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Rostock Dumpinglöhne? Rostocker OB-Kandidat Madsen in der Kritik
Mecklenburg Rostock Dumpinglöhne? Rostocker OB-Kandidat Madsen in der Kritik
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09:50 03.05.2019
Protest gegen Claus Ruhe Madsen: Gewerkschaften werfen dem OB-Kandidaten Lohndumping in seinem Möbel-Handel vor. Quelle: Facebook
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Rostock

Das große Protestbanner – es war das Thema bei den Kundgebungen zum 1. Mai in Rostock: Gewerkschaften und die Nachwuchsorganisationen von SPD und Linken haben erstmals öffentlich massive Kritik am parteilosen Oberbürgermeister-Kandidaten Claus Ruhe Madsen geübt. Sie werfen dem Unternehmer, der von CDU und FDP unterstützt wird und dem unter anderem „Möbel Wikinger“ gehört, Lohndumping in seinen Unternehmen vor. Madsen räumt auf OZ-Nachfrage ein, dass er keinen Tariflohn für seine Beschäftigten zahle. Das könne sich sein Unternehmen nicht leisten.

„Er hat eine Vorbildfunktion“

„Solidarität mit der Belegschaft von Möbel Wikinger! Keine Stimme für Lohndumping“ war in großen Lettern auf dem Banner zu lesen, das junge Gewerkschafter und Politiker vor der Kundgebungsbühne auf dem Kastanienplatz entrollten. Oben – auf dem Podium – hatten die OB-Kandidaten Platz genommen. Für den Protest zeichnen die Jugendorganisationen der Gewerkschaften Verdi und IG Metall sowie der SPD und der Linken verantwortlich.

Das sagt Tom Lüth, Vorsitzender der Rostocker Jusos: „Wir haben von Kollegen erfahren, dass Claus Ruhe Madsen keinen Tariflohn zahlt – und wir waren als Jugend-Aktionsbündnis der Meinung, dass dies am 1. Mai Thema sein sollte.“ Lüth weiter: „Jemand, der Rostocks Oberbürgermeister werden will, sollte sich zu fairen Löhnen bekennen. Schließlich scheinen Madsens Unternehmen ja zu florieren.“

Das sieht Detlev Follark, Bezirksgeschäftsführer der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, ganz genauso: „Wir wissen, dass bei ,Möbel Wikinger’ und den anderen Firmen von Claus Ruhe Madsen kein Tarifvertrag gilt – auch kein hausinterner. Und es gibt in dem Möbelhaus auch keinen Betriebsrat, keine Personalvertretung.“ Das ist gesetzlich aber auch nicht vorgeschrieben.

Verdi aber erwarte von Unternehmern, die hohe öffentliche Ämter bekleiden wollen, dass sie auch in ihren Firmen eine Vorbildfunktion ausüben: „Und da gehören für uns faire Tarife und Löhne für die Mitarbeiter einfach dazu.“ Leider, so sagt es Follak, sei Madsen aber keine Ausnahme im Einzelhandel in MV: „Viele Händler zahlen nur Mini-Löhne und zusätzliche Verkaufsprovisionen.“

Verdi fürchtet aber auch für Rostock nichts Gutes, sollte Madsen OB werden: „Er hat öffentlich mehrfach deutlich gemacht, dass er von einer flächendeckenden Tarifbindung nicht viel hält. Unsere Befürchtung ist, dass er versuchen wird, kommunale Versorger wieder in private Hände zu geben“, so Follak. Belegen kann er das aber nicht.

Mehrere hundert Euro weniger

Nach OZ-Informationen verdienen die Mitarbeiter bei Möbel Wikinger im Durchschnitt mehrere hundert Euro weniger als ein erfahrener Verkäufer im Einzelhandel, der nach dem Tarif bezahlt wird. Laut der Gehaltsgruppe 3 des Entgeltvertrages für den Einzelhandel MV erhält ein Verkäufer mit sieben oder mehr Berufsjahren zum Beispiel knapp 2900 Euro brutto.

Madsen reagierte auf OZ-Anfrage gelassen auf die Kritik: „Wir sind kein Ausnahmebetrieb, was die Gehälter angeht – weder im positiven noch im negativen Sinne“, sagt er. Ja, er habe keinen Tarifvertrag für seine Mitarbeiter. Das sei aus seiner Sicht aber „normal“: „Wir sind eine kleine Firma mit 39 Mitarbeitern.“

Den landesweiten Tarif könne sich das Unternehmen nur schwer leisten. „Aber wir bieten unseren Angestellten Zusatzleistungen – Kita-Zuschüsse für Eltern zum Beispiel, kostenlose Getränke, Boni bei guten Aktionen und Verkäufen.“

Er beschäftige auch einen Mitarbeiter, der „nur“ den Mindestlohn erhalte. „Wir brauchen in kleinen Betrieben keine Gewerkschaft. Wir reden mit unseren Mitarbeitern. Ein Tarif macht es in schweren wirtschaftlichen Zeiten nur schwieriger.“ Denn vom Tarif dürfe er dann auch in schlechten Zeiten nicht abweichen. „Die Konsequenz ist dann oft, dass eine Firma schließen muss.“ Den Sinn und Zweck von Gewerkschaften stellt Madsen aber nicht infrage: „Sie sind für die großen Themen sehr wichtig.“

Ja, seine Firma verkaufe hochwertige Möbel – keine Billigware. Aber: Jeder Händler stehe jeden Tag unter Kostendruck. „Geiz ist für viele Kunden leider immer noch geil.“

Eines finde Madsen unfair: Bevor mit dem Finger auf ihn gezeigt werde, sollten die Gewerkschaften auch mal den Blick auf die Ausbildungsvergütung bei städtischen Arbeitgebern richten. „Auch dort ist vieles verbesserungsfähig.“

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