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Rostock „Ekelhaft“: Segler kritisieren Duschen und Toiletten im Stadthafen
Mecklenburg Rostock „Ekelhaft“: Segler kritisieren Duschen und Toiletten im Stadthafen
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18:51 30.07.2019
Annette (59) und Rainer Krummacker (63) aus Oldenburg sind entsetzt über den aus ihrer Sicht desolaten Zustand der Sanitäranlagen im Rostocker Stadthafen. Quelle: André Horn
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Rostock

 In wenigen Tagen ist Hanse Sail – die Aushänge-Veranstaltung der Hansestadt. Gäste aus aller Welt werden erwartet. Doch wenn die Segler Annette und Rainer Krummacker so den Stadthafen anschauen, können sie nicht glauben, dass hier demnächst die berühmte Sail stattfinden soll. „Wir sind seit zwei Wochen an der Ostsee-Küste unterwegs, waren unter anderem schon in Kiel, Dänemark und auf Rügen. Rostock hat dabei den Preis als dreckigste Stadt gewonnen. Hier kommen wir mit Sicherheit nicht noch einmal her“, sagt Rainer Krummacker.

Überall sprieße das Unkraut und der Stadthafen sei vermüllt. Besonders schlimm sei der Zustand der öffentlichen Sanitäranlagen. „Wir müssten eigentlich Handschuhe und Gummistiefel anziehen, um hier duschen gehen zu können“, sagt Krummacker. Seine Frau habe sich extra eine Dusche ausgesucht, die optisch noch einigermaßen ordentlich aussah. „Aber da lief das Wasser nicht ab“, berichtet sie.

Festgetrockneter Dreck, verstopfte Abflüsse, Unkraut vor der Tür – Bilder dokumentieren den schlechten Zustand der Sanitäranlagen.

Warum werden Räume nicht mit gereinigt?

Die Verriegelungen in den Duschen sind defekt, bei den Toiletten fehlen sie teilweise ganz. „Es ist irritierend: Handtuchpapier ist immer da. Es muss also jemand herkommen und die Behälter auffüllen“, sagt Rainer Krummacker. Aber warum werden dann die Räume nicht gleich mit gereinigt, fragt er sich. „Normalerweise hängt in solchen Sanitäranlagen immer ein Plan, auf dem eingetragen wird, wann zuletzt sauber gemacht wurde. Hier fehlt das.“

In Frankreich haben die Krummackers zuletzt sogar eine automatische Reinigung gesehen. „Da gibt es Dampfdüsen in den Ecken, die nach dem Duschen anspringen.“ Das könne dann auch gern zwei Euro kosten, sagen die beiden. Zum Vergleich: In Rostock kostet es einen Euro, drei Minuten lang zu duschen. „Dabei ist das nicht einmal zehn Cent wert“, so Rainer Krummacker.

Immobilienverwalter reagiert bestürzt

Das Ehepaar aus Oldenburg hat sich bereits bei der Tourismus-Zentrale und im Rathaus beschwert. „Wir haben im Hafen- und Seemannsamt angerufen. Da kann man sprechen, mit wem man will, es herrscht absolutes Desinteresse“, berichteten die beiden Segler.

Der städtische Immobilienverwalter KOE reagiert auf OZ-Anfrage bestürzt über die Zustände der Sanitäranlagen. „Es wurde sofort ein Vororttermin mit der Reinigungsfirma veranlasst“, sagt Stadtsprecher Ulrich Kunze. Normalerweise würden die Räume in der Saison vom 1. April bis zum 31. Oktober täglich zwischen 21 Uhr und 6 Uhr gereinigt. „Dies beinhaltet neben einer gründlichen Reinigung auch das Entleeren der Müllbehälter“, so Kunze.

Umfassende Grundreinigung veranlasst

Der KOE habe nun eine umfassende Grundreinigung des Gebäudes veranlasst. „In diesem Zusammenhang werden auch die Außenanlagen auf Vordermann gebracht“, sagt Kunze. Weiterhin wurden umgehend Aushänge mit entsprechenden Kontaktdaten zur Reinigungsfirma und zum KOE im Gebäude befestigt. „Es wird zutiefst bedauert, dass bisher keine Möglichkeit bestand, Mängel direkt zu melden“, sagt Kunze.

Auch prüfe der KOE, den Reinigungszyklus für das Gebäude zu erhöhen. „Zusätzlich werden die örtlichen, unangekündigten Kontrollbegehungen verschärft, um den Zustand der Sanitäranlage dauerhaft im Blick zu behalten“, so der Stadtsprecher. Das Rathaus bedanke sich für den Hinweis und verweise auf den „Mängel-Melder“ im Internet unter www.klarschiff-hro.de.

Diskussion in sozialen Medien

Auch auf Facebook sorgt der Zustand der Duschen für Diskussionen. „Igitt“ und „ekelhaft“ schreiben Leser. Ralf Matthe sieht aber auch die Benutzer in der Pflicht: „Sie sind aus meiner Sicht dazu aufgefordert, die Anlage ordentlich zu hinterlassen.“ Für Veit Ostsee gibt es zu wenig öffentliche WCs in Rostock, für die man gerne einen Euro zahlt. „Wie schaut es zum Beispiel im Barnstorfer Wald, auf dem Friedhof oder im Lindenpark aus?“

Leserin Marita Wilke empfindet die Situation am Stadthafen als beschämend. „Wir sind eine Hansestadt! Am Stadthafen ist null Flair. Nichtssagend und öde, dazu noch ungepflegt und schmutzig.“ Sie hofft nun auf Neu-OB Claus Ruhe Madsen: „Hoffentlich wird alles besser, wenn frischer Wind in unserer Stadt weht!“

Rostocks Maritimer Rat setzt sich seit Jahren für einen besseren Stadthafen ein. Spätestens zur Buga 2025 soll der Bereich umfassend entwickelt werden und sich von einem gefühlten Groß-Parkplatz in einen Erlebnisraum verwandeln, wie es Hans-Joachim Hasse formuliert. Er ist Vorsitzender des Maritimen Rates. „Bis es so weit ist, darf man den Stadthafen aber nicht so dahindümpeln lassen.“ Auch er fordert mehr Engagement. „Wir haben das schon oft angesprochen.“

Facebook-Nutzer Chriskross Frank kommt aus der Reinigungs-Branche und sieht ein Problem bei der Bezahlung: „Wenn die Firmen besser bezahlen würden, wäre es auch sauberer, weil sie vernünftiges Personal finden würden.“ Gleichzeitig würden sich die meisten Benutzer daneben benehmen: „Sie haben uns Reinigungskräften gegenüber einfach keinen Respekt mehr. Aber so ist es leider.“

André Horn

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