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Rostock Flüchtlingskrise: Schweden führt wieder Grenzkontrollen ein
Mecklenburg Rostock Flüchtlingskrise: Schweden führt wieder Grenzkontrollen ein
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16:59 12.11.2015
Transitflüchtlinge, die nach Skandinavien wollen, steigen am Seehafen Rostock in einen Bus. Sie werden zu den Fähren gebracht, die täglich nach Trelleborg fahren. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa
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Stockholm

Wegen der großen Zahl von Flüchtlingen müssen Reisende an der schwedischen Grenze von Donnerstag an wieder ihren Pass vorzeigen. Innenminister Anders Ygeman kündigte am Mittwochabend an, dass von 12 Uhr vorübergehend wieder Grenzkontrollen eingeführt werden. Die Maßnahme sei vorerst auf zehn Tage begrenzt. Betroffen sind die Zug- und Autotrassen auf der Öresundbrücke sowie die Fährverbindungen in Südschweden.

Die „Rekordzahl“ eintreffender Flüchtlinge stelle eine „Gefahr für die öffentliche Ordnung“ dar, teilte die Regierung in Stockholm mit.

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Die Entscheidung war seit Tagen erwartet worden. In einem Interview im schwedischen Fernsehen hatte der Migrationsminister Morgan Johansson erklärt. „Wir haben die Grenze des Machbaren erreicht.“ Und: Das skandinavische Land könne Flüchtlingen keine Unterkunft mehr garantieren.

Rostock bereitet sich auf steigende Flüchtlingszahlen vor

Derzeit reisen täglich Hunderte Flüchtlinge über die Fährhäfen Rostock und Sassnitz-Mukran ein. Ob die Entscheidung Schwedens Einfluss auf die Zahl der Flüchtlinge in Rostock hat, werde sich erst in den nächsten Tagen zeigen, sagte der Rostocker Sozialsenator Steffen Bockhahn (Die Linke) am Mittwochabend in einer ersten Reaktion gegenüber der OZ. „Wir sind in jedem Fall auf steigende Zahlen vorbereitet und werden jetzt abwarten, wie sich die Lage entwickelt“, so Bockhahn.

Derzeit seien die Notunterkünfte in Rostock nicht komplett ausgelastet. Am Wochenende werde zudem die Hansemesse als weitere große Unterkunft mit mehr als 1000 Plätzen zur Verfügung stehen. Bockhahn: „Grenzkontrollen bedeuten nicht zwangsläufig, dass Flüchtlinge abgewiesen oder zurückgeschickt werden.“

Innenminister Lorenz Caffier (CDU) sicherte der Stadt Rostock weitere Unterstützung des Landes zu.

Zahl der Transitflüchtlinge unter 1000 Menschen gesunken

Die Zahl der Transitflüchtlinge in Mecklenburg-Vorpommern ist seit Wochen erstmals wieder knapp unter 1000 Menschen gesunken. „Wie sich die von Schweden angekündigten Grenzkontrollen auswirken, werden aber erst die nächsten Tage zeigen“, erklärte Stadtsprecher Ulrich Kunze am Donnerstag. So hätten 896 Flüchtlinge in Rostock und 100 auf der Insel Rügen übernachtet. Das waren etwa 200 Menschen weniger als am Mittwoch und nur halb so viele wie vor einer Woche. So kamen am Mittwoch rund 300 Zuwanderer mit Zügen an, während 500 mit Fähren weiterfahren konnten.

Am Donnerstag sollten knapp 400 Flüchtlinge Fährtickets ins schwedische Trelleborg erhalten. Die schwedischen Betreiber hätten  angekündigt, schon vor dem Gang an Bord die Papiere zu kontrollieren, hieß es. Die Stadt Rostock dürfe sie nicht kontrollieren und habe daher keine Übersicht, wer über welche Papiere verfüge.

Am Donnerstag sollten sechs Fähren von Rostock und eine von Sassnitz nach Schweden ablegen. Das Nachbarland hatte am Mittwochabend die Einführung von Grenzkontrollen für mindestens zehn Tage angekündigt.



OZ