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Rostock Rostocker Fußgänger fürchten um ihre Sicherheit
Mecklenburg Rostock Rostocker Fußgänger fürchten um ihre Sicherheit
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13:15 18.09.2019
Fahrradfahrer auf dem Gehweg in der Langen Straße. Sie rasen oder fahren auch gern nebeneinander. Quelle: Stefanie Adomeit
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Rostock

Sie rasen, fahren zu zweit oder zu dritt nebeneinander und beschimpfen im schlimmsten Fall noch Passanten: Radfahrer auf dem Gehweg in der Langen Straße. „Der 5-jährige Sohn meiner Freundin wurde schon von einem Radfahrer angefahren, als er aus meinem Geschäft kam“, sagt Jana Möller. Zum Glück sei dem Kind nichts passiert.

Jana Möller (31) kann verstehen, dass Mütter mit ihren Kinder aus Sicherheitsgründen auf dem Gehweg fahren. Quelle: Stefanie Adomeit

Seitdem der Radweg auf der Langen Straße beseitigt wurde, fahren immer mehr Menschen auf dem Gehweg. Viele Fahrradfahrer fühlen sich verunsichert. Werden von Autofahrern angehupt, weil diese nicht überholen können oder beschimpft. Sie weichen auf den Gehweg aus. „Wenn Eltern mit ihren Kindern langsam auf dem Gehweg fahren, kann ich das ja noch verstehen“, sagt die 31-Jährige. Alles andere sei einfach nur gefährlich und rücksichtslos.

Oliver Zydek ist Vater einer vierjährigen Tochter. Sie einfach aus der Tür laufen lassen –obwohl es ein Bürgersteig ist: zu gefährlich. „Wir müssen hier in der Langen Straße echt vorsichtig sein“, sagt er. Als er vor Kurzem durch den Tunnel ging, aus Richtung Kröpeliner Straße kommend, kamen ihn drei Fahrradfahrer entgegen. „Einer kam von links und zwei kamen von rechts um die Ecke geschossen“, sagt der 34-Jährige.

Fahrradfahrer auf dem Gehweg in der Langen Straße. Sie rasen oder fahren auch gern nebeneinander. Quelle: Stefanie Adomeit

„Radfahrer haben auf dem Gehweg nichts zu suchen. Wir unterstützen es deshalb ausdrücklich, dass dieses Verhalten geahndet wird“, sagt Heiko Tiburtius, Leiter des Bauamtes Rostock. Aber das sei Aufgabe der Polizei.

„Die Rostocker Polizei wird auch weiterhin regelmäßig Kontrollen in dem Bereich Lange Straße durchführen, um die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer zu gewährleisten“, sagt Christopher Hahn, Pressesprecher der Polizeiinspektion Rostock. Er plädiert für gegenseitige Rücksichtnahme, um ein sicheres Miteinander im Straßenverkehr zu gewährleisten.

Vernünftiges Verkehrskonzept gefordert

„Jeden Tag kann ich in der Langen Straße beobachten, dass ein Radfahrer vom Auto angefahren wird oder Fußgänger von Fahrradfahrern bedrängt werden“, sagt Sebastian Bielke. Er plädiere für ein vernünftiges Verkehrskonzept. Denn seiner Meinung nach, habe sich die Situation seit der Aufhebung des Fahrradweges für alle Verkehrsteilnehmer gravierend verschlechtert. „Ich wurde sogar schon von einer älteren Dame beschimpft, als ich sie darauf aufmerksam gemacht habe, dass dies ein Gehweg und kein Fahrradweg sei“, sagt der 39-Jährige. Und auch das extragroße Verkehrsschild mit der Aufschrift „Fahrrad-Führung geändert“ sei total unverständlich und irreführend.

Sebastian Bielke (39) zeigt auf das Verkehrsschild, das darauf hinweisen soll, dass es keinen durchgängigen Radweg mehr gibt. Er sagt, das versteht doch keiner. Quelle: Stefanie Adomeit

Deshalb sein Vorschlag für ein friedliches Nebeneinander aller Verkehrsteilnehmer: Ein offizieller Fahrradweg auf dem Bürgersteig. Das sieht auch Anwohnerin Rosemarie Bruhn so: „Breit genug ist er ja.“ Sie könne sich als Erkennungsmerkmal und Abgrenzung rote Gehwegsteine vorstellen, denn: „Die derzeitige Lösung, ist überhaupt gar keine Lösung“, sagt die 75-Jährige. Als sie letztens vor dem Haus auf ihren Mann gewartet habe, hat die Seniorin in zehn Minuten zwölf Radfahrer auf dem Gehweg in beide Richtungen gezählt. „Ich wäre letztens beinahe von einem Mountainbike-Fahrer angefahren worden. Er kam mit einem Affenzahn an und machte dann eine Vollbremsung, als ich nach links zu meiner Haustür abbog“, sagt Bruhn. Der Schreck saß tief.

Verkehrssicherheit soll überprüft werden

Bürgerschaftsmitglied und Vorsitzender des Ortsbeirats Stadtmitte Andreas Herzog (SPD) hat ein Jahr nach Einführung der Regelung in der Langen Straße eine Prüfung der Verkehrssicherheit beauftragt. Er fordert den Oberbürgermeister auf, die Verkehrssicherheit neu zu bewerten und alternative Maßnahmen vorzuschlagen. „Dass Bürger sich von Fahrradfahrern auf dem Gehweg bedrängt fühlen, war noch nie Thema im Ortsbeirat“, sagt Herzog überrascht. Er lade aber alle herzlich zu den Sitzungen ein, um Sorgen und Nöte der Einwohner an die Verwaltung weiterzuleiten.

Edwin Sattler, Inhaber des Juweliergeschäfts, hat wegen der vielen Fahrradfahrer auf dem Gehweg, Angst um seine Kunden. Quelle: Stefanie Adomeit

Edwin Sattler vom gleichnamigen Juwelier hat oft Angst um seine Kunden: „Die fahren ja hier auf dem Gehweg schneller als auf der Straße“, sagt er. Der Rostocker würde sich wünschen, dass mehr Kontrollen durchgeführt werden. Das kann Heiko Tiburtius nur unterstützen: „Wer sich nicht regelkonform verhält, muss eben mit den Konsequenzen rechnen.“

Von Stefanie Adomeit

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