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Rostock Einmalig: klima- und klauenfreundlicher Stallboden für Kühe in Dummerstorf
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Einmalig: klima- und klauenfreundlicher Stallboden für Kühe in Dummerstorf

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18:13 12.02.2020
Ein emissionsminderndes Fußbodensystem wird im Milchviehstall des Gutes Dummerstorf getestet. Betriebsleiter Lucas Pieper (r.) und Projektleiter David Janke vom Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie Potsdam-Bornim beobachten, wie die neue Entmistungsanlage den Boden sauber hält. Quelle: Doris Deutsch
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Dummerstorf

Hereinspaziert in die gute Stube: In den luftigen Offenstall des Gutes Dummerstorf, in dem 360 Milchkühe leben. In ihrem Zuhause wurde gerade ein neuer Fußboden verlegt – klima- und klauenfreundlich, und bislang einmalig in Deutschland.

Mit dem neuen Fußbodensystem sollen die Ammoniakemissionen, die durch die Mischung von Kot und Harn auf planbefestigten Stallböden entstehen, gemindert werden. Das ist das Ziel eines Forschungsprojektes im Verbundvorhaben „Emissionsminderung Nutztierhaltung“ (EmiMin), das an verschiedenen Standorten in Deutschland die Eignung baulich-technischer Maßnahmen zur Emissionsreduktion untersucht.

Weitere Tests in zwei Ställen in Bayern und im Emsland

Das Gut Dummerstorf ist einer von drei Milchviehbetrieben, in denen neuartige Bodenbeläge und der Einsatz eines neuartigen Entmistungssystems getestet werden. „Hier haben wir dank langjähriger Zusammenarbeit schon vorher viele verschiedene Stallklimauntersuchungen gemacht“, erklärt Projektleiter David Janke vom Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie Potsdam-Bornim. „Wir haben also einen guten Datenfundus.“ Während in den beiden anderen Ställen in Bayern und im Emsland noch die Voruntersuchungen laufen, ist in Dummerstorf schon das neue System eingebaut.

Geschäftsführer Dr. Holger Brandt Quelle: Doris Deutsch

Zunächst wurde in den vier Laufgängen eine Betonsohle gegossen. Darauf wurden insgesamt 1360 Quadratmeter Kunststoffplatten mit Längsrillen verklebt und auf diese wiederum Gummimatten mit Querrillen aufgeschraubt. Durch das Rillensystem werden Kot und Harn vorzeitig getrennt und mit einer speziell angepassten Unterflurschieberentmistung abgetragen. „Gerade durch die Mischung von Kot und Harn auf ebenen Fußböden entsteht Ammoniak“, erläutert Dr. Holger Brandt, Geschäftsführer des Gutes.

„Und diese klimarelevanten Schadgase zu minimieren, dazu muss die Landwirtschaft einen Beitrag leisten, und als Praxispartner der Wissenschaft sind wir stolz, dass in unserem Betrieb diese wegweisenden Untersuchungen durchgeführt werden.“

Seit Mai 2019 Einbau des Systems bei laufendem Betrieb

Anfang Mai 2019 wurden bei laufendem Betrieb die Baumaßnahmen gestartet. „Unsere Kühe hatten dann abschnittsweise immer mal Wandertag ins Grüne“, sagt Betriebsleiter Lucas Pieper. Im Herbst war das Fußboden-Lego fertig.

Seit 12. November 2019 sind alle Kühe wieder im Stall und haben den neuen Fußboden sofort gut angenommen. Der erste Eindruck: „Es riecht deutlich weniger, das haben uns auch Gäste schon bestätigt“, sagt Pieper. „Der Boden ist trittsicher und rutschhemmender, die Kühe grätschen nicht mehr, wie vorher auf dem glatten Gussasphalt. Und die Tiere haben trockenere Klauen, sind also weniger krank“, bemerkt der Betriebschef.

Konkrete Ergebnisse, ob das neue System die gewünschten Effekte zur Reduktion des treibhausschädlichen Ammoniaks erzielt, werden die Messungen ab März zeigen. Ein Jahr lang werden die Untersuchungen andauern, an denen auch die Landesforschungsanstalt Dummerstorf und die Universität Rostock mitwirken. Dazu kommen dann später auch die Vergleichsdaten aus den beiden anderen Ställen.

2023 ist mit der Veröffentlichung aller Messdaten und einer möglichen Praxisempfehlung zu rechnen. Das Projekt mit einem Umfang von 1,3 Millionen Euro wird komplett gefördert, finanziert von der Landwirtschaftlichen Rentenbank und koordiniert vom Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL).

Kosten zwischen 110 und 170 Euro pro Quadratmeter

Die Fußbodensysteme in den drei Ställen bundesweit werden von verschiedenen Herstellern geliefert, die sich mit einem Eigenanteil von 20 Prozent an der Neuerung beteiligen. Der Dummerstorfer Belag kommt von der niederländischen Firma Proflex.

Je nach Hersteller variieren die Quadratmeterpreise inclusive Schiebersystem zwischen 110 und 170 Euro. „Aber das sind Unikate in der Forschungsphase“, betont Projektleiter Janke, in einer möglichen Serienproduktion würden sich die Kosten sicher verringern. Ein in den Ställen üblicher planbefestigter Fußboden kostet heute etwa 35 Euro je Quadratmeter.

Ab 2020 Senkung der Emissionen um fünf Prozent

Deutschland hat sich international verpflichtet, Emissionen zu mindern, beispielsweise durch die europäische Richtlinie zur Minderung der Ammoniakemissionen (NEC-Richtlinie 2016). Diese legt fest, dass die Ammoniakemissionen, bezogen auf das Referenzjahr 2005, ab 2020 um fünf Prozent und ab 2030 um 29 Prozent gemindert werden sollen. Für eine nachhaltige Nutztierhaltung sind also weitergehende Maßnahmen zur Minderung der Ammoniakemissionen unter anderem in den Ställen erforderlich. Innovative Fußbodensysteme, wie sie in Dummerstorf im Test sind, wären ein Baustein. Ammoniak ist eine chemische Verbindung aus Stickstoff und Wasserstoff und gilt als indirektes Treibhausgas. Es entsteht beispielsweise während des Zersetzungsprozesses von abgestorbenen Pflanzen oder tierischen Exkrementen. In Milchviehställen entsteht Ammoniak durch Kot und Harn auf den planbefestigten Fußböden.

„Als Landwirtschaftsbetrieb wollen wir die klimaschädlichen Gase aus der Tierhaltung deutlich reduzieren, deshalb probieren wir das aus“, stellt Betriebschef Pieper klar. Die ersten subjektiven Eindrücke seien überzeugend. Die Deutschland-Premiere im Dummerstorfer Kuhstall scheint vielversprechend.

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Von Doris Deutsch

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