Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Energie aus dem Erdinneren: Rostock plant neues Kraftwerk
Mecklenburg Rostock Energie aus dem Erdinneren: Rostock plant neues Kraftwerk
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:21 23.08.2018
Ein Geothermie-Kraftwerk in Grindavik auf Island: Auch die Hansestadt Rostock will nun die Wärme aus dem Erdinneren nutzen (Symbolbild). Quelle: Egill Bjarnason/dpa
Anzeige
Rostock

Die Energie für wohlig warmes Wasser in Rostock, zum Duschen und zum Heizen – sie könnte schon bald aus mehreren tausend Metern Tiefe kommen: Die Stadtwerke Rostock AG verhandelt mit dem Bergamt Stralsund über die Konzession für ein Geothermie-Kraftwerk. Sowohl die Landesbehörde als auch der Energie-Versorger bestätigen entsprechende Planungen. „Geothermie – also saubere Wärme aus der Tiefe – ist für uns ein spannendes Projekt“, so Stadtwerke-Vorstandschef Oliver Brünnich. Schon in einigen Jahren könnte die Hansestadt einen großen Teil ihres Fernwärme-Bedarfs so sauber und klimaneutral decken. Auch andere Städte im Land setzen auf die Tiefen-Energie.

Mehrere Stadtwerke im Land haben Interesse

Nach OZ-Informationen ist die Tiefen-Erdwärme unter anderem auch in Greifswald ein Thema. „Wir erarbeiten derzeit für einige Stadtwerke in MV Konzepte für die Geothermie-Nutzung“, sagt Frank Kabus, Geschäftsführer des weltweit tätigen Unternehmens Geothermie Neubrandenburg. Der Nordosten sei prädestiniert für die saubere Wärme-Quelle: „In 1000 bis 2500 Metern Tiefe haben wir wasserführende Sandsteinschichten.“ Aus denen könne Wärme gefördert werden – bis zu 100 Grad heiße Sole. „Vergleichbar gute Voraussetzungen gibt es nur im Alpenvorland“, so Kabus. Das Prinzip der Geothermie sei sehr einfach, sagt auch Thomas Triller, der Leiter des Bergamtes: Für ein Kraftwerk werden zwei Leitungen nach unten gebohrt. Über die eine wird Wasser nach unten gepumpt, über die zweite kommt es heiß wieder nach oben. Der große Vorteil: Erdwärme ist kostenlos. „Und sie erzeugt keine Abgase, sie stinkt nicht und man sieht sie nicht. Hohe Schornsteine oder Kühltürme sind überflüssig“, so Triller. Außerdem sei Erdwärme immer verfügbar. Rund um die Uhr. Ohne Pause. „Wir können damit die sogenannte Grundlast abdecken.“

Rostock hat Konzession beantragt

Auch Rostock ist von den Vorzügen überzeugt:„Wir bemühen uns aktuell intensiv um eine Konzession für die Suche nach Erdwärme in und um Rostock“, so StadtwerkeVorstand Brünnich. Im Klartext: Die Stadtwerke wollen mit Probebohrungen herausfinden, ob sich ein solches Kraftwerk wirtschaftlich betreiben ließe – und wo es gebaut werden könnte. Noch stünde das Unternehmen aber ganz am Anfang. Bisher deckt Rostock seinen Wärmebedarf größtenteils durch das Verbrennen von Erdgas. „Aber wir wollen grüner werden, die Fernwärme sauberer machen. Erdwärme wäre ökologisch absolut sinnvoll für uns.“

Schwerin baut bereits

Vergleichbare Anlagen, wie sie Rostock plant, gibt es bereits in Neustadt-Glewe, in Waren an der Müritz, Neubrandenburg und bald auch in Schwerin. Dort wird im Oktober mit dem Bau eines Geothermie-Kraftwerks begonnen. Die Landeshauptstadt will 20 Prozent ihres Wärmebedarfs aus der Tiefe decken. Knapp 15 Millionen Euro investieren die Stadtwerke Schwerin in das Vorhaben. Zwei Drittel davon übernimmt das Land.

Andreas Meyer