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Rostock Drogendealer zunehmend an Schulen aktiv
Mecklenburg Rostock Drogendealer zunehmend an Schulen aktiv
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05:50 25.06.2018
Kokain – die Droge der gutsituierten Gesellschaft. Quelle: Christian Charisius/dpa
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Rostock/Stralsund

In MV wird immer häufiger ein Mix an Drogen genommen. „Konsumenten, die ausschließlich einen Suchtstoff nutzen werden immer seltener“, teilte die Landeskoordinierungsstelle für Suchtfragen (Lakost) mit. So werde etwa Cannabis als Downer als nach aufputschenden Uppers wie Speed genommen, um wieder herunterzukommen, und Alkohol werde mit fast allen Drogen kombiniert.

Zwar seien Alkoholprobleme nach wie vor der häufigste Grund, warum sich Menschen an die Koordinierungsstelle wenden würden. Gleichzeitig steige aber die Zahl derer, die andere Drogen konsumierten, seit Jahren kontinuierlich an. Auch die polizeiliche Kriminalstatistik erfasst mehr Fälle von Rauschgiftkriminalität. Während etwa 2012 noch 4400 Fälle verzeichnet wurden, waren es fünf Jahre später bereits annähernd 6000.

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Kapazitäten für Beratung genügen nicht

Den Hang zu verschiedenen Drogen nimmt auch Suchttherapeutin Cathleen Spröte von der Jugendsuchtberatungsstelle Chamäleon Stralsund wahr. Vergangenes Jahr habe sich die Einrichtung um 141 Menschen gekümmert und 804 Beratungsgespräche geführt, sagte sie vor dem Internationalen Tag gegen Drogenmissbrauch am Dienstag. „Hätten wir mehr Kapazitäten, würden wahrscheinlich auch mehr Menschen kommen“, sagt Spröte.

Dabei meldeten sich die meisten Klienten wegen Cannabis- (44) oder Alkoholproblemen (39). Zwar seien die körperlichen Schäden einer Alkoholabhängigkeit schlimmer, dennoch dürfe Cannabis nicht unterschätzt werden. Und auch härtere Drogen spielten eine Rolle: „Wir haben in dieser kleinen Stadt viele Menschen, die Heroin konsumieren.“

Eine offene Drogenszene wie in anderen Großstädten gibt es laut Polizei in den größeren Städten des Landes zwar nicht, dennoch seien viele Dealer aktiv: „Prinzipiell kann eingeschätzt werden, dass alle Drogenarten in Rostock für denjenigen verfügbar sind, der daran interessiert ist“, sagt ein Sprecher der Rostocker Polizei. Dabei werde in besser gestellten Kreisen vor allem Kokain konsumiert. „Illegale Drogen sind in der Breite der Gesellschaft angekommen“, so die Einschätzung der Polizei.

Dealer zunehmend an Schulen aktiv

„Mein Gefühl sagt mir, dass wir es mit immer jüngeren Kleindealern und Konsumenten zu tun haben“, erzählt Tom Sperling, Chef der Schweriner Kripo. Zunehmend gebe es auch Hinweise, dass im Umfeld von Schulen gedealt wird. Dabei gebe es zwar keine Hotspots, dennoch erschwerten manche Schulen die Zusammenarbeit, weil sie um ihren Ruf fürchten, schätzt Sperling. Immer jüngere Menschen mit Drogenproblemen nimmt auch Spröte wahr: „Viele zeigen schon vor 18 Symptome einer Abhängigkeit“, erzählt sie.

Von Seiten der Rostocker und Schweriner Polizei heißt es zudem, dass analog zur steigenden Zahl der Ausländer innerhalb der Bevölkerung, diese auch immer häufiger in Drogengeschäfte verwickelt seien. Außerdem werde der Trend beobachtet, dass Amphetamine anonym über das Internet bestellt werden. „Da kann man nicht vom ,Dealer seines Vertrauens’ sprechen“, sagt Stefan Baudler von der Rostocker Polizei. Die Konsumenten könnten so auch nicht einschätzen, ob die Drogen gestreckt seien.

Marek Majewsky

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