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Rostock Ermittlungen gegen Rostocker Klinik-Chef
Mecklenburg Rostock Ermittlungen gegen Rostocker Klinik-Chef
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20:16 27.06.2018
Christian Schmidt, Ärztlicher Vorstand der Universitätsmedizin Rostock, sieht sich schweren Vorwürfen ausgesetzt. Das Bildungsministerium untersucht die Anschuldigungen.
Christian Schmidt, Ärztlicher Vorstand der Universitätsmedizin Rostock, sieht sich schweren Vorwürfen ausgesetzt. Das Bildungsministerium untersucht die Anschuldigungen. Quelle: Ove Arscholl
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Rostock

Im vergangenen Jahr wurde er noch zu „Deutschlands Klinik-Manager des Jahres“ gekürt, heute Vormittag droht Christian Schmidt (51) nun der tiefe Fall: Der Vorstandschef der Universitätsklinik Rostock steht nach Informationen der OZ vor dem Rauswurf. Der Grund: Ihm wird – unter anderem von Kollegen aus dem Klinikum – der Versuch vorgeworfen, sich persönlich zu bereichern – auf Kosten der Klinik und privater Unternehmen. E-Mails sollen Schmidt massiv belasten. Sebastian Schröder (SPD), Aufsichtsratschef der Klinik und Staatssekretär im Schweriner Bildungsministerium, hat für heute eine Sondersitzung des Kontrollgremiums anberaumt. Auf der soll es um die Abberufung Schmidts gehen – und möglicherweise auch um ein Strafverfahren.

Erfolgreich, aber umstritten

Schmidt steht seit 2014 an der Spitze der Uni-Klinik. Seitdem hat er aus dem einstigen Sorgenkind einen hochprofitablen Betrieb gemacht. Allein im Jahr 2016 macht die Klinik in der Hansestadt 6,7 Millionen Euro Gewinn. Seit Anfang 2017 unterstützt er zudem den Vorstand der Uni-Klinik in Greifswald. Schmidt soll helfen, dass Millionen-Defizit dort abzubauen. Doch hinter den Kulissen in Rostock rumort es bereits seit Monaten. Der Auslöser: Um gesetzliche Regeln – das sogenannte Entlassmanagement – umzusetzen, hat sich der Uni-Vorstand nämlich Hilfe aus einer Steueroase ins Haus geholt. Beim Entlassmanagement geht es unter anderem um Rezepte für Prothesen, Verbandsmaterial, Pflegebedarfe nach der Entlassung aus dem Krankenhaus. Ein Millionen-Geschäft. Der Deal mit der Beraterfirma Docserv, deren Konzernmutter ihren Hauptsitz auf der Kanalinsel Jersey hat, war von Anfang an aber höchst umstritten. Docserv wiederum ist Teil der deutschen Konzerntochter GHD (Gesundheits GmbH Deutschland) aus Ahrensburg. Zu der Gruppe gehören auch die Orthopädietechnik Berlin (OTB), Pharmaunternehmen sowie Hilfsmittelhersteller. „Das ist deren Hauptgeschäft, damit verdienen die ihr Geld. Unsere große Sorge ist, dass die Rezepte und Aufträge nicht mehr an Firmen in Rostock, sondern innerhalb der GHD-Gruppe vergeben werden“, sagt ein Rostocker Unternehmer bereits im Frühjahr der OZ. Bis zu 600 Jobs in Rostock seien in Gefahr. Inzwischen ist Docserv nicht mehr für die Uni-Medizin tätig. Aber immer wieder soll es seitdem zwischen Schmidt, Professoren der Klinik und den Unternehmern Streit gegeben haben. Und schon damals gab es Gerüchte, Schmidt habe sich für die Docserv entschieden, weil er selbst lukrative Beraterverträge mit der Unternehmensgruppe habe. Beweise für diese Behauptungen konnten Schmidts Kritiker jedoch bis dato nicht vorlegen. Schmidt droht dennoch Ärger: Nach Informationen der OZ gewährte er Docserv kompletten Zugriff auf sämtliche Patientendaten der Klinik. Das Ministerium prüft einen Verstoß gegen Datenschutzgesetze.

Software-Deal im Fokus

Ein anderer Deal bringt Schmidt aber wohl noch mehr in Bedrängnis: 2016 hatte der Vorstand ein Berliner Unternehmen beauftragt, ein neues Datennetz zwischen den Kliniken, externen Ärzten und Unternehmen aus der Gesundheitsbranche aufzubauen. Das Ziel: Zum Wohle der Patienten sollen sich die Fachleute schneller austauschen können. Im Zuge dieses Deals soll Schmidt Geld von der Berliner Firma erhalten haben. So jedenfalls schildern es Insider. Als Beleg führen sie E-Mails der Geschäftsführerin der Software- Schmiede an. Diese E-Mails sollen vor wenigen Wochen auch dem Ministerium übergeben worden sein. Und: Schmidt soll eine Beraterfirma beauftragt haben, die Einführung der neuen Software zu begleiten. Diese Firma soll seinem Vater und ihm selbst gehören. Die „Anzeige“ beim Ministerium soll aus Reihen der Professoren erstattet worden sein.

Ministerium: Prüfen Vorwürfe

Der Aufsichtsrat der Universitätsmedizin Rostock geht den Vorwürfen gegen den Vorstandsvorsitzenden nach, hieß es gestern aus dem Bildungsministerium. „Uns sind Vorwürfe bekannt. Wir gehen diesen Hinweisen konsequent nach und prüfen sie“, sagte Staatssekretär Schröder. Weitere Details wollte er nicht nennen. Aus Kreisen der Landesregierung heißt es jedoch, dass die Prüfung längst abgeschlossen sei. Eine Anwaltskanzlei habe die Anschuldigungen und die angeblichen Belege untersucht. Schmidt und auch andere Führungskräfte der Uni-Medizin seien angehört worden. Schon heute soll im Aufsichtsrat eine Entscheidung fallen. Der Beschuldigte selbst reagierte gestern nur kurz und knapp: Schmidt verwies direkt an das Ministerium. „Das ist ein laufendes Verfahren.“ Er könne sich daher nicht äußern.

Andreas Meyer