibt es Tage, an denen der 23-Jährige richtig schwarz nach Hause kommt und ordentlich schrubben muss, wie er erzählt. Auch jetzt reibt er sich seine schwarzen Hände, obwohl er außer Dienst ist. „Das kommt nur vom Anziehen des Anzugs“, versichert er grinsend.

Ob er oft als Glücksbringer wahrgenommen wird? „Ja, der Aberglaube ist noch weit verbreitet“, bestätigt der Junggeselle. Dass ihm Leute über die Schulter streifen oder seine Knöpfe reiben, kommt mehrmals am Tag vor. Bei Kundschaft höre er oft, „ah, der Glücksbringer kommt“, oder Eltern raunen ihren Kindern auf der Straße zu: „Guck mal, ein Glücksbringer!“ „Man erntet jedenfalls viele positive Blicke und kommt immer gut ins Gespräch“, freut sich Göbel.

Felix Göbel (r.) bekam vergangenen Freitag in Klein Schwaß bei Rostock seinen Gesellenbrief überreicht. Quelle: Christian Lohf

Zylinder ist ganzer Stolz

Seit vergangenem Freitag ist er freigesprochen, wie es im Handwerksjargon heißt. Das bedeutet, der Güstrower ist aus dem Lehrlingsdienst seines Meisters entlassen und nun Geselle – der beste seines Jahrgangs. In feierlichem Rahmen wurden ihm und zehn weiteren Schornsteinfegergesellen aus MV in Klein Schwaß bei Rostock, wo die Schornsteinfeger-Innung MV ihren Sitz hat, die Gesellenbriefe übergeben – und der Zylinder. „Als Lehrling darf man nur eine Kappe tragen. Wenn man zum Gesellen aufsteigt, bekommt man den Zylinder vom Meister als Zeichen, nun in diesem Beruf arbeiten zu dürfen“, erklärt der Junggeselle und dreht dabei stolz seinen Zylinder in der Hand.

Jetzt möchte Göbel erstmal in seinem Beruf arbeiten und Geld verdienen – mindestens zwei Jahre, wie er sagt. Dann hat er vor, berufsbegleitend seinen Meister in Angriff zu nehmen. „Dann kann ich vielleicht auch irgendwann einem Junggesellen seinen ersten Zylinder überreichen“, meint der junge Schornsteinfeger abschließend.

Maria Baumgärtel

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