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Rostock Firmen in Mecklenburg-Vorpommern halten an Facebook fest
Mecklenburg Rostock Firmen in Mecklenburg-Vorpommern halten an Facebook fest
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19:12 26.03.2018
Blick in einen Hühnerstall des Bio-Erzeugerverbunds Fürstenhof: Geschäftsführerin Annalina Behrens hält an Facebook fest.
Blick in einen Hühnerstall des Bio-Erzeugerverbunds Fürstenhof: Geschäftsführerin Annalina Behrens hält an Facebook fest. Quelle: Frank Söllner
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Rostock

Der Facebook-Skandal ist in Mecklenburg-Vorpommern Anstoß dafür, dass Firmen ihre Aktivitäten in sozialen Netzen überprüfen. Aber: Bisher gibt es keine Hinweise, dass Unternehmen ihre Profile löschen, heißt es bei der Rostocker Industrie- und Handelskammer (IHK). Kürzlich war bekanntgeworden, dass sich die britische Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica Zugang zu Daten von Millionen Facebook-Profilen verschafft hat.

Die Rostocker Kreuzfahrtreederei Aida Cruises nehme „die Sache sehr ernst“, sagt Aida-Sprecher Hansjörg Kunze. „Wir sondieren die Situation und bewerten mit unseren Datenschutz-Experten, was dort eigentlich genau passiert ist.“ Außerdem würde aufmerksam verfolgt, wie die deutsche Politik auf den Vorfall reagiere, so Kunze.

Bei Rostocks IHK werde „die aktuelle Entwicklung beobachtet“, versicherte Hauptgeschäftsführer Jens Rademacher. „Vom Ergebnis der Aufklärung machen wir abhängig, ob wir dabei bleiben.“

Nach einer Emnid-Umfrage hat in Deutschland schon fast jeder zweite Nutzer über eine Abmeldung nachgedacht. Der US-Millionär Elon Musk machte jetzt ernst: Er löschte die Facebook-Präsenz seines Autoherstellers Tesla sowie der Raumfahrtfirma SpaceX.

Beim Landes-Tourismusverband gibt es bislang „keinen Fan-Verlust“, wie Sprecherin Katrin Hackbarth feststellt. „Deshalb bleiben auch wir dort aktiv. Wir wollen auf den Kanälen sein, auf denen viele MV-Urlauber unterwegs sind.“

Der Bioeier-Erzeugerverbund Fürstenhof (Landkreis Rostock) hält ebenfalls an Facebook fest. „Für uns überwiegen die Vorteile“, sagt Geschäftsführerin Annalina Behrens. „Wir können dort sehr schnell auf Kundenfragen reagieren.“  Außerdem sei die Plattform eine gute Möglichkeit, die Distanz zum Verbraucher zu überbrücken. Fürstenhof-Farmen produzieren vorwiegend in Mecklenburg-Vorpommern, verkaufen  ihre Eier aber bis nach Bayern, Baden-Württemberg und ins Saarland. „Wir stellen aktuelle Fotos und Videos ins Netz, mit denen Kunden einen Eindruck aus unseren Ställen erhalten“, so Annalina Behrens.

Facebook hat indessen im Skandal um den Missbrauch der Daten von Millionen Nutzern Besserung gelobt und will alle Betroffenen informieren. Das sagte Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) am Montag nach einem Gespräch mit europäischen Facebook-Vertretern in Berlin. Wie viele Deutsche genau von dem Datenskandal betroffen sind, blieb dabei noch unklar.

An konkreten Zusagen konnte Barley dem weltweit größten sozialen Netzwerk nicht viel abringen. Der europäische Cheflobbyist des Konzerns, Richard Allan, gab sich nach dem Treffen mit der Ministerin aber betont demütig. „Wir unternehmen die notwendigen Schritte, um sicherzustellen, dass so etwas nicht noch einmal passieren kann.“

Vor gut einer Woche war bekannt geworden, dass die Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica illegal an Informationen von Millionen Facebook-Usern gekommen war - ohne das Wissen der Nutzer. Sie hatte die Daten von einem britischen Professor bekommen, der eine App mit einer Psychologie-Umfrage auf die Facebook-Plattform brachte. Nach der damaligen Funktionsweise von Facebook hatte die App des Professors auch Zugang zu einigen Informationen der Freunde der rund 300 000 Umfrage-Teilnehmer bekommen, etwa deren Likes und Interessen. So sammelten sich Daten von rund 50 Millionen Facebook-Nutzern an.

Allan erklärte, von den 300 000 Menschen, die sich die App heruntergeladen hätten, seien schätzungsweise ein Prozent Europäer. Die genaue Zahl werde derzeit ermittelt und in den nächsten Tagen kommuniziert. Er habe die Entschuldigung des Unternehmens für diesen Vertrauensbruch an Barley übermittelt, sagte er und versprach unter anderem, Nutzern künftig eine bessere Kontrolle über ihre Daten zu geben. „Wir haben bereits erste Schritte unternommen. Wir sind uns bewusst, dass dies erst der Anfang sein kann.“

Facebook hatte sich mit seiner Kommunikation in dem Datenskandal viel Kritik eingehandelt. Mehrere Unternehmen hatten angekündigt, vorerst keine Werbung mehr bei Facebook zu platzieren. Auch an der Börse geriet Facebook unter Druck: In der vergangenen Woche sank die Facebook-Aktie um 14 Prozent.

Ehlers Elke