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Rostock Ferienwohnungen für Irak-Flüchtlinge?
Mecklenburg Rostock Ferienwohnungen für Irak-Flüchtlinge?
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02:20 29.08.2014
Das Flüchtlingsheim in Dettmannsdorf ist bereits voll belegt. Der Landkreis sucht nun nach weiteren Unterkünften.
Das Flüchtlingsheim in Dettmannsdorf ist bereits voll belegt. Der Landkreis sucht nun nach weiteren Unterkünften. Quelle: Bernd Wüstneck
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Bad Doberan

Der Bürgerkrieg im Irak und die Gräueltaten der Terror-Gruppe Islamischer Staat (IS) beschäftigen auch die Kreisverwaltung in Güstrow. Denn: Der Landkreis Rostock soll mehr Asylbewerber denn je aufnehmen. Vor allem aus dem Nordirak und Syrien. „Wir gehen bisher davon aus, dass wir künftig 80 bis 85 neue Flüchtlinge pro Monat im Landkreis unterbringen müssen“, sagt Vize-Landrat Wolfgang Kraatz (SPD). Das aber stellt den Landkreis vor echte Probleme: denn die Asylunterkünfte sind bereits jetzt komplett belegt. Nun sollen die großen Vermieter helfen — und Wohnungen bereitstellen.

„Natürlich wollen und müssen wir den Flüchtlingen helfen. Da gibt es nichts zu diskutieren“, sagt Kraatz deutlich. „Wir stellen uns darauf ein, dass nun verstärkt Vertriebene aus den Bürgerkriegsregionen im Nahen Osten zu uns kommen.“ Unter anderem gehe es um Jesiden, eine christliche Minderheit aus dem Nordirak, denen ein Völkermord droht. Auch der Strom der sogenannten Armutsflüchtlinge aus Afrika, die mit Booten über das Mittelmeer nach Europa fliehen, sei ungebrochen.

Vier Unterkünfte betreibt der Landkreis bereits — zwei in Güstrow, zwei in Doberan. Selbst das Provisorium in der Doberaner Berufsschule sei an der Belastungsgrenze. „Aktuell leben 432 Asylbewerber in unseren Unterkünften, 300 weitere haben wir dezentral in Wohnungen untergebracht“, erklärt Kraatz. Das sei aber nicht genug: „Wir sind überall auf der Suche nach verfügbarem Wohnraum“, heißt es aus dem Landratsamt. Mit allen Kommunen und allen großen Wohnungsunternehmen seien Gespräche geführt worden. „Noch finden wir immer wieder freie Wohnungen. Aber der Bedarf nimmt enorm zu.“

Die ersten Kommunen winken bereits ab — wie Kühlungsborn. „Der Druck wird größer. Aber wir haben keinerlei Leerstand. Es gibt keine freien Mietswohnungen“, sagt Bürgermeister Rainer Karl (parteilos).

Er geht aber davon aus, dass der Landkreis sich damit auf Dauer nicht zufriedengeben wird: „Dann müssen wir uns neue Lösungen einfallen lassen.“ Karl bringt deshalb die Nutzung von Ferienwohnungen ins Gespräch: „Außerhalb der Saison stehen viele davon eh leer.“ Und wenn die Gastgeber sich weigern: „Im Zweifel könnten wir Wohnungen sogar beschlagnahmen lassen. Aber so weit ist es noch nicht.“

Marc Rohde, Prokurist der stadteigenen Doberaner Wohnungsbau- und Investitionsgesellschaft Wig, vermietet schon jetzt Wohnungen für Flüchtlinge: „Und ja, wir werden weitere aufnehmen.“ Probleme mit anderen Mietern gebe es kaum: „Das hält sich wirklich in Grenzen.“ In Güstrow ist die dezentrale Unterbringung ebenfalls Praxis: „Wir haben derzeit fünf Wohnungen an den Landkreis vermietet, bis Jahresende werden es zehn sein“, sagt Jürgen Schmidt, Geschäftsführer der Wohnungsge- sellschaft Güstrow (WGG). „Wir haben damit keine schlechten Erfahrungen gemacht.“

Der Landkreis sucht parallel nach einem Standort für ein weiteres, ein fünftes Asylbewerberheim: „Wir haben mehrere Objekte im Auge, vornehmlich im Süden des Landkreises“, sagt Kraatz. Ein Neubau sei bisher nicht geplant: „Erst mal nutzen wir alle anderen Möglichkeiten.“ Um die vielen neuen Fälle bearbeiten zu können, soll zudem die Ausländerbehörde mit Sitz in Bad Doberan personell aufgestockt werden.

Flüchtlingsstrom

400 000 Jesiden sind nach Schätzungen der Vereinten Nationen auf der Flucht vor der Terror-Miliz IS im Norden des Irak. Der christlichen Minderheit gehören insgesamt nur 800 000 Menschen an.
432 Flüchtlinge hat der Landkreis Rostock derzeit in seinen vier Gemeinschaftsunterkünften untergebracht. Weitere 300 leben in Wohnungen.
Pro Monat sollen bis zu 85 weitere Flüchtlinge hinzukommen.



Andreas Meyer