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Rostock Findet Nemo: Diesen Rostockern gehen Clownfisch- und Korallen-Fans gern ins Netz
Mecklenburg Rostock Findet Nemo: Diesen Rostockern gehen Clownfisch- und Korallen-Fans gern ins Netz
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17:47 04.12.2019
Diane Enkelmann und Johannes Höhn betreiben die Firma Coralaxy in Bentwisch. Quelle: OVE ARSCHOLL
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Rostock

Wer Nemo finden will, muss dafür nicht erst bis nach Sidney schwimmen. Es genügt, vor den Toren Rostocks abzutauchen. Hier erholt sich der Clownfisch, den Disney einst zum Kinostar und Liebling von Millionen Kindern machte, von seinem Jetlag. Eben noch schwamm er in Florida umher, jetzt – nach 24 Stunden im Flugzeug – planscht er in Bentwisch im Aquarium. „Er bleibt für mindestens vier Wochen in Quarantäne und kann sich akklimatisieren“, erklärt Diane Enkelmann.

Nemo ist in guter Gesellschaft. Dutzende kleine Anemonenfische, gerade mal sechs Monate alt, tummeln sich mit ihm hinter Glas. Sind sie erst groß, wollen Diane Enkelmann (30) und Johannes Höhn (30) mit ihnen Aquarianer ködern. Das Paar aus Rostock hat sich mit dem Start-up Coralaxy den Traum vom Aquakulturbetrieb erfüllt, der ausnahmslos auf Nachzuchten setzt und der Umwelt zuliebe auf Wildfänge verzichtet. „Wir wollen dazu beitragen, dass Meerwasseraquaristik nachhaltiger wird“, erklärt Johannes Höhn.

Fotostrecke: So bunt ist die Unterwasserwelt von Coralaxy

So bunt ist die Unterwasserwelt von Coralaxy

Das Herz der vor eineinhalb Jahren gegründeten Firma schlägt in einer Halle des Innovations- und Trendcenters Bentwisch. Verborgen hinter einer Stahltür türmen sich 75 Glasbassins zu Wänden auf, in jedem eine regenbogenbunte Unterwasserwelt. Die 20 000 Liter fassende Aquakulturanlage ist, wenn man so will, das Coralaxy-Warenlager und ein Tummelbecken für Exoten: Doktorfische, Grundeln und Zwergbarsche in sämtlichen Farben und Musterungen ziehen hier ihre Bahnen.

Neben Fischen ziehen Höhn und Enkelmann weitere schmucke Riffbewohner groß. Im blauen Licht der Aquarienlampen blüht ein Garten, der Naschkatzen ein Paradies verheißt. Doch „Chocolat“, „Milka“ und „Vanilla Sky“ sind keine Süßigkeiten, sondern Korallen, nach denen sich Aquarianer verzehren. Daneben blüht’s weihnachtlich: Die rot-grüne Hirnkoralle „Christmas“ ist ein Hingucker, aber mit Vorsicht zu genießen. Bei ihren langen Kampftentakeln sollten andere Nesseltiere ihr besser nicht zu nahe kommen. Auch „Toxic Pie“, „Mean Green“ und „Green Slimer“ sind dem Namen nach wenig anziehend, tatsächlich aber echte Naturschönheiten.

Mit dem Liebling von Diane Enkelmann und Johannes Höhn können sie trotzdem nicht mithalten. Der Mandarin-Leierfisch ist kaum größer als ein Stückchen Schokolade und leuchtet wie ein Meer aus bunten Edelsteinen: Blaue Tupfen, türkisfarbene Streifen, dazu grüne, gelbe und orange Farbflächen überziehen den Minischwimmer vom Maul bis zur Schwanzflosse. 180 Euro ist dieses Schmuckstück wert.

Fasziniert von Unterwasserwelten

Der Anblick solcher Zierfische macht manches überflüssig. „Wir haben zu Hause keinen Fernseher, sondern zwei Aquarien“, sagt Johannes Höhn und lacht. Die Aquaristik begeistert ihn seit seiner Kindheit. Im Alter von sechs Jahren bekommt er sein erstes Süßwasserbecken, mit 14 wird er Meerwasser-Aquarianer. Heute taucht er in Ozeanen ab – privat mit Freundin Diane, beruflich als Forscher für Institutionen wie dem Deutschen Meeresmuseum.

Wie bunt es die Natur treiben kann, zeigt sich an Nemos illustrer Verwandtschaft: Vom klassisch orange-weiß-gestreiften Clownfisch gibt es etliche Abwandlungen. Etwa den schwarzen „Domino“ mit weißem Pünktchen am Kopf oder ein Exemplar, dem seine feuerrote Färbung den Beinamen „Glühkohle“ einbrachte.

Fotoshooting für Fische

Insgesamt 60 Varianten verschiedenster Fischarten schwimmen in den Coralaxy-Becken. Damit sich ihre Schützlinge wohlfühlen wie der sprichwörtliche Fisch im Wasser, arbeiten Diane Enkelmann und Johannes Höhn fast rund um die Uhr. „Allein für die Pflege der Anlage gehen pro Tag um die vier Stunden drauf.“

Viel Zeit investieren die Jungunternehmer in Fotoshootings. Schließlich sollen ihnen Aquarianer buchstäblich ins Netz gehen: Ihre Tiere vertreiben die beiden über den firmeneigenen Onlineshop. Kaum liegt der Wunschfisch im digitalen Warenkorb, wird in Bentwisch das Pendant fachgerecht verpackt und mit einem auf Lebendtiertransporte spezialisierten Expresszusteller an Kunden verschickt. Die ordern aus allen Teilen Deutschlands, aber auch nach Schweden, Italien und Irland gingen bereits Lieferungen raus. „Unser Ziel ist es, EU-weit zu verschicken“, sagt Diane Enkelmann.

Jeder Meeresbewohner wird mit Herkunftsnachweis geliefert. Wer bei Coralaxy bestellt, soll nachvollziehen können, woher sein Tier stammt und wie es aufgezogen wurde. Transparenz ist dem Gründerduo wichtig.

Um zu wissen, was Fisch und Koralle gefällt, geht das Paar den Weltmeeren auf den Grund – praktisch und in der Theorie. Im Rahmen ihres Aquaristikstudiums haben Johannes Höhn und Diana Enkelmann rund um den Globus Tauchgänge und Praktika absolviert. Mit ihrem Start-up Coralaxy erfüllen sie sich einen Herzenswunsch. Und dem ein oder anderen „Findet Nemo“-Fan mit Sicherheit auch.

Paradies für Naturschönheiten

20 000 Liter Wasser fasst die Aquakulturanlage von Coralaxy. Die Unternehmensgründer Diane Enkelmann und Johannes Höhn haben sie selbst geplant und aufgebaut. Was in den Aquarien schwimmt und gedeiht, wird im Netz vertrieben: Meerwasserfische und -korallen – ausnahmslos Nachzuchten – werden im Onlineshop auf coralaxy.de verkauft.

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