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Rostock Einigung in Sicht: Streik auf Rostocker Werft
Mecklenburg Rostock Einigung in Sicht: Streik auf Rostocker Werft
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19:06 17.01.2019
Rund 100 Mitarbeiter der Werft Tamsen Maritim in Gehlsdorf traten am Donnerstag in den Streik.
Rund 100 Mitarbeiter der Werft Tamsen Maritim in Gehlsdorf traten am Donnerstag in den Streik. Quelle: Andreas Meyer
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Rostock

Die gute Nachricht vorweg: Die rund 100 Beschäftigten der Gehlsdorfer Werft Tamsen Maritim dürfen noch in diesem Jahr mit mehr Geld und mehr Urlaubstagen rechnen. Dafür mussten sie aber kämpfen: Erstmals in der Geschichte des Unternehmens traten die Schiffbauer am Donnerstag in den (Warn-)Streik. Der Protest scheint sein Wirkung nicht verfehlt zu haben: Nach den anschließenden Verhandlungen zwischen der IG Metall und der Unternehmensführung sprach Werft-Geschäftsführer Christian Schmoll von einem Durchbruch.

Einzige Werft ohne Flächentarif

Tamsen Maritim ist die kleinste der drei Werften in der Hansestadt. Das Unternehmen hat sich auf den Bau von Spezialschiffen sowie die Reparatur und Wartung von Marine-Schiffen spezialisiert. So entstehen in Gehlsdorf beispielsweise seit Jahren Seenotrettungskreuzer für die DGzRS. Auch das neue Feuerwehr-Boote der Rostocker Berufsfeuerwehr wurde bei Tamsen Maritim umgebaut. Dem Unternehmen geht es wirtschaftlich gut: Erst Ende 2018 hatte Geschäftsführer Schmoll angekündigt, eine neue Logistikhalle bauen zu wollen. In dem 70 Meter langen Neubau sollen Formen für Windkraft-Rotorblätter hergestellt und bearbeitet werden. Denn die Arbeit mit so genannten Verbundwerkstoffen ist die dritte Stärke des Unternehmens. Auch personell will Schmoll aufrüsten: 40 neue Jobs sollen in Gehlsdorf entstehen.

Von dem Wachstum wollen aber auch die Beschäftigten profitieren: „Tamsen Maritim ist die einzige große Werft im Land, die für seine Beschäftigten nicht den Flächentarifvertrag der Branche übernommen hat“, so Axel Brose, Gewerkschaftssekretär der IG Metall. „Die MV Werften, die Neptun- und auch die Peene-Werft: Alle sind im Flächentarif.“ Seit 2013 habe es bei Tamsen Maritim einen Haustarifvertrag gegeben, den hat die Gewerkschaft zum Jahresende 2018 gekündigt.

Mehr Geld, mehr Freizeit

Der Gewerkschaft gehe es bei den Verhandlungen und auch mit dem Streik nicht primär um Geld: „Wir wissen, dass sich Tamsen Maritim nicht den bundesweiten Gehaltstarifvertrag leisten kann. Das würde das Unternehmen überfordern und gefährden“, so Brose. Aber was Urlaub, Zulagen für Schichtarbeit und auch Urlaubs- und Weihnachtsgeld angeht, müsse sich die Firmenleitung bewegen. „Die Kollegen in Gehlsdorf haben 27 Tage Urlaub im Jahr – drei weniger als die Kollegen auf den anderen Werften.“ Die IG Metall fordert nun eine schrittweise Angleichung. „Und wir fordern eine Jahreszahlung sowie 280 Euro mehr Geld.“ Zu dem Streik am Donnerstag war annähernd die komplette Belegschaft vor der Werft-Tor gekommen. „Herr Schmoll hat gefordert, dass sich die Belegschaft bewegen mögen – das hat sie. Raus vor das Tor“, so Gewerkschafter Brose.

Kurz vor Einigung

„Wir sind mehr als erstaunt, dass es zu einem Warnstreik der IG Metall vor unserem Betriebsgelände kommt. Es gibt keinen Anlass für eine Arbeitsniederlegung, da wir immer gesprächsbereit sind! Wir halten die Entscheidung für absolut unangebracht und nicht nachvollziehbar“, hatte Schmoll noch am Morgen gesagt. Am Nachmittag – bei den Verhandlungen – standen die Zeichen dann auf Einigung. Schmoll gegenüber der OZ: „Wir stehen kurz vor dem Durchbruch, sind auf einem guten Weg.“ Ja, die Belegschaft soll mehr Geld bekommen. „Das haben wir auch immer signalisiert.“ Auch über Einmalzahlungen – Urlaubs- und Weihnachtsgeld – sei gesprochen worden. „Anfang Februar wollen wir die Einigung dann festzurren“, so Schmoll.

Andreas Meyer

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