Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Erwartete Hochwasserschäden: Seezeichen-Hersteller rechnet mit Aufträgen
Mecklenburg Rostock Erwartete Hochwasserschäden: Seezeichen-Hersteller rechnet mit Aufträgen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
05:00 18.01.2019
Der Bundestagsabgeordnete Eckhardt Rehberg (CDU, l.) mit einer Seelaterne von Julius Marine (mit Geschäftsführer Christian Cammin)
Der Bundestagsabgeordnete Eckhardt Rehberg (CDU, l.) mit einer Seelaterne von Julius Marine (mit Geschäftsführer Christian Cammin) Quelle: Axel Büssem
Anzeige
Schmarl

Die aktuellen Schneemassen in den Alpen könnten beim Schmarler Seezeichenhersteller Julius Marine für ein ordentliches Umsatzplus sorgen: „Wenn das alles in kurzer Zeit schmilzt, muss mit Hochwasser auf den Flüssen gerechnet werden. Und dann werden wohl auch viele Seezeichen mitgerissen und müssen ersetzt werden“, sagt Geschäftsführer Christian Cammin. Julius Marine fertigt Tonnen und Seelaternen für die See- und Binnenschifffahrt und ist dabei einer von nur wenigen Anbietern weltweit.

Seine Aufträge bekommt das Unternehmen von den Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltungen (WSV) sowie von Hafenbetreibern. Auch ohne besondere Ereignisse wie die befürchteten Hochwasser sei die Nachfrage auf Jahrzehnte gesichert, glaubt Cammin. „Auf den Binnenwasserstraßen besteht ein erheblicher Investitionsstau.“

Früher hätten sich die Schifffahrtsämter selbst um die Betonnung gekümmert. Doch das Handwerkliche sei von den Behörden inzwischen weitgehend ausgegliedert worden – auch wegen des Fachkräftemangels. Bislang wurden vor allem Tonnen aus Stahl eingesetzt. Julius Marine setzt dagegen auf Kunststoff. Während Stahltonnen teilweise 70 Jahre hielten, seien es bei den Kunststofftonnen zwar nur zwölf: „Dafür sind sie deutlich leichter zu warten“, so Cammin. Der größte Verschleiß sei an den Stahlketten festzustellen, mit denen sie am Grund befestigt sind.

Den Kunststoff hat das Unternehmen gemeinsam mit der Fachstelle für Verkehrstechnik der WSV entwickelt. „Es ist ein Hochleistungs-Polyethylen,das besonders beständig gegen ultraviolette Strahlung ist. So bleichen die Farben nicht aus“, erklärt Cammin. Bislang werden die Kunststoffkörper der Tonnen in Formen gegossen. Die nächste Generation soll dagegen geschweißt werden. Eine ähnliche Technologie gibt es laut Geschäftsführer bereits beim Verschweißen von Kunststoffrohren. Der Bundestagsabgeordnete Eckhardt Rehberg (CDU) zeigte sich bei einem Besuch in Schmarl beeindruckt: „Es gibt in Rostock viele spannende kleine Firmen im maritimen Bereich.“

Julius Marine beschäftigt derzeit elf Mitarbeiter. „Unser Ziel ist es, auf 20 bis 25 zu kommen“, sagt Cammin. Um wachsen zu können, schaut sich die Firma gerade nach einem neuen Standort um. „Wir würden gerne ins geplante Ocean Technology Center (OTC) ziehen“, so der Chef. Im OTC sollen künftig unter Federführung der Fraunhofer-Forschungsgemeinschaft neue Technologien für den Einsatz im Meer erforscht werden.

Nach Angaben von Christian Weiß, Chef der Wirtschaftsfördergesellschaft Rostock Business, haben bereits drei Unternehmen angekündigt, sich wegen des OTC in der Hansestadt ansiedeln zu wollen. Elf weitere hätten konkretes Interesse bekundet. Etwa 300 bis 500 Arbeitsplätze könnten im OTC entstehen, glaubt Weiß. „Es gibt in ganz Europa nichts Vergleichbares.“ Im November hatte der Bund grünes Licht für seinen Teil der Finanzierung gegeben, die Schweriner Landesregierung hatte bereits vorher ihre Bereitschaft signalisiert. Insgesamt soll das OTC rund 40 Millionen Euro kosten.

Rehberg kündigte seine weitere Unterstützung an: „Die Ostsee ist für dieses Projekt prädestiniert, in der Nordsee kann man das nicht machen.“ Für Rostock spreche unter anderem, dass die Fraunhofer Gemeinschaft bereits mit zwei Standorten vertreten sei, die zudem beide gut zum Thema Unterwasserforschung passen würden. Das Institut für Graphische Datenverarbeitung (IGD) arbeite etwa mit Unterwasserlasern. Auch die Fraunhofer-Einrichtung für Großstrukturen in der Produktionstechnik (IGP) könne sich beteiligen.

Laut Rostock Business kommt hinzu, dass es in der Ostsee vor Rostock beherrschbare Wassertiefen und keine Gezeiten gebe. Das geplante Testfeld am künstlichen Riff vor Nienhagen liege in 16 Metern Wassertiefe. „Da kann man ein Gerät, das bei einem Test verloren geht, leicht wiederfinden.“ In anderen Seegebieten, die für solche Tests infrage kämen, sinke der Meeresboden rasch ab.

Axel Büssem

Rostock Mehr Gehalt für Tamsen Maritim-Mitarbeiter - Einigung in Sicht: Streik auf Rostocker Werft
17.01.2019