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Rostock Fast 40 Katzen aus vermüllten Wohnungen in Rostock gerettet
Mecklenburg Rostock Fast 40 Katzen aus vermüllten Wohnungen in Rostock gerettet
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06:06 04.06.2019
Angelika Streubel im Tierheim Rostock/Schlage mit einigen der geretteten Katzen Quelle: Manuela Wilk
Rostock/Schlage

Behutsam öffnet Angelika Streubel die Tür zu einem Zimmer im Tierheim Rostock-Schlage. Darin leben derzeit sieben Katzen. Als sie ihr Futter bekommen, kommen drei von ihnen sofort angelaufen und beginnen zu fressen.

Das war aber nicht immer so. Die Tiere sind erst seit einigen Wochen in Schlage untergebracht – vorher „wohnten“ die Vierbeiner im Stadtteil Reutershagen. 21 Katzen hatte der Besitzer in seiner Wohnung gehortet. Er war nicht dazu in der Lage, sich gut um die Tiere zu kümmern – wusste nicht einmal, wie viele Tiere er in seinen vier Wänden hielt. Nach Beschwerden, unter anderem von Nachbarn, schritt das Veterinäramt ein. Die Katzen landeten im Tierheim. „Animal Hoarding ist eine Krankheit. Die Menschen haben das nicht unter Kontrolle und ihnen fehlt auch oft die Einsicht, dass sie an einer Krankheit leiden“, erklärt Angelika Streubel, Vorsitzende des Rostocker Tierschutzvereins. Die Menschen suchen Nähe, Trost und sozialen Kontakt bei Tieren – meist, weil sie nicht gut integriert sind, wenige oder keine Freunde haben. „Mir tun die Menschen leid, sie haben kein einfaches Leben – was aber diese Haltung der Tiere nicht rechtfertigt“, sagt Streubel.

Das Veterinäramt greift bei Anzeigen ein

Denn beim sogenannten Animal Hoarding wird gegen das Tierschutzgesetz verstoßen. Wird dies bei der Stadt oder dem zuständigen Veterinäramt angezeigt, greift das Amt ein, teilt die Hansestadt auf Anfrage mit. „In der Regel kommt es dann zu einer behördlichen Fortnahme und anderweitigen Unterbringung der Tiere“, erklärt Stadtsprecher Ulrich Kunze. So war es auch jetzt in Rostock.

Animal Hoarding ist eine Krankheit

Animal Hoarding kann als Tiersammelsucht oder Tierhorten übersetzt werden. Es ist eine anerkannte Krankheit, bei der Menschen Tiere in großer Anzahl halten, sie aber nicht angemessen versorgen können – es fehlen Futter, Wasser, tierärztliche Versorgung. Die Halter erkennen aber nicht, dass es den Tieren schlecht geht. In jedem Fall brauchen nicht nur die Tiere, sondern auch die Menschen Hilfe.

Laut einer Studie aus dem Jahr 2012 sind Katzen mit 50,8 Prozent der Fälle am häufigsten betroffen, danach folgen Hunde (54,2 Prozent).

In mehr als der Hälfte der Fälle können die Besitzer die genaue Anzahl ihrer Tiere nicht nennen – das war auch bei einem der Männer aus Rostock so.

Mehr Infos unter: www.tierschutzbund.de/animal-hoarding

Tiere waren unterernährt und verwurmt

Als die Helfer, auch die Feuerwehr ist mit der entsprechenden Einheit vor Ort, damals in die Wohnung kamen, hatten sie Probleme, die Katzen überhaupt zu finden. Die Wohnung war voller Müll, überall lag der Kot der Tiere, es stank. „Die Katzen waren in einem sehr schlechten gesundheitlichen Zustand – unterernährt, verwurmt und von Flöhen befallen“, erinnert sich Angelika Streubel. Carlo beispielsweise kam mit nur 2,6 Kilogramm nach Schlage. „Normal wären für einen Kater seiner Größe um die sechs Kilogramm“ erklärt Streubel. Mittlerweile wiegt er fünf Kilo. Einigen Tieren sind die Strapazen noch anzusehen. „Manche wollten gar nichts fressen“, berichtet die Vereinsvorsitzende.

Zudem waren viele sehr scheu – sie kannten ja nur eine Bezugsperson. „Einige sind noch immer sehr zurückhaltend“, berichtet Streubel mit Blick auf die Katzen in der Stube. Außerdem hatte ein Virus die Samtpfoten befallen. Lange rangen Angelika Streubel und die Mitarbeiter des Tierheims um das Leben der Tiere. Keine leichte Aufgabe. Vier Wochen lang kümmerte sie sich um die Katzen, nach tierärztlicher Anweisung – neben ihrer Arbeit als Vereinsvorsitzende.

Der normale Betrieb in Schlage muss schließlich auch aufrechterhalten werden. Zwei Stuben wurden für die Katzen leer geräumt. „Wir konnten ja nicht die Quarantäne belegen. Die Räume brauchen wir ja, wenn Fundtiere zu uns kommen“, erklärt Streubel.

Den Katzen aus der ersten Animal-Hoarding-Wohnung, wie Kater Carlo (vorn), geht es schon besser. Quelle: Manuela Wilk

16 Katzen aus einer zweiten Wohnung

Diesen Katzen geht es zwar besser, doch das Tierheim kommt nicht zur Ruhe. Denn vor zwei Wochen wurde eine zweite Rostocker Wohnung im Stadtteil Schmarl geräumt. Wieder musste das Tierheim Katzen aufnehmen – 16 dieses Mal. Der Mann, es ist der Bruder des anderen Animal Hoarders, kümmerte sich etwas besser um seine Lieblinge. „Er hat jedem Tier einen Namen gegeben, sich verabschiedet. Die Katzen waren auch gesundheitlich in einem besseren Zustand, sie waren zutraulicher“, erklärt Angelika Streubel. Der Mann habe auch eingesehen, dass er Hilfe brauchte. „Er hat seine Wohnung jetzt aufgeräumt.“ Es sei für ihn eine Erleichterung. „Hinter dem tierischen Leid steckt auch oft menschliches Leiden“, weiß Streubel. Sie würde sich mehr Rücksicht wünschen. Dass man hinschaut, sich vielleicht um Nachbarn kümmert und bei Problemen das Veterinäramt informiert. „Ich konnte in diesen Fällen auch hinter die Kulissen schauen. Das geht einem nah und es ist schwer, das nicht so an sich heranzulassen“, sagt sie.

Menschen sollten mehr auf einander achten

Für Aufklärung ist auch die Stadt. Denn das Veterinäramt könne nur eingreifen, wenn sich jemand an die Mitarbeiter wendet, da die Tiere ja im Privatbesitz sind. „Eine wirksame Prophylaxe zur sicheren Verhinderung von Animal-Hoarding-Fällen gibt es nicht“, heißt es aus dem Rathaus. Man sei darauf angewiesen, dass sich Verwandte oder Bekannte, die Kenntnis von den Zuständen haben, rechtzeitig an das Veterinäramt oder die Tierschutzvereine wenden. Auch eine Statistik gibt es nicht. In Rostock gab es in den letzten fünf Jahren etwa drei Fälle, die dem Veterinäramt bekannt geworden sind, teilt Ulrich Kunze mit. Doch die „Dunkelziffer“ und die Zahl der Grenzfälle seien vermutlich höher.

Das Ziel: alle Tiere in ein neues Zuhause vermitteln

Die neuen Bewohner des Tierheims leben noch in Quarantäne. Nach und nach sollen alle Katzen aufgepäppelt, kastriert, geimpft und möglichst vermittelt werden – allerdings zu zweit. Ein paar Katzen kommen noch dazu, verrät Streubel. Nicht wenige sind trächtig. Insgesamt würden die zwei Animal-Hoarding-Fälle etwa 20 000 Euro kosten. „Das ist ein Schätzwert. Aber Unterbringung, Futter, der Tierarzt, die Mitarbeiter, all das kostet“, so Streubel. Das Tierheim würde sich daher über jede Unterstützung freuen.

Manuela Wilk

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