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Rostock Eine Ausbildung mit Tiefgang an der Uni Rostock
Mecklenburg Rostock Eine Ausbildung mit Tiefgang an der Uni Rostock
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16:11 21.02.2019
Bei der Wechselatem-Übung teilen sich zwei Taucher eine Sauerstoffmaske. Quelle: Universität Rostock / Gerd Niedzwiedz
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Rostock

 Ein letztes Mal tief Luft holen und dann heißt es abtauchen. Eine halbe Bahn schwimmen die Kursteilnehmer unter Wasser. Das Besondere dabei: am Ende tauchen sie alle mit gefesselten Händen wieder auf. „Das sieht auf dem ersten Blick merkwürdig aus, ist aber eine gute Übung“, meint Dr. Gerd Niedzwiedz, Leiter der Forschungstaucherausbildung an der Universität Rostock. Im 50 Meter Becken der Neptun-Schwimmhalle üben die Studenten das Binden von zwei unterschiedlichen Seemannsknoten. „Manchmal muss man eben kreativ werden, um solche Grundkenntnisse zu vermitteln. Was an Land gut klappt, muss nicht zwangsläufig unter Wasser funktionieren.“

Seit 1959 wird an der Universität Rostock für die Wissenschaft getaucht. Vergangenen Montag ist der 25. Kurs gestartet. Insgesamt zehn Teilnehmer, davon vier Frauen, absolvieren das umfangreiche Programm. „Die Ausbildung ist intensiv und breit gefächert. Am Ende muss das Wissen in den Bereichen Technik, Medizin, Recht und Geschichte im Schlaf beherrscht werden“, sagt Anna-Lucia Buer. Die 31-Jährige ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Leibniz-Institut für Ostseeforschung in Warnemünde und hat die Prüfung zum Forschungstaucher bereits im letzten Jahr absolviert. Heute ist sie sehr froh, dass sie sich dazu entschieden hat: „Damit kann ich Anlagen unter Wasser aufbauen und Proben entnehmen.“

240 Stunden Ausbildung in acht Wochen

„Wir bereiten die Studenten auf alle Eventualitäten vor. Bei einem echten Einsatz bleibt oft nur wenig Zeit zum Reagieren – falls Probleme auftreten“, berichtet Niedzwiedz. Ob Tauchen mit einer Signalleine, einem Telefon oder Vollmaske. Das gesamte Handwerk wird von Grund auf geübt. Acht Wochen dauert die Ausbildung. Das sind 240 Stunden in denen die Teilnehmer sowohl die Theorie lernen, als auch praktische Erfahrungen sammeln. Dazu gehöre ebenfalls ein Test in einer Druckkammer vom Marinestützpunktkommando Warnemünde-Hohe Düne. Damit könnten physikalischen Effekte demonstriert werden. „Ab einer simulierten Tiefe von 50 Metern verändert sich die menschliche Stimme. Sie wird ganz piepsig“, veranschaulicht Niedzwiedz. Gleichzeitig müssen die Teilnehmer Rechenaufgaben lösen. „Ab 30 Metern tritt ein sogenannter Tiefenrausch ein. Man fühlt sich, als hätte man drei Martinis getrunken, nur ohne die Kopfschmerzen.“ Dabei gehe es teilweise sehr lustig zu. Wichtig sei die Übung vor allem, um zu testen, wie belastbar die Studenten sind.

Zehn Teilnehmer proben den Einsatz in der Ostsee. In 240 Stunden lernen die Teilnehmer die Theorie und sammeln praktische Erfahrungen. Am Ende müssen sie eine zweitägige Prüfung bestehen.

Aktuell trainieren die Forscher noch in der Neptun-Schwimmhalle. Jeden Morgen pünktlich um sechs Uhr machen sie den ersten Sprung ins Wasser. „Das ist eine ganz schöne Herausforderung und verlangt einiges von uns ab. Man muss immer voll konzentriert sein, egal wie früh man aufgestanden ist“, erklärt Benedikt Niesterok. Der Meeresbiologe macht diese Zusatzausbildung, damit er später in dem Bereich arbeiten kann. „Mein Herz gehört dahin“, sagt der 36-Jährige und lächelt. In seiner Freizeit taucht er bereits regelmäßig. Nun möchte er sein Hobby mit seiner Leidenschaft für die Wissenschaft verbinden. „Obwohl ich nicht neu auf diesem Gebiet bin, hat mich der erste Versuch beim 1000 Meter Tauchen mit Flossen ganz schön gefordert.“

Tauchen in der Ostsee

Sobald die künftigen Forschungstaucher genügend Sicherheit erlangt haben, wird die Ausbildung im tieferen Ostseewasser und in einem Binnensee fortgesetzt. Während im Meer erschwerte Bedingungen durch Salzwasser, Wellen und Seegang gemeistert werden müssen, habe der See den Nachteil einer geringen Sichtweite. „Die Teilnehmer müssen zeigen, dass sie auch mit solchen Herausforderungen umgehen können“, meint Niedzwiedz.

Nach 30 Stunden allein im Freiwasser müssen die Teilnehmer noch eine zweitägige Prüfung bestehen. Absolventen der letzten Jahrgänge hat es bereits in polare Gebiete der Antarktis und nach Spitzbergen geführt. Sie tauchten vor Chile und Australien und vielen anderen Orten in der ganzen Welt. Ohne die Unterstützung von Forschungstauchern wäre beispielsweise das künstliche Ostseeriff vor Nienhagen nicht entstanden und wissenschaftlich bearbeitet worden.

Eine besondere Ausbildung

Seit 1959 bildet die Universität Rostock Forschungstaucher aus. Seit 2006 in Kooperation mit dem Institut für Ostseeforschung. Sie ist eine von acht Ausbildungseinrichtungen deutschlandweit. Die Forschungstaucherausbildung ist Bestandteil der Masterstudiengänge Meeresbiologie sowie Ur- und Frühgeschichte.

Forschungstauchen ist berufliches Tauchen mit wissenschaftlicher Zielstellung. Die Anforderungen sind umfangreicher als beim Sporttauchen. Zur Ausbildung gehört ein simulierter Tauchgang in der Druckkammer und eine Rettungsübung mit einem Seenotkreuzer. Nach insgesamt 240 Stunden Ausbildung, 30 Stunden allein im Freiwasser müssen die Teilnehmer noch eine zweitägige Prüfung bestehen.

Susanne Gidzinski

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