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Rostock Flughafen Laage: Rostock ruft zur Krisensitzung
Mecklenburg Rostock Flughafen Laage: Rostock ruft zur Krisensitzung
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23:16 28.02.2019
Ein Bild aus besseren Tagen – ein Germania-Flieger wird auf dem Flughafen Rostock-Laage abgefertigt. Quelle: dpa
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Rostock

Die Rostocker Bürgerschaft trifft sich Ende März zu einer Krisensitzung, um über die Rettung des Flughafens Laage zu beraten. Das geht aus einem internen Schreiben hervor. „Die Gesellschafter halten es für dringend erforderlich, noch im ersten Quartal dieses Jahres wesentliche Zukunftsentscheidungen für den Flughafen zu treffen“, teilt Stadtsprecher Ulrich Kunze auf OZ-Nachfrage mit. Heißt im Klartext: Die Bürgerschaft wird sich auch mit höheren Finanzhilfen für den in Schieflage geratenen Airport beschäftigen müssen.

Aktuell pumpen die Rostocker Versorgungs- und Verkehrsholding (RVV), der Landkreis Rostock und die Stadt Laage als Gesellschafter jährlich 1,7 Millionen Euro in den Flughafen. Das Land schießt eine weitere Million hinzu. Doch das wird nun nicht mehr reichen. Durch die Insolvenzen der Fluggesellschaften Germania und Flybmi fallen wichtige Verbindungen und damit Einnahmen weg. Für die knapp 200 Mitarbeiter ist inzwischen Kurzarbeit angesagt, weil es kaum noch Flugbetrieb gibt. Da reicht auch das Engagement der neuen österreichischen Fluggesellschaft Laudamation und der türkischen Airline Corendon allein nicht aus (die OZ berichtete).

Ab 2024 keine Zuschüsse mehr erlaubt

Ob Rostock nun noch mehr Geld gibt oder nicht, macht Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) vom Einstieg des Landes als Gesellschafter abhängig. Denn eins steht für ihn fest: Ohne eine direkte Beteiligung Schwerins droht dem Flughafen 2024 das Aus. „Und alle heutigen Bemühungen zur Belebung des Flugverkehrs wären sinnlos“, so der OB. Hintergrund ist ein Beschluss der EU-Kommission, staatliche Beihilfen für Flughäfen in der Europäischen Union ab 2024 zu kappen. Regionale Airports wie Laage müssen sich dann allein mit Kraft der Gesellschafter tragen.

Methling sieht die Landesregierung in der Pflicht, weil sich SPD und CDU in ihrem Koalitionsvertrag auf eine langfristige Förderung des größten Flughafens in MV verständigt haben. Der Airport sei „als Regionalflughafen mit landeszentraler Bedeutung wesentlich für die soziale und wirtschaftliche Entwicklung des Landes Mecklenburg-Vorpommern“, heißt es hier. Und weiter: „Die Sicherung der luftverkehrlichen Anbindung des Landes über Rostock-Laage an das nationale und internationale Luftverkehrsnetz ist für die Verbesserung der Wirtschaftskraft und die Sicherung der Mobilitätsbedürfnisse der Bürger unabdingbar.“

Grüne fordern 94-Prozent-Beteiligung

Kommunalpolitikerin Sybille Bachmann (Rostocker Bund) sieht das genauso. Sie fordert, dass sich das Land mit 50 Prozent beteiligt. „Die Erfüllung der wichtigen Infrastrukturaufgabe Landesflughafen drei Kommunen zu überlassen, wäre unredlich“, so Bachmann. Das Land dürfe hier nicht aus der Verantwortung gelassen werden. „Bei der Krise 2014 hatte die Landesregierung eine Beteiligung an der Gesellschaft bereits in Aussicht gestellt. Dies ist nun umzusetzen“, betont die OB-Kandidatin.

Methlings Wählerbündnis UFR hält ebenfalls eine Beteiligung mit 50 Prozent für angemessen. Den Grünen geht das jedoch nicht weit genug: Sie verlangen 94 Prozent. „Wenn das Land eine strategische Bedeutung am Flughafen sieht, soll es auch die Verantwortung dafür übernehmen“, sagt Fraktionschef Uwe Flachsmeyer. In anderen Bundesländern sei das üblich. „Wir wollen die dann frei werdende eine Million Euro in den öffentlichen Nahverkehr stecken“, so OB-Kandidat Flachsmeyer.

Will der Landkreis aussteigen?

Auch für die Linke steht außer Frage, dass die Landesregierung hier ihrer Verantwortung nachkommen müsse. Schließlich bräuchten Tourismus, Wirtschaft und Wissenschaft für ihr Geschäft die Anbindung an die nationalen und internationalen Zentren, wie die Landtagsabgeordnete Mignon Schwenke betont.

Eine direkte Beteiligung lehnte das Land bisher jedoch rigoros ab. Laut Methling gebe es daher im Landkreis Rostock bereits Überlegungen, die Gesellschafteranteile zu veräußern. „Das kann ich gut verstehen“, so der OB. Landkreis-Sprecher Michael Fengler widerspricht dem jedoch: „Es gibt beim Landkreis Rostock keine derartigen Überlegungen.“ Richtig sei, dass der Landkreis Rostock, wie mit den anderen Gesellschaftern und dem Land vereinbart, an Lösungen für die Flughafengesellschaft arbeite, so Fengler.

Größter Flughafen in MV

Der Flughafen Rostock-Laage ist der größte Verkehrsflughafen Mecklenburg-Vorpommerns. 2018 sind hier fast 300 000 Passagiere abgefertigt worden. Die als Standort der Bundeswehr eingerichtete Anlage wird seit 1993 durch die Flughafen Rostock-Laage-Güstrow GmbH auch als ziviler Regionalflughafen genutzt. Von der 1000 Hektar großen Gesamtfläche werden jedoch nur etwa 60 Hektar ausschließlich für den zivilen Bereich belegt. Bis heute gilt diese Form der militärisch-zivilen Zusammenarbeit im Flugverkehr als einmalig in Deutschland.

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