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Rostock Eulen, Käuze, Uhus: Falknerin päppelt bei Rostock Vögel wieder auf
Mecklenburg Rostock Eulen, Käuze, Uhus: Falknerin päppelt bei Rostock Vögel wieder auf
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19:00 29.10.2019
Martina Holert hat in Niex (Landkreis Rostock) eine Pflegestation für Eulen, die aus dem Nest gefallen oder verletzt sind. Gerade beherbergt sie eine Waldohreule „Sonntag“, die noch lernen muss, selbstständig Beute zu machen. Quelle: Doris Deutsch
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Niex

Ganz entspannt sitzt „Sonntag“ in der Vogelvoliere. Spitzt die Federohren und schaut mit bernsteinfarbenen Kulleraugen in die Runde. Die Waldohreule ist ein Findeltier und soll in der Eulen-Pflegestation in Niex (Landkreis Rostock) fit gemacht werden für das Leben in freier Natur.

„Sie tut sich etwas schwer, selbstständig Beute zu machen“, berichtet Martina Holert, die das Vogelbaby vor knapp neun Monaten aus der Nähe von Schwerin geholt hat. Hier war die kleine Eule gefunden und zur Begutachtung einem Tierarzt vorgestellt worden. Der hat dann die „Pflegemutter“ angerufen, die „Sonntag“, die den Namen trägt, „weil sie an einem Sonntag kam“, seitdem unter ihre Fittiche nimmt.

Falknerin kümmert sich um verletzte Vögel

Martina Holert ist Falknerin und als solche mit Greifvögeln vertraut. „Durch die Ausbildung sind wir in der Lage, Nacht- oder Taggreife zu halten“, erzählt die 42-Jährige. Im nächsten Jahr will sie sich einen Habicht zulegen und mit diesem traditionell Niederwild bejagen. Inzwischen aber kümmert sie sich, wie viele Falkner, ehrenamtlich um „Pflegefälle“ in Mecklenburg-Vorpommern. Das sind Vögel, die aus dem Nest gefallen, verletzt sind oder irgendwo aufgefunden wurden.

Video: Waldohreule „Sonntag“ muss noch jagen lernen

„Wenn man ein Jungtier findet, sollte man es ein, zwei Tage beobachten“, rät die Expertin. „Manchmal klettern sie nur oder verlassen neugierig mal kurz das Nest.“ Ist der kleine Vogel nach einiger Zeit jedoch immer noch da, sollte er zur tierärztlichen Versorgung gebracht werden. Die Tierärzte informieren dann die Pflegestellen, die die Findeltiere artgerecht versorgen. Holert warnt davor, die Tiere mit Körnern oder Hackfleisch zu füttern. „Das bekommt ihnen nicht.“

Vier Schleiereulen waren erster Pflegefall 2017

Vier Schleiereulen, etwa 14 Tage alt, aus einem Nest in Bützow waren die ersten Vögel, um die sich Martina Holert im Jahr 2017 kümmerte.  Quelle: Martina Holert

2017 bekam die Familie in Niex die ersten Pfleglinge ins Haus. Vier Schleiereulen, etwa 14 Tage alt, aus einem Nest in Bützow. Die zunächst hässlichen, kleinen Eulen wurden in einem Karton aufgepäppelt, mussten alle vier Stunden gefüttert werden.

Die Nahrungsbeschaffung war zunächst ein Problem. Aus tierschutzrechtlichen Gründen dürften keine Mäuse aus dem Garten, keine lebende Beute verfüttert werden. Also mussten Babymäuse und tiefgefrorene Eintagsküken besorgt werden. Hier unterstützt sich das Netzwerk der ehrenamtlichen Pflegestellen gegenseitig. Mecklenburg-Vorpommern ist das einzige Bundesland, das keine Auffangstation für Greifvögel hat, sondern voll auf Ehrenamtler setzt.

Mit Pinzette und viel Geduld haben Martina Holert und ihr Mann Sebastian Hartig die kleinen Schleiereulen aufgepäppelt. „Im Haus“, erzählt das Paar, „wir hatte da noch keine Volieren.“

Nach vier Wochen wurden die Eulen flügge und äußerst mobil. „Sie sind durchs Haus getapst und haben sich auch überall verewigt“, erinnert sich Holert. Es wurde Zeit, die Vögel ins Freie zu bringen.

Der Bau von zwei Volieren wurde durch das Landesförderinstitut MV unterstützt. Hier können nun mit veterinärmedizinischer Erlaubnis bis zu acht Eulen je Käfig vorübergehend untergebracht werden.

„Greifvögel sind keine Schmusetiere“

Die vier Schleiereulen blieben noch einige Wochen, haben das Jagen gelernt, als sie flugfähig waren, und wurden dann ausgewildert. Ihr neues Revier ist auf der Insel Rügen. In der Scheune eines Landwirts fanden sie Unterschlupf. „Der baut Getreide an, da gibt’s genug Mäuse für die Eulen“, erklärt Martina Holert, die sich immer mal wieder nach den ersten Gästen erkundigt.

Grundsätzlich jedoch sei Distanz wichtig. „Greifvögel sind keine Schmusetiere“, ergänzt Sebastian Hartig. „Wir wollen keine enge Bindung zu den Tieren, sie sollen raus, selbstständig in der Natur zurechtkommen.“

Kippelnde Eule wollte nur Eier legen

In Niex wurden inzwischen schon etliche Pfleglinge aufgenommen. Darunter auch wieder Schleiereulen-Vierlinge, die in der Nähe von Crivitz gefunden und nach drei Monaten in Petschow ausgewildert wurden. „Ein putziger Fall“, so Martina Holert, „war eine Waldohreule, die in Rostock-Reutershagen auffiel, weil sie so kippelte und wohl Gleichgewichtsstörungen hatte.“

Besorgte Bewohner haben sie zur Tierklinik gebracht, und von hier kam der Vogel ohne Befund nach Niex. „Am nächsten Tag hatte sie ein Ei gelegt, hatte also nur Legenot“, erzählt Holert schmunzelnd. Die Eule wurde wieder zum Fundort zurückgebracht und hat dort wohl wieder ins Nest gefunden vielleicht noch weitere Eier gelegt.

So sahen die Schleiereulen aus, als Martina Holert sie 2017 bei sich aufgenommen hatte.   Quelle: Martina Holert

Kosten- und zeitaufwendigen Hobby

Nicht mehr helfen konnten die Pflegeexperten einem Waldkauz, der in Bad Doberan in einem Kamin festgesessen hatte. Der Besitzer hatte ihn gehört und in Niex angerufen. Sebastian Hartig holte den Vogel aus dem Abzug, doch einen Tag später sei der Waldkauz verstorben.

Derzeit ist nur „Sonntag“ zu Gast in Niex. „Wir hoffen, dass er nun bald das Mäusejagen lernt und auch in die Freiheit kann“, sagt Holert, die mit großer Begeisterung ihrem kosten- und zeitaufwendigen Hobby nachgeht. Beruflich ist die 42-Jährige für die Brennerei „Männerhobby“ in Klein Kussewitz unterwegs, im Vertrieb der hochprozentigen Produkte.

Gerade beherbergt sie eine Waldohreule „Sonntag“ im Garten, die das Jagen noch lernen muss.  Quelle: Martina Holert

So manches Mal hat sie im Katzenkörbchen auch ihre Pflege-Eulen dabei. „Denn die Jungtiere müssen ja alle vier Stunden gefüttert werden“, erklärt Sebastian Hartwig, der als Kraftfahrer auch manchmal eine Fütterschicht übernimmt und die Vögel dann mit auf Tour nimmt. Auch die drei Kinder der Familie, zwischen sieben und 15 Jahre alt, sind begeistert von den gefiederten Pflegegästen.

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