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Rostock Fest in katholischer Hand: Rostock feiert Fronleichnam
Mecklenburg Rostock Fest in katholischer Hand: Rostock feiert Fronleichnam
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18:17 20.06.2019
Die Ministranten gehen voran. Zur Fronleichnamsprozession säumten zahlreiche Katholiken die Kröpeliner Straße und den Universitätsplatz. Quelle: Moritz Naumann
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Rostock

Es ist das erste Mal seit fast 70 Jahren, dass die katholische Gemeinde in der Rostocker Innenstadt das Fronleichnamsfest feiert. Nachdem 1971 in der DDR die Christuskirche am Schröderplatz gesprengt wurde, sind die Gläubigen für ihre Feste auf den Neuen Friedhof verbannt worden.

„Ihr könnt da auf dem Friedhof feiern, das hat doch auch was mit Leichnam zu tun, wurde damals argumentiert“, sagt Pfarrer Dietmar Wellenbrock auf die Frage, wie es sein könne, dass die katholische Gemeinde so lange versteckt das Fronleichnamsfest feiern musste. Über die Jahrzehnte wurde der Ort der Verbannung aber zur Tradition. Deshalb war Wellenbrock im Vorhinein nicht sicher, ob auch all jene kommen würden, die den Platz am Rande der Stadt lieb gewonnen hatten. „Sonst haben wir in der Regel mit 800 Gemeindemitgliedern gefeiert, ich gehe mal davon aus, dass heute etwa 600 Menschen in den Klostergarten kommen werden.“

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Volle Ränge im Klostergarten

Doch schon nach Beginn der Veranstaltung wird deutlich, dass Wellenbrock sich getäuscht hat. Denn die Gemeindemitglieder kommen zahlreich. Die Ränge vor der Sommertheaterbühne sind prall gefüllt. Rundherum bauen die Menschen ihre mitgebrachten Stühle auf und belegen die Grünfläche so, dass Grün kaum noch zu erkennen ist. „Es sind wohl doch ein paar mehr geworden“, sagt Wellenbrock mit einem zufriedenen Lächeln.

Laut dem Pfarrer fühlt sich seine katholische Pfarrei Herz Jesu in der Innenstadt herzlich aufgenommen. „Unser Bischof hatte im vergangenen Jahr angeregt, dass wir in die Öffentlichkeit müssen, weg vom Friedhof. Wir haben das dann in Gremien beraten und das Anliegen bei Oberbürgermeister Roland Methling vorgetragen.“ Methling habe sofort die Idee gehabt, den Klostergarten für die Veranstaltung freizugeben. „Das ist toll und darüber hinaus sind wir auch der Bühne 602 zu Dank verpflichtet, dass sie uns die Sommertheater-Bühne für die Feier zur Verfügung gestellt haben.“

Etwa 1000 Menschen feierten in und um den Klostergarten das katholische Fest.

Katholiken einig: Ein schöner Ort

Als besonderen Gast darf Wellenbrock den emeritierten Bischof Werner Thissen begrüßen, der über den neuen Veranstaltungsort begeistert ist. „Ich war in meinen elf Jahren als Bischof schon bei vielen Festen rund um Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, aber dieser Ort hier ist der schönste“. Thissen vertritt Stefan Heße, den aktuellen Bischof des Erzbistum Hamburg.

Auch unter den Gemeindemitgliedern herrscht bei Sonnenschein und angenehmen Temperaturen um die 20 Grad Celsius Einigkeit: „Ich bin Ur-Rostockerin, in der Christgemeinde groß geworden und war noch nie hier. Es ist wirklich ein toller Ort“, sagt Christel Sperner. Auch Slawomir Duchnicz ist begeistert: „Das ist ein toller Platz für einen Neuanfang und um unsere Identität zu feiern.“

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Ein fallendes Kreuz und ein prunkvoller Umzug

„Geht zu ihnen und lasst sie Gottes Liebe spüren“, zitiert Wellenbrock den aktuellen Papst Franziskus. Und damit auch die Menschen auf der Kröpeliner Straße von den Festlichkeiten im Klostergarten etwas mitbekommen, wurden rund um den Universitätsplatz Boxen aufgebaut, die die Musik und Predigten auf die Rostocker Einkaufsmeile bringen.

Während des Gottesdienstes kommt es fast noch zu einem Unglück. Das Kreuz, welches an der Bühnenrückwand befestigt ist, fällt plötzlich hinab und auf einen Stuhl der anwesenden Priester. Verletzt wurde Gott sei Dank aber niemand.

Nach dem Schreck beginnt die symbolische Verteilung des Leib Christi (runde Oblaten aus Weizenmehl, Sauerteig und Wasser) unter den anwesenden Katholiken und anschließend die Vorbereitung der Prozession (feierlicher Umzug) durch die Innenstadt.„Es wird Leute geben, die sich fragen, was wir tun. Vielleicht werden wir angefochten, weil die Menschen merken, wie viel Kraft uns unser Glauben gibt“, sagt Bischof Thissen. „Wir sind keine Demonstranten, wir sind nicht gegen etwas, sondern für etwas – für Christus.“

Die katholische Gemeinde in und um Rostock

Die katholische Gemeinde in und um Rostock nennt sich „Herz Jesu“. Sie umfasst Kirchen in Rostock, Bad Doberan, Marlow, Gnoien, Neubukow, Petschow, Graal Müritz, Ribnitz-Damgarten, Satow, Kröpelin, Kühlungsborn und Tessin. Nach Angaben von Pfarrer Dietmar Wittenbrock umfasse die Gemeinde derzeit 12 500 Mitglieder. Alleine in Rostock seien es etwa 9000 Menschen, die der Pfarrei angehören.

Verbundenheit der Konfessionen

Bei dem Umzug wird eine geweihte Hostie in eine Monstranz (vergoldetes Schaugerät) gelegt und zur Anbetung durch die Öffentlichkeit getragen. Viele Rostocker staunen nicht schlecht, zücken Handys und fotografieren das Treiben der Katholiken. Denn so etwas war in der Innenstadt nun ja schon seit knapp 70 Jahren nicht mehr zu sehen.

Der Marsch führt die Gläubigen in die Universitätskirche, wo Tilmann Jeremias als zukünftiger evangelischer Bischof aus der Bibel liest. „Es ist schön, dass er uns an diesem Tag begleitet und damit die Verbundenheit unserer Konfessionen verdeutlicht“, sagt Thissen.

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Moritz Naumann

20.06.2019
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