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Rostock Ein Riese auf Reisen: „Global Dream“ nimmt Kurs auf Wismar
Mecklenburg Rostock Ein Riese auf Reisen: „Global Dream“ nimmt Kurs auf Wismar
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20:33 22.11.2019
Der Kasko des gigantischen Schiffskörpers der künftigen "Global Dream" hat das Dock in Warnemünde am Freitagabend verlassen und macht sich auf den Weg in die Werft nach Wismar. Quelle: Sebastian Krauleidis
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Warnemünde

Mit einer Geschwindigkeit von nur einem Meter pro Minute ist am Freitag der gigantische Schiffskörper des künftig größten Kreuzfahrtschiffes der Welt aus der Werfthalle ausgedockt worden. Es ist einer der kniffligsten Aufträge, die die Werft in Warnemünde je zu bewältigen hatte. Etwa neun Stunden hat allein das Ausdocken gedauert – ein Schauspiel in Zeitlupe. Auf der gegenüberliegenden Seite der Warnow haben in Hohe Düne etwa 100 Schaulustige das Spektakel verfolgt, auch in Warnemünde selbst standen überall an den Kaikanten Menschen, die Abschied von dem Giganten nehmen wollten, der nun in die Werft nach Wismar überführt wird.

Dock wurde schon Donnerstag geflutet

Fortbewegen kann sich der 57 Meter hohe Koloss nur mit Schleppern, nötig sind dafür gleich sechs. Doch bevor die Schlepper ran müssen, kommen Winden zum Einsatz. Die bewegen die Stahlseile, die den Koloss aus dem Baudock ziehen. Damit der Koloss genug Wasser unterm Kiel hat, ist das Dock bereits seit Donnerstag geflutet worden. Fertigungsleiter Tomas Marutz schaut sich die Winden an. Am Vormittag ist er noch zuversichtlich: „Zwischen 14 bis 16 Uhr wollen wir draußen sein“, sagt er. Doch es wird ein bisschen später. Kurz nach 17 Uhr ist die „Global Dream“ ausgedockt und innerhalb weniger Minuten auch gedreht, sodass sie zur Warnemünder Mole gezogen werden kann. Das Docktor wird wieder geschlossen, das Wasser herausgelassen. Vier Pumpen sind laut Vermesser Stefan Schubert dafür im Einsatz.

Schlepper sind Dreh- und Angelpunkt

Sie sind die Dreh- und Angelpunkte des spektakulären Transports – sechs Schlepper manövrieren den Koloss aus dem Baudock in Warnemünde und entlang der Ostseeküste nach Wismar. Der Rostocker Kapitän Siegfried Kempe hat die Aktion am Simulator mit vorbereitet und die Fahrzeuge ausgesucht, die dafür nötig sind. Aufgeregt ist er nicht: „Das ist eine ganz normale Assistenz“, sagt er gelassen. Wie bei anderen Aufträgen auch würden die Schlepper „ein Stück Eisen ohne Antriebe“ durchs Wasser bugsieren. Die werden in der Fachsprache ‚Kasko‘ genannt. Dieser Kasko sei eben nur etwas größer als sonst.

Beim Ausdocken aus der Warnemünder Werft müssen die Schlepper vor allem dafür sorgen, dass sich der Mega-Block beim Herausziehen aus dem Baudock nicht irgendwo verhakt. Genug Erfahrung haben die Crews. Schon riesige Offshore-Plattformen sind aus der Werft geholt worden – zuletzt 2017.

Nur ein Schlepper zieht den Koloss bis nach Wismar

Laut Fertigungsleiter Tomas Marutz haben das Herausziehen aus dem Dock zunächst Winden übernommen, die die Stahlseile in Bewegung setzen. Draußen übernehmen dann die Schlepper das Drehen in die richtige Position. Und beim eigentlichen Transport wird nur ein Schlepper den Koloss vorne ziehen, die anderen begleiten ihn, um im Notfall eingreifen zu können.

Ihre Kommandos erhalten die Schlepper-Crews vom Werftkapitän und von erfahrenen Nautikern. Sie befinden sich an Bord des Mega-Blocks. Sie sind die Hauptakteure und das sogenannte Brückenteam, das über Monitore aufmerksam verfolgt, wo und wie sich das Mega-Bauteil gerade im Wasser befindet. Informationen dazu bekommen sie von Sensoren, die ein hochgenaues Positionssystem versorgen. Sie geben die genaue Lage an und mögliche Hindernisse am Meeresboden – die so umsteuert werden können. Bei optimalen Bedingungen beträgt die Transferzeit bis vor die Insel Poel in der Wismarbucht rund sieben Stunden.

Fahrrinne in Wismar ist der schwierigste Teil

Auch ein Lotse ist beim Ausdocken mit an Bord – für den sicheren Transport durch den Seekanal. Hat das Mittschiff Warnemünde hinter sich gelassen, geht der Lotse wieder von Bord. Erst kurz vor Wismar kommt wieder ein Lotse dazu. „Hier befindet sich auch der schwierigste Abschnitt der Tour – die Wismarer Fahrrinne“, erklärt Siegfried Kempe. Das Brückenteam und die Schlepper müssen den Koloss genau in der Mitte halten und ein Abtreiben verhindern. „Das ist ein nautischer Leckerbissen“, sagt der Kapitän. Der Wind sei auch eine Herausforderung. Doch die vorausgesagten Windstärken zwei bis drei seien ideal.

Historischer Lotsenschoner „Atalanta“ begleitet den Koloss

Ein Ereignis wie die Überführung des riesigen Schiffskörpers von Warnemünde nach Wismar – das ist auch für die Crew der „Atalanta“ etwas Besonderes. Der historische Lotsenschoner ist während der Überfahrt als Begleitboot im Einsatz und verpflegt Werftmitarbeiter, bis der Kasko – das Mittschiff – in Wismar eingetroffen ist.

18 Gäste werden an Bord aufgenommen, um die sich die siebenköpfige Crew kümmert. „Sobald der Kasko mit den sechs Schleppern vorbeigezogen wurde, ging es für uns los“, sagt Kapitän Wolfgang Linke. „Das ist eine einmalige Sache für uns“, berichtet auch Crewmitglied Wolf Lau. Die „Atalanta“ und der „Global“-Koloss werden am Samstagnachmittag in der Wismarbucht erwartet.

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Von Kerstin Schröder und Michaela Krohn

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