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Rostock Eltern geschockt: Rostocker Kita schließt ohne Vorwarnung
Mecklenburg Rostock Eltern geschockt: Rostocker Kita schließt ohne Vorwarnung
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19:11 25.09.2019
Nur durch diesen Zettel wurden die Eltern in Rostock über die Schließung der Kita-Gruppen informiert. Quelle: privat
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Rostock

Schwer zu lesen ist die Handschrift auf dem Zettel an der Tür. Was darauf steht, sorgte bei Eltern für einen Schock in der Morgenstunde. Ohne Vorankündigung hat am Montag die Kita Gutshaus Krüselwind in der Hinrichsdorfer Straße 6 ihre drei Kindergartengruppen geschlossen. Eltern, die ihren Nachwuchs in die Einrichtung bringen wollten, mussten wieder umkehren.

„Wir bitten Sie um Ihr Verständnis“, schreibt Kita-Leiter Michael Schötz auf dem Aushang. Alle Erzieher aus dem Bereich hätten sich krankgemeldet – aus diesem Grund könnten leider keine Kinder betreut werden. Das Jugendamt wisse über die Situation Bescheid.

Eltern fühlen sich im Stich gelassen

Manuela Schulz (* Name von der Redaktion geändert) ist fassungslos. Nicht nur dass sie und viele andere Eltern trotz Job die Kinderbetreuung anders abdecken mussten: „Am Dienstag ging es so weiter. Und nur einige der Eltern, die den Leiter direkt kontaktiert haben, erfuhren dann per Mail, dass noch bis zum 2. Oktober geschlossen ist“, so die zweifache Mutter. Ab Donnerstag sei die Einrichtung sogar komplett zu, also auch keine Betreuung der Krippenkinder mehr gewährleistet.

„Uns Eltern wurden keinerlei Notfallpläne bekanntgegeben. Auch vom Jugendamt haben wir nichts gehört“, klagt die Rostocker Mutter. Die aktuelle Situation sei für die Eltern kaum zu lösen, „denn wir müssen alle unseren Berufen nachgehen“.

Info ans Jugendamt sei korrekt erfolgt

Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke) bestätigte am Mittwoch, dass der Leiter der Gutshaus-Kita beim Jugendamt Meldung gemacht hätte. „Er hat im Amt informiert, dass der Kindergartenbereich an einem Tag geschlossen sei und er es selbst übernehmen würde, die Eltern darüber in Kenntnis zu setzen“, sagt Bockhahn. Mit diesem Vorgehen habe der Einrichtungsleiter vorschriftsmäßig gehandelt. „Deshalb hatten wir als Amt auch keinen Handlungsbedarf“, so der Senator.

Von einer längerfristigen Schließung der Einrichtung war Bockhahn am Mittwoch nichts bekannt. „Generell ist es aber so, dass die Träger die Aufgabe haben, die Betreuung abzusichern. Dazu gibt es Verträge und auf deren Einhaltung pochen wir“, sagt er. Dennoch hätte das Amt Notplätze in den Kitas der Umgebung geprüft. Laut dem Senator seien aber keine Kapazitäten frei.

Kita wirbt mit Gesundheitsförderung

„Solche akuten Krankheitswellen können passieren. Das ist nicht schön, aber davor ist keiner gefeit“, so der Senator. Im Gegensatz zu kleineren Anbietern könnten größere Kita-Träger solche Ausfälle natürlich besser abfedern, indem Einrichtungen kooperieren oder Notgruppen gebildet werden.

Ironie des Schicksals: An der Eingangstür wirbt die Kita Krüselwind damit, eine anerkannt gesundheitsfördernde Einrichtung zu sein. Das Gutshaus gehört zur Sozialer Ring Rostock gGmbH. Chef Michael Schötz war am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Personalsorgen haben sich abgezeichnet

So sehr sie von der aktuellen Schließung überrascht waren: Einige der Eltern klagen, dass es in der Einrichtung schon länger Personalsorgen gebe. „Die Personalprobleme sind so groß, dass bereits Hauswirtschafterinnen mit in den Gruppen aushelfen. Sie sind zwar lieb und immer bemüht, aber eben keine ausgebildeten Erzieherinnen“, erklärt Manuela Schulz.

Bis zum Jugendamt seien derlei Beschwerden aber nicht vorgedrungen, erklärt Sozialsenator Bockhahn. „Wir empfehlen als Erstes, dass die Eltern das Gespräch mit der Einrichtungsleitung suchen“, sagt er. Sollte das nichts bringen, „bitten wir um eine Information ans Amt“,so Bockhahn. Unabhängig vom aktuellen Fall sei es dann generell so, dass bei gravierenden Beschwerden für die Stadt die Möglichkeit bestünde, die Betriebserlaubnis der Kita einzuschränken oder gar ganz zu entziehen.

Vertrauensverhältnis dauerhaft zerstört

Für einige der betroffenen Eltern ist durch den aktuellen Fall das Vertrauensverhältnis zur Kita endgültig zerstört. „Wir können nicht mehr und werden definitiv wechseln“, sagt die Mama eines Krippenkindes.

Was sie schon länger stört, sei auch das Kommen und Gehen von Erziehern und der damit verbundene Wechsel der Bezugspersonen für das Kind. „Manche waren nur zwei Wochen da, andere maximal sieben Monate“, schildert sie. Dazu käme aktuell für alle Eltern die Sorge, wie es nach der Schließzeit sowie dem Feier- und Brückentag ab dem 7. Oktober in der Einrichtung weitergeht.

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Von Claudia Labude-Gericke

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