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Rostock „Druschba“: Wie Rostocks Hafen vom Pipeline-Chaos profitiert
Mecklenburg Rostock „Druschba“: Wie Rostocks Hafen vom Pipeline-Chaos profitiert
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17:34 05.07.2019
Große Tanker sind wieder vermehrt zu Gast im Rostocker Seehafen. 2010 beispielsweise brachte die „Elisabeth Knutsen“ 80 000 Tonnen Rohöl aus Russland in die Hansestadt (Archivbild). Quelle: Bernd Wüstneck/dpa
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Rostock

Am Donnerstag haben die Verantwortlichen einer der größten Raffinerien Deutschlands erneut den Hahn zugedreht: Zum wiederholten Male hatten die Fachleute bei PCK in Schwedt an der Oder Verunreinigungen im Rohöl aus Russland festgestellt. Das Drama um die „Druschba“ (zu deutsch: Freundschaft), die 5000 Kilometer lange Öl-Pipeline zwischen Sibiren und Brandenburg, geht also weiter – und der große Gewinner ist Rostock: Denn das Rohöl für Schwedt wird nun über Deutschlands größten Ostseehafen importiert und bringt dem Hafenbetreiber Rostock Port ein sattes Umschlagsplus im ersten Halbjahr 2019 ein.

800 000 Tonnen Öl für den Osten

Kleinere Tanker legen immer mal wieder in Rostock an: „Sie transportieren Diesel, Benzin und andere Öl-Produkte“, sagt Gernot Tesch, einer der beiden Geschäftsführer bei Rostock Port. Doch die großen Rohöl-Tanker, die das „schwarze Gold“ von den Ölfeldern in Russland oder im Nahen Osten nach Europa bringen, waren zuletzt eher selten zu Gast im Seehafen. „Es gibt schon seit DDR-Zeiten eine Pipeline zwischen dem Seehafen und Schwedt. Doch die vergangenen fünf Jahre wurde die nicht mehr genutzt“, so Tesch. Erst Anfang Mai – nachdem bereits knappe vier Wochen lang kein verunreinigtes Öl mehr aus der „Druschba“ abgenommen werden konnte – wurde die Seehafen-Leitung wieder in Betrieb genommen.

Die Geschäftsführer von Rostock Port, Gernot Tesch (links) und Jens Scharner, blicken auf ein durchwachsenes erstes Halbjahr zurück. Quelle: Andreas Meyer

„Elf Tanker haben uns seitdem angelaufen und Rohöl geliefert“, sagt Jens Scharner, der zweite Geschäftsführer von Rostock Port. Insgesamt 800 000 Rohöl gingen in der Hansestadt über die Kai-Kanten. „Die PCK hat jahrelang die Pipeline zu uns unterhalten – für genau diese Fälle. Wir sind ein Universalhafen und können in solchen Situationen schnell reagieren“, so Scharner. Rostock habe sich als Öl-Importhafen in der „Druschba“-Krise gegen Konkurrenten aus Polen durchgesetzt. Nach dem erneuten „Ausfall“ der Öl-Versorgung auf dem Landweg könnten nun noch mehr Tanker Kurs auf die Hansestadt nehmen.

Konjunktur trifft den Hafen

Insgesamt 13,3 Millionen Tonnen wurden bis Ende Juni im Seehafen umgeschlagen – ein Plus von 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. „Wir sind zufrieden“, sagt Scharner. Anlass zur Euphorie und zum Träumen von neuen Umschlagsrekorden gäbe es aber nicht. Im Gegenteil: „Wir haben jetzt eine lange Phase des wirtschaftlichen Wachstums hinter uns. Doch nun spüren wir eine deutlich Abkühlung der Konjunktur“, so Scharner. Der deutlichste Indikator: Erstmals seit Jahren gibt es Einbrüche im Fähr-Geschäft. 193 000 Lastwagen wurden im ersten Halbjahr auf die Schiffe nach Schweden, Dänemark und Finnland verladen – 6,5 Prozent als noch zwischen Januar und Juni 2018. „Das zeigt uns, dass weniger hochwertige Güter im- und exportiert werden“, erklärt Gernot Tesch.

Noch deutlicher fällt das Minus im Papiergeschäft aus: Statt 416 000 Tonnen (2018) wurden nur noch 352 000 Tonnen im Seehafen umgeschlagen. „Zwei kleinere Kunden haben Rostock verlassen. Ein Papier-Händler ist nach Lübeck gewechselt“, so Tesch. „Die Großkunden bleiben uns aber treu.“

Zuwächse hingegen gibt es beim Umschlag von Weizen (plus 130 000 Tonnen) und Kohle (plus 147 000 Tonnen). Dass gerade der so genannten Massengut-Bereich mit Öl, Kohle und Getreide zulegt, sei ein weiterer Beleg für die Notwendigkeit der geplanten Seekanalvertiefung: „Wir brauchen mehr Tiefgang, um noch größere Schiffe bei uns abfertigen zu können“, sagt Scharner. Sein Co-Chef ergänzt: „Wir haben im ersten Halbjahr unsere Stärke als Universalhafen bewiesen. Wenn ein Geschäft schwächelt, können wir in anderen Segmenten dennoch wachsen.“

Hafen und Reedereien investieren in Zukunft

15 Millionen Euro hat allein Rostock Port seit Jahresbeginn in die Zukunft des Seehafens investiert: So wird der Liegeplatz 23 im Schüttguthafen saniert – und fit gemacht für bis zu 270 Meter lange Schiffe, unter anderem für Kohlefrachter. Das Hafenbecken wird dafür zudem ausgebaggert – auf eine Tiefe von 16,50 Metern. Auch zwei Fähranleger werden aktuelle umgebaut. Ebenfalls für noch größere Schiffe. In Warnemünde läuft zudem der Bau eines neuen Kreuzfahrtterminals, dass 2020 eröffnet werden soll.

Scandlines überlegt, die Hybrid-Fähren auf der Route Gedser-Rostock (hier die „Copenhagen“) künftig mit Windkraft anzutreiben. Quelle: Frank Söllner

Doch auch die Reedereien investieren: Scandlines beispielsweise will seine beiden Hybrid-Fähren auf der Linie Rostock-Gedser noch umweltfreundlicher machen. „Wir überlegen, so genannte Rotorsegel auf den Fähren zu installieren“, sagt Scandlines-Chef Heiko Kähler. Diese Flettner-Rotoren sollen Windkraft nutzen, um die „Copenhagen“ und die „Berlin“ anzutreiben. „Wir könnten so bis zu fünf Prozent Treibstoff sparen“, verrät Kähler.

Andreas Meyer

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