Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Filmfest im Stadthafen: Ganz schön politisch!
Mecklenburg Rostock Filmfest im Stadthafen: Ganz schön politisch!
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:27 26.04.2015
Sexismus im Flüchtlingscamp – um dieses Tabu-Thema dreht sich der Film „Geschützter Raum“, der am Sonnabend „Film des Jahres“ beim FiSH in Rostock wurde. Regisseurin Zora Rux und Produzent Fred Burle freuen sich über die Entscheidung.
Sexismus im Flüchtlingscamp – um dieses Tabu-Thema dreht sich der Film „Geschützter Raum“, der am Sonnabend „Film des Jahres“ beim FiSH in Rostock wurde. Regisseurin Zora Rux und Produzent Fred Burle freuen sich über die Entscheidung. Quelle: Nele Baumann
Anzeige
Rostock

Sexismus im Flüchtlingscamp – um dieses Tabu-Thema dreht sich der Film „Geschützter Raum“, der am Sonnabend im Rostocker Mau-Club die Jury überzeugte und „Film des Jahres“ wurde. Der Streifen von Regisseurin Zora Rux (26) und Produzent Fred Burle (31) konnte sich gegen 34 Kurzfilme behaupten, die Freitag und Sonnabend gezeigt und anschließend in öffentlicher Jury-Sitzung bewertet wurden.

Der Film der beiden Berliner „Geschützter Raum“ polarisiert. Der Flüchtling Patrick vergewaltigt die Aktivistin Sara, die sich für die Rechte von Flüchtlingen einsetzt. Als der Fall im Plenum verhandelt wird, scheiden sich die Geister. Patrick muss gehen, auch wenn ihm dann Abschiebung droht – so denkt die eine Gruppe. Die andere hat Angst vor negativer Presse und weist darauf hin, dass man ja auch kulturelle Gründe berücksichtigen müsse. Vielleicht sei es aus Patricks Sicht ja gar keine Vergewaltigung gewesen?

Der gebürtige Brasilianer Burle und die Rostocker Schauspielerin Viola Neumann (40) nahmen den Preis jubelnd entgegen. „Zora ist selbst Aktivistin und hat eine ähnliche Situation erlebt“, sagte Fred Burle. „Über den Film möchte ich erreichen, dass das Thema öffentlich diskutiert wird.“ Gedreht haben sie dann mit teilweise „echten“ Flüchtlingen. „Das war eine Herausforderung.“ Die Jury überzeugte vor allem die Form. „Die Kamerafahrt während der Diskussion hat uns beeindruckt“, sagte Jury-Mitglied Ivonne Siegert-Machotzek.

Burle und Rux erhielten für ihren Film 10 000 Euro. „Geschützter Raum“ läuft noch auf mehr als zehn Festivals, unter anderem in Cannes.

Das Publikum überzeugte am Sonnabend der Streifen „wHole“ am meisten. „Ich bin eigentlich kein großer Fan von Animationsfilmen, aber die Geschichte und die Stimmung des Films sind einfach schön“, kommentierte Christine Müller (42), warum sie für diesen Film stimmte. Die Regisseure Robert Banning und Verena Klinger erhielten rund 1400 Euro. Der Nachwuchspreis ging an die Hamburgerin Verena Westphal mit ihrem Animations-Film „Sry Bsy“.

Gastland Finnland zeigte neun Kurzfilme. Sie waren bis auf wenige Ausnahmen von Melancholie und schwarzem Humor geprägt. „So sind wir Finnen halt“, sagte Joonas Makkonen, von dem gleich zwei Streifen liefen.

Neben jungen Filmen wird beim FiSH auch stets ein Musikvideo ausgezeichnet. Den Popfish dafür gewann am Freitag der Rostocker Regisseur Andreas Ehrig. Unter mehr als 40 Einreichungen setzte er sich mit dem Video für Johannes Meißners Song „Laub im Garten Eden“ durch. Festivalleiterin Henrike Hübner freute sich über diese Entscheidung ganz besonders: „Der Film ist mit Azubis produziert worden und hat sich gegen sehr professionelle Konkurrenten durchgesetzt.“ Auch die längeren Filmen, die sogenannten „Sehsterne“, seien gut besucht gewesen. Insgesamt habe das FiSH erneut einer erfreuliche Resonanz gehabt.

Ein Highlight unter den Sehsternen war der Eröffnungsfilm. Andrea Roggons Dokumentation über den Musiker, Schauspieler und Komiker Helge Schneider feierte in Rostock Kinostart. Vier Jahre lang begleitete sie Schneider und produzierte daraus einen sehr amüsanten Film abseits des „Irrsinns der Normalität“, um mit Schneiders Worten zu sprechen.



OZ